MEDIZIN: Originalarbeit

Medizinethische Kenntnisse und moralische Positionen von Ärztinnen und Ärzten aus Bayern

Medical Ethical Knowledge and Moral Attitudes Among Physicians in Bavaria

Dtsch Arztebl Int 2012; 109(8): 141-7; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0141

Wandrowski, Jana; Schuster, Tibor; Strube, Wolfgang; Steger, Florian

Hintergrund: Im klinischen Alltag sind medizinethische Kenntnisse und moralische Positionen von wesentlicher Bedeutung. Die vorliegende Studie untersucht an einer repräsentativen Stichprobe bayerischer Ärzte medizinethische Sichtweisen und Kenntnisse zu Fragen am Lebensende, zur Sterbehilfe und zum Arzt-Patienten-Verhältnis.

Methoden: Als Untersuchungsinstrument wurde ein strukturierter Fragebogen verwendet. Es wurden 192 Ärzte (50 % weiblich und 50 % männlich, Altersdurchschnitt: 50 Jahre) basierend auf einer Zufallsstichprobe befragt. Die Datenerhebung fand von September bis November 2010 statt.

Ergebnisse: Es zeigten sich grundlegende Unsicherheiten in der Beantwortung relevanter Kenntnisfragen zum Thema Lebensende sowie in der Anwendung geltender Richtlinien beziehungsweise Gesetze zur Sterbehilfe und zur Patientenverfügung. In Abhängigkeit von der vorhandenen Praxiserfahrung zeigte sich ein unterschiedliches Antwortverhalten bezüglich medizinethischer Fragen.

Schlussfolgerungen: Persönliche Wertvorstellungen und moralische Positionen von Ärzten spielen in Entscheidungsfindungsprozessen mit Patienten eine zentrale Rolle. Daher ist es bedeutsam, ärztliche Einstellungen zum Thema Lebensende aufzuzeigen und beeinflussende Faktoren zu identifizieren. Die vorliegende Befragung zeigt grundlegende Kenntnisdefizite der Ärzteschaft zu medizinethischen Fragen und Problemen. Um Ärzte in ihrer individuellen ethischen Kompetenz zu stärken, sind vermehrt Aus-, Weiter- und Fortbildungen zu Fragen und Problemen im Bereich klinischer Ethik notwendig.

Medizinethische Kenntnisse und moralische Positionen spielen im klinischen Alltag eine wesentliche Rolle. Insbesondere in Grenzsituationen wie der Entscheidung über therapiebegrenzende Maßnahmen sind grundlegende Werte ärztlichen Handelns – im Sinne der Achtung der Patientenautonomie und der Verantwortung für angemessene Therapieentscheidungen – zu wahren (13). In der ärztlichen Praxis dient das Aufklärungsgespräch dazu, diesen Anforderungen gerecht zu werden und Patientinnen und Patienten zu autonomen Entscheidungen zu befähigen. Persönliche Wertvorstellungen, moralische Positionen und medizinethische Kenntnisse sind dabei von wesentlicher Bedeutung für gemeinsame Entscheidungsfindungsprozesse (4, 5). Standesethische Prinzipien dienen neben Richtlinien und Gesetzestexten als Orientierung und Grundlage für ein kritisches Urteilsvermögen, um fundierte und angemessene therapeutische Entscheidungen zu gewährleisten.

Vorausgegangene Arbeiten haben thematisiert, welche Prinzipien und Richtlinien eine Orientierung für den klinischen Alltag geben können (6, 7). Die vorliegende Studie untersucht, inwieweit medizinethische Kenntnisse innerhalb der Ärzteschaft vorliegen und die individuelle ethische Entscheidungskompetenz ausgeprägt ist. Ein weiterer Teil der Untersuchungen befasst sich mit der Ausprägung moralischer Positionen zu medizinethischen Fragen und Problemen im Laufe der Praxistätigkeit.

Anmerkung der Autoren: Wo im Folgenden zur besseren Übersichtlichkeit nur die maskuline Endung verwendet wird, sind selbstverständlich Frauen wie Männer gleichermaßen gemeint. Dies geschieht keinesfalls, um auszugrenzen beziehungsweise zu diskriminieren, sondern vielmehr um einen leserfreundlichen Sprachgebrauch zu ermöglichen.

