MEDIZIN: Diskussion
Endziel zweifelhaft
Objective Is Questionable
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(6): 112; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0112b


Das Ergebnis, dass neue Studien benötigt werden, kann ich nur unterstreichen. Als rekonstruktiv tätiger plastischer Chirurg, der täglich große Defekte nach Infekten, Trauma und Tumoren behandelt, bezweifele ich allerdings das Endziel. Nicht der Wundverschluss durch „negative pressure wound therapy“ (NPWT) muss evaluiert werden. Die NPWT hat ihren unbestrittenen klinischen Platz in der Konditionierung der Wunde bis zur Deckung durch den (plastischen) Chirurgen, gerade bei großen und primär infizierten Wunden. Bis zur Deckung erhöht die NPWT nicht nur die Lebensqualität der Patienten durch eine niedrigere Frequenz schmerzhafter Verbandswechsel (Intervalle von bis zu sieben Tagen sind problemlos machbar), sondern verbessert nach Débridement die Wundsituation so, dass wir schneller und sicherer decken können. Dabei geht es nicht nur um Hauttransplantationen, sondern auch um Deckungen mit gestielten und freien, mikrovaskulären Lappenplastiken. Hierfür sind die Aspekte der Infektion und Vaskularität der Wunde (oder der Extremität) im Vorfeld immer zu klären. Ich gebe zu, dass ein solcher Endpunkt von deutlich mehr (subjektiven) Variablen abhängt, aber ein schwer messbarer Endpunkt darf nicht von einer korrekten Zielstellung abhalten. Es wäre bedauerlich für unsere Patienten, wenn die neuen Studien erneut den falschen Endpunkt evaluierten. In diesem Zusammenhang sollte man die rekonstruktiven Fachleute primär einbinden.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0112b
Prof. Dr. med. Hisham Fansa, MBA
Chefarzt der Klinik für Plastische, Wiederherstellungs- und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie Klinikum Bielefeld
hisham.fansa@klinikumbielefeld.de
Interessenkonflikt
Prof. Fansa erheilt Erstattung von Reise- und Übernachtungskosten von Pfizer.
1.
Peinemann F, Sauerland S: Negative pressure wound therapy – systematic review of randomized controlled trials. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(22): 381–9.
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