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AKTUELL: Akut

60-tägiges Moratorium für das H5N1-„Supervirus“

Dtsch Arztebl 2012; 109(5): A-178 / B-162 / C-162

EB

Den beiden Forschergruppen um den niederländischen Wissenschaftler Ron Fouchier und den Amerikaner Yoshihiro Kawaoka, die eine potenziell gefährliche Virusmutante des Vogelgrippevirus H5N1 entwickelt haben (DÄ, Heft 4, 2012), setzen ihre Experimente für 60 Tage aus. Sie reagieren damit auf die anhaltende internationale Diskussion, inwieweit Ergebnisse medizinischer Forschung zensiert werden dürfen oder müssen. Das National Science Advisory Board for Biosecurity der US-Regierung hatte den Wissenschaftlern untersagt, ihre Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften „Science“ und „Nature“ zu publizieren, da Terroristen die Daten nutzen könnten, um Bio-Waffen zu kreieren.

Jetzt haben sich 39 Forscher in einem Statement, das in beiden Wissenschaftsmagazinen abgedruckt wurde, zu der Kontroverse geäußert. „Wir erkennen, dass wir [. . . ] klar und deutlich die Vorteile dieser wichtigen Forschung darlegen müssen, ebenso die Maßnahmen, die ergriffen werden, um die möglichen Risiken zu minimieren“, so die Forscher. Zu diesem Zweck wollen sie ein internationales Forum einberufen, auf dem die wissenschaftliche Gemeinde zu diesen Themen debattieren soll. Ein freiwilliges Moratorium von 60 Tagen sei an dieser Stelle genau das Richtige.

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Ron Fouchier, einer der Initiatoren des Moratoriums, bedauert, diesen Schritt gehen zu müssen: „Es ist schade, dass es so weit gekommen ist. Ich hätte es vorgezogen, wenn die ganze Sache nicht eine solch große Kontroverse verursacht hätte.“ Zu der Frage, ob veröffentlichte Forschungsergebnisse Terroristen möglicherweise einen Vorteil verschaffen könnten, äußert sich Fouchier eindeutig: „Nein. Denn Bio-Terroristen können das Virus nicht herstellen, es ist zu komplex, man braucht eine Menge Expertenwissen. Und Schurkenstaaten, die die Kapazitäten haben, es zu tun, brauchen unsere Informationen nicht.“

Wie wichtig der Informationsaustausch zwischen Forschern ist, beschreibt der Virologe Peter Palese (Nature 2012; 481: 115): „Meine Kollegen und ich standen im Mittelpunkt einer ähnlichen Kontroverse, als wir 2005 das Grippevirus von 1918 rekonstruierten [. . . ]. Hätten wir das Virus nicht rekonstruiert und unsere Ergebnisse mit der wissenschaftlichen Gemeinde geteilt, würden wir immer noch in Angst vor einem niederträchtigen Wissenschaftler leben, der die Spanische Grippe wiederherstellt und auf eine ungeschützte Welt loslässt. Jetzt wissen wir, dass ein solches Worst-case-Scenario nicht mehr möglich ist.“ EB


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