Methode

Studiendesign, Fragebogenentwicklung und Inhalte des Erhebungsinstruments

Für die Untersuchung der Fragestellung wurden eine Panelstudie sowie ein strukturierter Fragebogen entwickelt. Diese Module orientierten sich an methodischen Überlegungen und validierten Messinstrumenten anderer Befragungsstudien (5, 813). Das Fragedesign basierte auf Items, die bereits in einer Studie zur Befragung von Medizinstudenten angewendet wurden. Eine weitere Anpassung an die Erfordernisse einer Erhebung unter Ärzten erfolgte mittels eines Pretests, um Störgrößen zu vemindern und die Konstruktvalidität zu optimieren.

Der Fragebogen wurde an 500 Ärzte aus ganz Bayern gesendet. Die Auswahl der Studienteilnehmer erfolgte auf Basis einer Zufallsstichprobe. Die Daten wurden in einer ersten Querschnittserhebung vom September bis November 2010 erhoben. Alle Frage-Items wurden anhand einer fünfstufigen Likert-Skala bewertet, wobei die 1 „stimme voll zu“ und die 5 „stimme gar nicht zu“ bedeutet. Zudem gab es die Antwortkategorie „weiß nicht“. Zugunsten einer besseren Interpretierbarkeit der Ergebnisse wurden die Antwortkategorien 1 und 2 als Zustimmung (Zst), 3 als unentschieden und 4 sowie 5 als ablehnende Haltung (Abl) gewertet.

Der Fragebogen schloss 71 Items ein und gliederte sich in zwei Abschnitte: In einen demographischen und einen inhaltlichen Teil. Der inhaltliche Teil des Fragebogens umfasste Fallvignetten zu medizinethischen Fragen und Problemen sowie zu Kenntnissen über Sterbehilfe und über das Patientenverfügungsgesetz vom 1. 9. 2009. Weitere Items überprüften die Konsistenz im Antwortverhalten. Der demographische Abschnitt des Fragebogens erfasste Informationen zur eigenen Person.

Statistische Datenanalyse

Für die Auswertung der Daten wurde die Statistiksoftware PASW Statistics Version 18 verwendet. Für die statistische Analyse bivariater Zusammenhänge wurden der Chi-Quadrat-Test (χ2) und der Spearman Rangkorrelationskoeffizient (rs) herangezogen. Aufgrund der besseren klinischen Handhabbarkeit und der praktischeren Darstellung der Ergebnisse wurde eine Aufteilung der Ärzte in zwei etwa gleich große Gruppen vorgenommen: Eine Gruppe von Ärzten mit höchstens 20 Jahren Berufserfahrung (56 %, n = 109) und eine Gruppe von Ärzten mit über 20 Jahren Berufserfahrung (44 %, n = 76). Auf Grundlage dieser Unterteilung wurden zweiseitige Signifikanztests vorgenommen. Resultierende p-Werte kleiner als 5 % wurden als statistisch signifikant erachtet. Um die Entwicklung moralischer Positionen in Abhängigkeit von der beruflichen Erfahrung einschätzen zu können, wurden Korrelationsanalysen zwischen der Dauer der Tätigkeit in 5-Jahres-Intervallen und der Stärke moralischer Positionen, die jeweils anhand einer fünfstufigen Likert-Skala erhoben wurden, durchgeführt. Als beschreibende Maßzahlen wurden der Mittelwert (MW), die Standardabweichung (S) und der Median (M) berechnet sowie der Anteil an Zustimmungen (Zst) und Ablehnungen (Abl).

Ergebnisse

Charakteristika der Studienteilnehmer

Insgesamt wurden 192 vollständig ausgefüllte Fragebögen zurückgeschickt, was einem Rücklauf von 38 % entspricht. Es antworteten Frauen (50 %, n = 96) und Männer (50 %, n = 96) zu gleichen Anteilen. Der Altersdurchschnitt lag bei 50±14 Jahren (Männer: 53±14 Jahre, Frauen: 47±14 Jahre, Spannweite: 25–97 Jahre).

