Wettbewerb kann nur dort für gute Qualität sorgen, wo sich zwei Geschäftspartner auf Augenhöhe begegnen. Genau das ist bei Patienten, kranken Menschen, geschwächt und in Beschlag genommen durch ihre Krankheit, nicht der Fall. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Krankenkassen in heutiger Form reine Sachwalter der Patienteninteressen sind. Vielmehr sind diese auch Wirtschaftsunternehmen, die ihre eigenen Belange vertreten müssen, zum Beispiel auch in Konkurrenz mit anderen Arbeitgebern den eigenen Angestellten attraktive Löhne zahlen zu können und durch beeindruckende Gebäude und hochwertige Büros den eigenen Erfolg zu demonstrieren. Der Patient, der teure medizinische Versorgung benötigt, kann da schon mal zum zu minimierenden Störfaktor werden.
Ein Blick über den Zaun zeigt die Lösung: 2001/2002 habe ich in Frankreich gearbeitet, dort gibt es nur eine staatliche Kasse, in die alle Einkommensgruppen einzahlen müssen. Ich habe ein medizinisches Schlaraffenland erlebt, wo die Frage nach den Kosten nur ganz selten gestellt wurde, aber immer die Frage, was für den Patienten optimal ist. Nebenbei habe ich doppelt so viel verdient wie zuvor hier. Nach Auskunft von befreundeten Kollegen in Frankreich ist die Situation auch dort inzwischen nicht mehr ganz so rosig, aber immer noch deutlich patientenorientierter. Deutsche Ärzte, deren Familien mitziehen oder die keine haben, bleiben zum größten Teil in Frankreich . . .
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Das immerwährende Problem bleibt, dass Politiker niemals die manchmal bittere Realität des alten Kassenpatienten ohne engagierte oder einflussreiche Angehörige kennenlernen. Tauchen „hohe Tiere“ in Krankenanstalten oder Praxen auf, wird das Unmögliche möglich, und zwar sofort. Ärztliche Querulanten, die wagen, alle gleich zu behandeln, werden schnell auf Abstellgleise aussortiert, vor allem von privaten Trägern.
Alle Bereiche, in denen es die Interessen der Schwachen der Gesellschaft zu wahren gilt, müssen unter staatliche Obhut, das Wettbewerbsprinzip kann von seiner immanenten Logik her hier nicht funktionieren. Wer käme denn beispielsweise auf die Idee, das Schulwesen, die Sonderschulen gar zu privatisieren?
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