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PHARMA

Phytotherapie: Beliebt und effektiv

Dtsch Arztebl 2012; 109(5): A-221

Bischoff, Martin

Phytotherapeutische Kombinationspräparate lindern funktionelle Magen- Darm-Beschwerden auf verschiedenen Ebenen. Auch die unterstützende Wirkung der Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa ist nachgewiesen.

Magen-Darm-Beschwerden können funktionell bedingt sein, es können sich dahinter aber auch schwere, unter Umständen lebensbedrohliche Krankheiten verbergen. Differenzialdiagnostisch bedeutsam ist nach Angabe von Dr. med. Erwin Häringer, München, in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Beschwerden auch nachts bestehen bleiben. Gerade beim Reizdarm, der tagsüber schwerste funktionelle Störungen wie Dysmotilität, Hypersensitivität oder Mikroinflammationen verursachen kann, sei die Nachtruhe nicht oder kaum gestört.

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Für die Behandlung funktioneller Probleme in Magen und Darm, an denen zwischen zehn und 25 Prozent der Bevölkerung leiden, bieten sich pflanzliche Arzneimittel an, die mit Bestandteilen aus mehreren Wirkstoffen ein breites Spektrum unterschiedlicher Symptome lindern können. Da sie zudem gut verträglich sind, erfreuen sie sich bei den Patienten großer Beliebtheit. Wie Prof. Dr. rer. nat. Michael Schemann, München-Freising, am Beispiel von STW5 aufzeigte, besitzen pflanzliche Präparate ihre Berechtigung nicht nur aus einer historisch-kulturellen Tradition, sondern bestehen auch in kontrollierten klinischen Studien.

Bei STW5 handelt es sich um eine Kombination aus Extrakten von bitterer Schleifenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchten, Mariendistelfrüchten, Melisseblättern, Schöllkraut, Süßholzwurzel und Pfefferminzblättern. Eigene labortechnische Untersuchungen von Scheemann konnten verschiedene Wirkungen des Präparats auf die Magenmotorik nachweisen. Danach erweitert STW5 den Magenspeicher und verbessert damit die Volumenadaptation des Magens. Außerdem wird die Magenpumpe aktiviert, wodurch der Mageninhalt besser zerkleinert und durchmischt wird. Schließlich haben die Versuche auch eine tonisierende Wirkung auf den Ösophagussphinkter ergeben.

Über klinische Daten mit einem pflanzlichen Kombipräparat bei der Colitis ulcerosa (CU) berichtete Prof. Dr. med. Jost Langhorst, Essen. Dabei ging es um den Nachweis der Nichtunterlegenheit einer Kombination aus Myrrhe, Kaffeekohle und Kamillenblütenextrakt relativ zum Goldstandard Mesalazin in der Remissionserhaltung. Teilnehmer waren 96 Patienten, die sich seit mindestens einer Woche und maximal zwölf Monaten in Remission befanden. Als Maßstab für eine Nichtunterlegenheit galt der gemittelte Colitis-Aktivitätsindex (CAI nach Rachmilewitz).

Als sekundäre Endpunkte wurden die Rezidivrate, die Dauer bis zum ersten Rezidiv und das Sicherheitsprofil ermittelt. Im Ergebnis bestand während der gesamten zwölf Monaten der Studie kein signifikanter Unterschied im CAI zwischen beiden Behandlungsgruppen. Dies galt ebenfalls für die Dauer bis zum ersten Rezidiv. Die wurde für Mesalazin mit 268 ± 22 und für die Pflanzenkombination mit 240 ± 23 Tage ermittelt. Langhorst zufolge war damit die Nichtunterlegenheit belegt und die Therapie mit Myrrhe, Kaffeekohle und Kamillenblütenextrakt als potenzielle Alternative zu Mesalazin in der Remission bei CU erwiesen.

Martin Bischoff

Pressekonferenz „Phytoforschung löst Magen-Darm-Probleme“ des Komitees Forschung Naturmedizin in München

Kurz informiert

Fingolimod: Patienten bei Ersteinnahme verstärkt überwachen – Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat eine Nutzen-Risiko-Bewertung des Multiple-Sklerose-Präparates Fingolimod (Gilenya®, Novartis) eingeleitet. Hintergrund sind kardiovaskuläre Nebenwirkungen bereits nach der ersten Einnahme des Medikaments. In den USA wurde ein Todesfall innerhalb von 24 Stunden nach erster Fingolimod-Dosis gemeldet. Allerdings ist die genaue Todesursache noch unklar. Weltweit kam es zu zehn weiteren ungeklärten Todesfällen nach Fingolimod-Therapiebeginn. Ob ein Kausalzusammenhang besteht, ist noch offen. Die Neubewertung soll im März 2012 abgeschlossen sein.

Die Behörde empfiehlt Ärzten, ihre Patienten nach der ersten Applikation sorgfältig zu überwachen. Dazu gehört ein Elektrokardiogramm vor der Behandlung und kontinuierlich während der ersten sechs Stunden nach der ersten Einnahme. Außerdem sollte der Arzt Blutdruck und Herzfrequenz stündlich überprüfen. Sollten nach sechs Stunden kardiale Effekte wie Bradykardie oder AV-Block auftreten, ist der Patient bis zur Besserung zu überwachen. Der bradykarde Effekt war bereits bei der Zulassung des Medikaments im März 2011 bekannt. EB


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