Medizinethische Kenntnisse

Unter medizinethischen Kenntnissen verstehen die Autoren vor allem die Achtung der Patientenautonomie, die kein selbstverständliches Prinzip der Medizinethik ist, Kenntnisse zu Fragen am Lebensende, zur Sterbehilfe und zum Arzt-Patienten-Verhältnis. Dem Themenkomplex medizinethische Kenntnisse stellten die Autoren eine Fallvignette (Kasten) voran.

Fallvignette aus dem Fragebogen
Kasten
Fallvignette aus dem Fragebogen

In den ersten zwei Items wurde überprüft, ob die Ärzte dem Anliegen der Therapiebegrenzung in der Patientenverfügung nachkommen würden. Die Mehrheit der Ärzte würde eher keine PEG-Magensonde (PEG, perkutane endoskopische Gastrostomie) legen (MW = 3,8±1,5; M = 5; Zst = 20 %; Abl = 51 %), die Beatmung würden sie jedoch beibehalten (MW = 3,4±1,6; M = 4; Zst =25 %; Abl = 41 %). Die Entscheidungen machten die befragten Ärzte dabei vorwiegend von der Prognose abhängig (MW = 1,7±1,6; M = 1; Zst = 80 %; Abl = 11 %).

Ferner sollten die zwei Handlungsoptionen – Unterlassung einer künstlichen Ernährung und Abbrechen der Beatmung – der aktiven oder passiven Sterbehilfe zugeordnet werden. Die erste Situation wurde von 80 % (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 73–85, n = 153) der Befragten korrekt der passiven Sterbehilfe zugeordnet. Das Abbrechen der Beatmung wurde jedoch in 52 % der Fälle (95-%-KI: 45–59, n = 100) fälschlicherweise für aktive Sterbehilfe gehalten (Grafik 1).

Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Antworten auf Fragen zu medizinethischen Kenntnissen im Bereich Sterbehilfe und Patientenverfügungen; Differenzbeträge zu 100% je Frage erklären sich durch Rundungen der Prozentwerte bzw. fehlende Antworten (max. 4%)
Grafik 1
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Antworten auf Fragen zu medizinethischen Kenntnissen im Bereich Sterbehilfe und Patientenverfügungen; Differenzbeträge zu 100% je Frage erklären sich durch Rundungen der Prozentwerte bzw. fehlende Antworten (max. 4%)

In einem Fragenkomplex wurde das Wissen zum Patientenverfügungsgesetz vom 1. 9. 2009 objektiviert. Die Aussage, dass der Wille des Patienten erst berücksichtigt wird, wenn eine Behandlung indiziert ist, wurde von 32 % der Befragten (95-%-KI: 26–39, n = 62) als richtig erachtet, 38 % verneinten die Aussage und 28 % gaben „weiß nicht“ an. Die anderen Fragen zum Patientenverfügungsgesetz wurden von der Mehrheit der Ärzte richtig beantwortet.

Moralische Positionen zur Sterbehilfe

Bei der Stellungnahme zu Fragen am Lebensende zeigten sich signifikante Zusammenhänge zwischen der Dauer der Praxistätigkeit in Jahren und dem Antwortverhalten (Tabelle).

Moralische Positionen auf einer fünfstufigen Likert-Skala in Korrelation mit der Dauer der Tätigkeit
in 5-Jahres-Intervallen
Tabelle
Moralische Positionen auf einer fünfstufigen Likert-Skala in Korrelation mit der Dauer der Tätigkeit in 5-Jahres-Intervallen
So wurde mit zunehmender Praxiserfahrung Sterbehilfe eher als Mittel zur Verminderung von Leiden angesehen (p< 0,001; rs = –0,28). Auch in der Frage, ob der assistierte Suizid vertretbar sei, zeigten sich die länger praktizierenden Ärzte tendenziell offener (p= 0,018; rs = –0,18). Sie waren auch eher dazu bereit, selbst dabei Unterstützung zu leisten (p= 0,047; rs = –0,15). Auch der Aussage, dass die Tötung auf Verlangen unter bestimmten Bedingungen ermöglicht werden sollte, wurde von ihnen eher zugestimmt (p= 0,008; rs = –0,21). Ihr Wissen zu den Richtlinien zum Thema Sterbehilfe (p< 0,001; rs = –0,34) und zum Patientenverfügungsgesetz (p< 0,001; rs = –0,41) schätzten die länger Tätigen höher ein als ihre Kollegen. Dieser Unterschied spiegelte sich jedoch nicht im Wissensstand wider. In Grafik 2 sind diese Ergebnisse noch einmal anschaulich dargestellt.

