Dieser Artikel spricht mir direkt aus der Seele und drückt das aus, was ich schon seit vielen Jahren zunehmend bei meiner täglichen Arbeit als niedergelassener Augenarzt empfinde! . . .
Der Autorin gebe ich recht, wenn sie ausführt, dass die Ärzte eine Mitschuld am Sterben der „sprechenden Medizin“ haben, indem sie sich nicht gegen die zunehmende Honorarmisere gewehrt haben. Stattdessen wird der politisch vorgegebene finanzielle Rahmen der ambulanten medizinischen Versorgung fatalistisch hingenommen und die Arzt-Patienten-Kontaktzeit durch Verkürzung dem geminderten Honorar angepasst, als sei es ein Naturgesetz zur Erhaltung des Umsatzes (22 Euro/Schein = acht Minuten/Patient, 18 Euro/Schein = fünf Minuten/Patient, 16 Euro/Schein = drei Minuten/Patient).
Anzeige
Ich habe in meiner Kassenpraxis immer versucht, die patientenorientierte „sprechende“ Medizin zu erhalten, trotz fortlaufender Honorarminderungen, trotz Streichung der Gesprächsziffern 17 und 18 des alten EBM 2000+, weil mir mein Beruf nur so Freude bereitet. Nachdem die finanziellen Rücklagen aufgebraucht waren und die Insolvenz drohte, habe ich die Kassenzulassung zurückgegeben und meine Praxis als Privatpraxis für GKV-Versicherte als Selbstzahler und für Privatversicherte fortgeführt, um „sprechende Medizin“ weiterhin praktizieren zu können. Der Terminkalender ist jetzt nur noch halb voll und ernährt meine Familie auch nicht, aber in der frei gewordenen Zeit verdiene ich mit zwei zusätzlichen augenärztlichen Tätigkeiten gerade eben so das fehlende Geld. – Und schließlich ernähre ich mich ja auch noch vom Lob und der Zufriedenheit meiner Patienten, die ich stressfrei behandeln kann.
Ich bin überzeugt, dass in den Randbereichen eines Systems die Keime für ein neues System liegen.
Dr. med. Harald Knigge, 60389 Frankfurt am Main
@Was ist Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit auf www.aerzteblatt.de/foren/guterarzt
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie
registriert sein.
Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.