MEDIZIN: Diskussion
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Dtsch Arztebl Int 2012; 109(6): 111; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0111


Wir möchten uns ganz herzlich für die Kommentare bedanken. Die Leserbriefe machen deutlich, dass Bauchschmerzen im Kindesalter ein häufiges, nicht immer einfach zu behandelndes, komplexes und oft auch interdisziplinäres klinisches Problem sind. Unser Ziel war es, eine evidenzbasierte und praktische Handlungsanleitung darzustellen.
Herr Dr. Namislo weist auf die Schwierigkeiten der Differenzierung von funktionellen und organischen Erkrankungen hin und bemerkt treffend, dass viele organische Ursachen für funktionelle Bauchschmerzen noch nicht bekannt sind. Wir haben versucht, in der Arbeit den aktuellen Wissensstand zusammenzufassen. Allein die Tatsache, dass sich möglicherweise für bestimmte Subgruppen von Patienten noch Ursachen und spezifischere Therapien finden werden, sollte nicht dazu verleiten, aktuell außerhalb von Studien unnötige Medikation zu testen. Herr Dr. Ratzmann weist in diesem Zusammenhang auf einen Magnesiummangel als mögliche Ursache von Bauchschmerzen hin. Magnesium beeinflusst die intestinale Motilität, weshalb ein Mangel an Magnesium auch intestinale Beschwerden verursachen kann. Ein Magnesiummangel ist jedoch nicht als häufige Ursache von Bauchschmerzen im Kindes- und Jugendalter beschrieben. Eine generelle Empfehlung zur Abklärung eines möglichen Magnesiummangels ohne weitere Warnhinweise (zum Beispiel Muskelkrämpfe) ergibt sich damit nicht.
Auf die Notwendigkeit der Abklärung von Übelkeit und Erbrechen zum Ausschluss von zentralen Tumoren/Hirndruck haben wir in unserem Artikel hingewiesen. Wir haben jedoch in der von uns angegebenen Literatur keinen Hinweis auf einen allgemein akzeptierten Regelkreis zwischen visuellen Störungen und Bauchschmerzen gefunden, wie es von Herrn Dr. Gorzny dargestellt wird. Hinweise für kontrollierte Studien zur therapeutischen Wirksamkeit von visuskorrigierenden Maßnahmen und Migräne/Kopfschmerzen sind klar, liegen für Bauchschmerzen nach unserem Wissen aber nicht vor. Herr Dr. Dorlöchter beschreibt den Stellenwert des Calprotektin bei der Erkennung von organischen entzündlichen Ursachen. Wir stimmen Herrn Dorlöchter zu, dass diese Untersuchung als nicht-invasive Untersuchung einen Stellenwert in der Diagnostik von kindlichen chronischen Bauchschmerzen hat (1) und haben es deshalb in unserem Artikel in der Liste der (wenigen) sinnvollen Laboruntersuchungen aufgeführt (2).
Wie von Frau Dr. Bojak beschrieben, kennen auch wir aus unserer Praxis Beispiele von Patienten/innen, bei denen wir einen Zusammenhang zwischen Bauchschmerzen und sexuellem Missbrauch vermuten oder für wahrscheinlich halten und wir danken für diesen wichtigen Hinweis. Ein Zusammenhang zwischen gastrointestinalen Beschwerden und sexuellem Missbrauch ist in verschiedenen Studien sowohl für Erwachsene aber auch für Kinder beschrieben worden (3, 4). Wenngleich nicht explizit erwähnt, haben wir auf die Rolle von psychischen Stresssituationen und auf die Notwendigkeit einer psychosozialen Anamnese hingewiesen. Wie exemplarisch von Frau Dr. Bojak beschrieben, kann sich der Prozess der Öffnung von Patienten hinsichtlich von Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch über Monate oder gar Jahre hinziehen. Bei diesen Patienten ist – nach Ausschluss von organischen Ursachen – natürlich eine kinder- oder jugendpsychologische Betreuung sinnvoll.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0111
PD Dr. med. Philip Bufler
Abt. für Pädiatrische Gastroenterologie und Hepatologie
Dr. von Haunersches Kinderspital
LMU München
philip.bufler@med.uni-muenchen.de
Dipl.-Psych. Martina Groß
PD Dr. med. Holm H. Uhlig
Interessenkonflikt
PD Bufler erhielt Reisekostenunterstützung und Vortragshonorare durch die
Firmen Abbott, Roche Pharma AG, The Binding Site GmbH, Essex Pharma und
Given Imaging. PD Bufler hält ein Patent (7820156) an einer Methode, die möglicherweise in der Behandlung von Morbus Crohn eingesetzt werden kann.
PD Uhlig erhielt Reisekostenunterstützung durch die Glaxo-Smith-Kline Foundation und Essex Pharma und Projektfinanzierung durch die Hexal Initiative
Kinderarzneimittel. PD Uhlig hält ein Patent (DE 10065932 B4) an einer Methode, die möglicherweise in der Diagnose der Zöliakie eingesetzt werden kann.
Dipl-Psych. Groß erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.
1.
van Rheenen PF, Van de Vijver E, Fidler V: Faecal calprotectin for screening of patients with suspected inflammatory bowel disease: diagnostic meta-analysis. BMJ 2010; 341: c3369. doi: 10.1136/bmj.c3369.
CrossRef MEDLINE
2.
Bufler P, Gross M, Uhlig HH: Recurrent abdominal pain in childhood. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(17): 295–304.
VOLLTEXT
3.
Berger MY, Gieteling MJ, Benninga MA: Chronic abdominal pain in children. BMJ 2007; 334(7601): 997–1002.
CrossRef MEDLINE
4.
van Tilburg MA, Runyan DK, Zolotor AJ, et al.: Unexplained gastrointestinal symptoms after abuse in a prospective study of children at risk for abuse and neglect. Ann Fam Med 2010; 8(2): 134–40.
CrossRef MEDLINE
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