Prozentuale Häufigkeitsverteilung von Zustimmung und Ablehnung moralischer Positionen zum Thema Sterbehilfe in Abhängigkeit von der Praxiserfahrung
Grafik 2
Prozentuale Häufigkeitsverteilung von Zustimmung und Ablehnung moralischer Positionen zum Thema Sterbehilfe in Abhängigkeit von der Praxiserfahrung

Moralische Positionen zum Arzt-Patienten-Verhältnis

Die Ansichten über das Arzt-Patienten-Verhältnis (Grafik 3) korrelierten nicht wesentlich mit der Praxiserfahrung.

Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Einstellungen der Ärzte zu den verschiedenen Modellen der Arzt-Patienten-Beziehung;
Differenzbeträge zu 100% je Frage erklären
sich durch Rundungen der Prozentwerte bzw. fehlende Antworten (max. 5%)
Grafik 3
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Einstellungen der Ärzte zu den verschiedenen Modellen der Arzt-Patienten-Beziehung; Differenzbeträge zu 100% je Frage erklären sich durch Rundungen der Prozentwerte bzw. fehlende Antworten (max. 5%)
Die überwiegende Mehrheit bevorzugte ein Modell der Arzt-Patienten-Beziehung, in der der Arzt als beratender Experte zu angemessenen Therapieentscheidungen beiträgt (MW = 1,5±0,8; M = 1; Zst = 88 %; Abl = 3 %). Sowohl das Verständnis des Arztes als Dienstleister (MW = 3,8±1,2; M = 4; Zst = 15 %; Abl = 63 %) als auch das paternalistische Rollenverständnis des Arztes (MW=3,6±1,4; M=4; Zst=26 %; Abl=56 %) wurde von den befragten Ärzten eher abgelehnt. In der Meinung zu der Aussage, dass Patienten das Ausmaß von Therapieentscheidungen nur gering überblicken können, zeigte sich ein inhomogenes Bild (MW = 2,9±1,2; M = 3; Zst =37 %; Abl = 32 %) (Grafik 4). Seit längerem tätige Ärzte unterstützten diese Aussage eher als ihre Kollegen mit geringerer Praxiserfahrung (p = 0,001; rs = –0,25).

Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Einstellungen zur Aussage, dass Patienten das
Ausmaß von Therapieentscheidungen nur gering überblicken in Abhängigkeit von der Berufserfahrung
(5-Jahres-Intervalle)
Grafik 4
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Einstellungen zur Aussage, dass Patienten das Ausmaß von Therapieentscheidungen nur gering überblicken in Abhängigkeit von der Berufserfahrung (5-Jahres-Intervalle)

Diskussion

Medizinethische Kenntnisse

Mit der zunehmenden Verbesserung der medizinischen Versorgung von Patienten eröffneten sich neue Möglichkeiten in der Verlängerung der Lebensspanne und Erhaltung von Leben zum Beispiel bei komatösen Patienten. Die daraus erwachsenden erhöhten Ansprüche an die medizinethische Kompetenz erfordern nicht nur spezielle fachliche Qualifikationen, sondern auch Kenntnisse zu ethischen Grundsätzen (4). Wie in anderen empirischen Studien aufgezeigt wurde, erfolgt eine Zuordnung medizinischer Maßnahmen zu den einzelnen Formen der Sterbehilfe unter großer Unsicherheit (14, 15). Der überwiegende Teil der befragten Ärzte konnte das Abbrechen der Beatmung nicht korrekt der passiven Sterbehilfe zuordnen. Das Gefühl, durch das Abbrechen einer Maßnahme, den Tod des Patienten zu verantworten, ist bei der korrekten oder fälschlichen Zuordnung von Sterbehilfe von erheblicher Bedeutung (16, 17). 2006 machte der Deutsche Ethikrat darauf aufmerksam, dass die Termini aktive und passive Sterbehilfe missverständliche Begriffe sind, sodass sie künftig durch genauere Termini wie „Sterbenlassen“ oder „Tötung auf Verlangen“ ersetzt werden sollten.

