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MEDIZIN: Diskussion

Magnesiummangel abklären

Possible Magnesium Deficiency Should Be Investigated

Dtsch Arztebl Int 2012; 109(6): 109; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0109b

Ratzmann, Gerd W.

Weil die Existenz polymorpher funktioneller Syndrome das eigentliche klinische Korrelat eines Magnesium-(Mg)-Mangel-Syndroms („magnesium deficieny“, MD) ist, gilt es geradezu als „Modellkrankheit“ für funktionelle Störungen (FS) – früher als „Spasmophilie“ (Frankreich), „neuronales Hyperexzitabilitätssyndrom“ (Italien) beziehungsweise „chronisches tetanisches Syndrom“ (deutscher Sprachraum) bezeichnet. Gegenüber zerebralen (ZNS, VNS, Psyche), kardio-vaskulären und muskulär-tetanischen Formen eines MD dominiert altersabhängig bei Kindern die abdominell-viszerale und bleibt unbeachtet in der Arbeit von Bufler, et al. (1).

Die Rom-III-Klassifikation subgruppiert sie unter H-Störungen (1), (eTabelle 1). Als „funktionelles abdominelles Syndrom/FAS“ (nach Heinisch) manifestieren sich solche in 46 % bei Kindern mit verschiedenen FS (2). Ein positiver von-Bonsdorff-Test in 69 % unterscheidet diese Kinder nicht signifikant gegenüber echten Hyperventilations-Tetanie-Patienten (2), für die ein MD gut dokumentiert ist (3). Die Effektivität einer Mg-Therapie von > 90 % betrifft bei Letzteren nicht nur die Anfallssymptomatik, sondern auch das häufig assoziierte FAS, wie auch Kinder mit FAS von einer Mg-Therapie profitieren (4).

Da die Rom-III-Kriterien den Begriff „funktionell“ nur zulassen, wenn Schmerzen unter anderem „… nicht durch … biochemische Erkrankungen erklärt werden können“ ( 1 ), steht das Kriterium „kein Anhalt für … metabolische … Prozesse“ (Subgruppen H1a, H2a–H2d ) der Zuordnung „isomorpher“ Symptome eines FAS bei MD zu den Rom-III-H-Klassen exklusiv entgegen; sie sind trotzdem sehr wohl funktionelle Störungen. Um sie abzuklären, ist die unerwähnte Diagnostik eines MD erforderlich, um sie zu behandeln, eine ausreichende Mg-Therapie. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Maßnahmen als alleinige Therapieoption zu verinnerlichen sollte darum kein Lernziel sein.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0109b

Dr. med. Gerd W. Ratzmann

Neuenkirchen
g_ratzmann@t-online.de

Interessenkonflikt
Der Autor erhielt Reisekostenerstattungen von der Firma Lilly Deutschland GmbH.

1.
Bufler Ph, Groß M, Uhlig HH: Recurrent abdominal pain in childhood. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(17): 295–304. VOLLTEXT
2.
Ratzmann GW, Lühder H: Gesteigerte tetanische Erregbarkeit bei Kindern mit funktionellen (psychosomatischen) Störungen. Kinderärztl Prax 1988; 56: 487–94. MEDLINE
3.
Ratzmann GW, Ratzmann L: Parameters of magnesium metabolism in children and adolescents with hyperventilation syndrome (abstr.). Magnesium-Bull 1999; 21: 26.
4.
Ratzmann GW, Lühder H, Berg A, Ratzmann M, Gehler W: Magnesium-Therapie: Ein wirksames Prinzip zur Reduktion psychoreaktiver, neurose-äquivalenter Symptome bei Kindern. In: Anke M, Brückner C, Gürtler H, Grün M (eds.): Mengen- und Spurenelemente. Leipzig. Karl-Marx-Universität 1988, 8/Teil 2: 278-82.

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