Zwei Gedanken aus dem Artikel sind mir zunächst erwähnenswert:
„Worauf bezieht sich alternativ? . . . auf das Alter Ego, das andere Ich, . . . dem das Funktionieren-müssen in einer rücksichtslosen Welt stärker zusetzt, als wir ahnen?“
„Eine homöopathische Erstanamnese dauert bis zu anderthalb Stunden. Die ungeteilte (sic!) Aufmerksamkeit über 90 Minuten zu genießen . . .“
Vor kurzem las ich Michael Winterhoff („Lasst Kinder wieder Kinder sein“). Herr Winterhoff, Kinderpsychotherapeut, wurde an der Masse der gestörten Kinder stutzig und fragte sich, wo angesichts der Häufigkeit statt individueller „Erziehungsfehler“ systemische Ursachen am Wirken sind. Er vermutet die „Multitaskingsituation des Elternhirns“, überschwemmende Informationsflut, nicht abreißende Negativschlagzeilen, immer auf Stressmodus gestellter Organismus. Der Eltern! Beim Lesen des Artikels nun fiel’s mir wie Schuppen von den Augen! Die Situationen der Eltern und des Arztes, des Kindes und des Patienten sind identisch! Wie viel ungeteilte (!, s. o.) Aufmerksamkeit steht einem multitask-überschwemmten Hirn oder Seele zur Verfügung? Null. Nicht für das Kind, nicht für den Patienten! Die kindliche Seele verweigert die Reifung, die Patientenseele die Gesundung.
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Management, DMP entindividualisieren per definitionem die Beziehung, ehrlicherweise wird expressis verbis gesagt, dass diseases oder cases gemanagt werden – und nicht der Patient behandelt. Die Hausarztprogramme haben für jede Kasse „kleine Abweichungen“, ganze Seminare darüber werden angeboten. Jetzt kommen die ersten Managementprogramme zur hausarztzentrierten Form der Depressionsbehandlung. Wird da der Bock zum Gärtner?
Vorschriftendschungel immer „resident“ im Arzthirn, Regressgefahr als permanente Negativmitteilung, permanentes „Du-musst-an-dies-und-das-Denken“, permanentes „Du-darfst-dies-und-das nicht-Vergessen“ . . . die Liste ist endlos! Alles resident im Hirn als Bremse für ungeteilte Aufmerksamkeit . . .
Dr. Alexander Ulbrich, 70599 Stuttgart
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