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POLITIK

Zehn Jahre Globaler Fonds: Geldgeber in Not

Dtsch Arztebl 2012; 109(7): A-306 / B-267 / C-263

Korzilius, Heike

HIV-positiv? Noch 2002 konnten HIV-/Aids-Patienten in Entwicklungsländern kaum behandelt werden, inzwischen sind es sieben Millionen. Die Hälfte der Behandlungen finanziert der Globale Fonds. Foto: Photothek

Der Globale Fonds ist einer der größten Geldgeber im Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose. Nach Korruptionsvorwürfen im Jahr 2011, die sich gegen Projektpartner richteten, schmälert nun die Finanzkrise das Budget.

Die Würdigungen zum zehnten Geburtstag hätten kaum besser ausfallen können. „Der Globale Fonds ist das wichtigste, erfolgreichste und effektivste Instrument zur Bekämpfung der drei verheerenden Krankheiten, Aids, Malaria und Tuberkulose“, erklärte Philipp Frisch, Referent der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. Und UNAIDS, das Programm der Vereinten Nationen, ließ verlauten: „Mit Hilfe des Globalen Fonds konnten in den zehn Jahren seit seiner Gründung Millionen Menschenleben gerettet werden.“

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23 Milliarden für Hilfsprojekte

Insgesamt hat der Fonds seit 2002 nach eigenen Angaben 23 Milliarden US-Dollar für Programme gegen Aids, Malaria und Tuberkulose in 150 Ländern bewilligt. Inzwischen würden drei Millionen HIV-/Aids-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten versorgt, 7,7 Millionen Tuberkulosepatienten erhielten eine Therapie und 160 Millionen insektizidbehandelte Malarianetze seien verteilt worden.

Doch im Fonds werden die Mittel knapp. Denn viele Geberländer leiden unter den Folgen der Finanzkrise und halten Finanzzusagen nicht ein. Ändert sich daran nichts, wird die Organisation nach eigenen Angaben bis Ende 2013 keine neuen Förderprogramme auflegen können. Derzeit stehen noch zehn Milliarden Dollar bereit, um laufende Programme weiter fördern zu können. Doch nach Schätzungen des Fonds werden weitere zwei Milliarden Dollar benötigt, um den Bedarf zu decken. „Es wird Zeit, dass der Vorstand des Globalen Fonds seine Passivität überwindet und damit beginnt, auf die Dringlichkeit der Situation aufmerksam zu machen“, forderte deshalb der internationale Präsident von Ärzte ohne Grenzen, Unni Karunakara. Der Fonds sei ein wichtiger Teil des ambitioniertesten Gesundheitsprojekts der Geschichte, und viele Menschen, die heute noch am Leben seien, belegten seinen Erfolg.

Im vergangenen Jahr überschatteten jedoch Korruptionsvorwürfe die erfolgreiche Bilanz. Interne Prüfungen hatten ergeben, dass Projektpartner in Mali, Mauretanien, Djibouti und Sambia Gelder veruntreut hatten. Wie der Fonds mitteilte, ist der Verbleib von 34 Millionen US-Dollar ungeklärt. Um Schwachstellen zu identifizieren und effizientere Kontrollmechanismen zu erarbeiten, setzte der Fonds deshalb ein unabhängiges Prüfgremium unter dem Vorsitz des ehemaligen US-amerikanischen Gesundheitsministers, Michael O. Leavitt, und des ehemaligen Präsidenten von Botswana, Festus Mogae, ein. Im September 2011 legte das Gremium seinen Prüfbericht samt zahlreicher Empfehlungen vor, mit denen sich das Risikomanagement und die Finanzkontrollen bei den Partnern verbessern ließen.

Deutschland zahlt wieder

Denn um die ärmsten der Armen zu erreichen, bewillige der Fonds Mittel auch für Länder, in denen staatliche Kontrollen kaum vorhanden seien und Korruption zum Alltag gehöre, sagt ein Kenner der Organisation. Man müsse deshalb Strukturen schaffen, um Missbrauch verhindern zu können. Die zynische Alternative sei, sämtliche Hilfe einzustellen. „Wichtig ist, dass sich die Betrugsvorwürfe nicht gegen den Fonds selbst richteten.“

Dessen Geschäftsführer, Michel Kazatchkine, hat für Mitte März seinen Rücktritt angekündigt. Ihm hatte der Aufsichtsrat Anfang Januar einen General Manager zur Seite gestellt. Positiv auf den – auch personellen – Neuanfang reagierte Entwicklungsminister Dirk Niebel. Er hat die zunächst ausgesetzten Zahlungen an den Fonds in voller Höhe überwiesen. Mit 200 Millionen Euro jährlich ist Deutschland der viertgrößte Geldgeber der Organisation.

Heike Korzilius


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