Die vorliegenden Studienergebnisse legen dar, dass sich Kenntnisdefizite auch auf die Entscheidungsfindung im konkreten Fallbeispiel auswirken können. Obwohl Ärzte Patientenverfügungen einen hohen Stellenwert beimessen (5, 18), wurde die Entscheidung bezüglich therapiebegrenzender Maßnahmen von prognostischen Kriterien und nicht von dem in der Patientenverfügung geäußerten Willen abhängig gemacht. Neben der rechtlichen Unsicherheit kann auch der medizinethische Konflikt zwischen den Prinzipien Erhaltung der Gesundheit (Wohltun) und der Selbstbestimmung des Patienten (Autonomie) die Ärzte zu einer Nicht-Beachtung des Patientenwillens im Fallbeispiel bewogen haben. Besteht beim Arzt kein berechtigter Zweifel, dass die vorhandene Patientenverfügung auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutrifft, gilt es, der Verfügung zu folgen.

Zudem zeigte sich, dass ein zentraler Bestandteil des neuen Patientenverfügungsgesetzes, das der medizinischen Indikation, nur unzureichend bekannt war (19). Die Frage nach dem Patientenwillen stellt sich demnach nur bei Indikation einer medizinischen Behandlung. Ist nach ärztlichen Dafürhalten eine medizinische Maßnahme nicht angezeigt, um beispielsweise ein bestimmtes Therapieziel zu erreichen, muss die Frage, was der diesbezügliche Wille des Patienten ist, nicht gestellt werden. Trotz der gesetzlichen Klarstellung zum Verfahren mit Patientenverfügungen vom 1. 9. 2009 spiegelte sich diese gewonnene Rechtssicherheit nicht in der ärztlichen Entscheidungsfindung wider.

Richtlinien zur Sterbebegleitung und zum Umgang mit Patientenverfügungen sind wesentlich für die Wahrung der Patientenautonomie in klinischen Entscheidungsprozessen. Die vorliegenden Studienergebnisse zeigen handlungs- und weiterbildungsrelevante Defizite im Umgang mit Entscheidungen zur Therapiebegrenzung und zur Anwendung rechtlicher Implikationen von Willensbekundungen. Aus-, Fort- und Weiterbildungen der Ärzte können dazu beitragen, ethische Kompetenzen zu stärken. Zum einen kann hierbei Wissen im medizinethischen und rechtlichen Bereich erworben werden. Zum anderen können sich hierdurch kommunikative und ethisch-analytische Fähigkeiten und Fertigkeiten (Fallanalyse) ausbilden. Durch die Inanspruchnahme dieser Angebote kann es zur professionellen Entwicklung einer Haltung gegenüber medizinethischen Fragen kommen.

Moralische Positionen

Therapeutische Entscheidungsfindungsprozesse werden sowohl durch Fachkenntnisse als auch durch persönliche moralische Einstellungen beeinflusst. Daher ist es bedeutsam, moralische Positionen zu Fragen und Problemen am Lebensende aufzuzeigen und beeinflussende Faktoren zu identifizieren. Die Angaben der Ärzte sind dabei unter dem Aspekt zu betrachten, dass ein Unterschied zwischen der angegebenen moralischen Position (Selbsteinschätzung) und der tatsächlichen Position (Fremdeinschätzung) bestehen kann. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Berufserfahrung und unterschiedlichen moralischen Positionen. Insbesondere in Fragen zur subjektiven Einschätzung des eigenen Wissensstandes konnte ein Zusammenhang nachgewiesen werden. Länger praktizierende Ärzte finden, dass der assistierte Suizid vertretbar ist und unterstützen dies, im Gegensatz zu anderen Ergebnissen (20), vermehrt. Diese Beobachtung kann dem eigenen Altern und einer damit verbundenen erhöhten Empathie für Situationen am Lebensende zuzuschreiben sein. Die Analyse von Einflussfaktoren auf die Entwicklung moralischer Positionen kann jedoch erst im Rahmen der Panelstudie erfolgen.

Zur Entwicklung der apparativen Medizin tritt eine sich verändernde Sichtweise auf das Arzt-Patienten-Verhältnis (21, 22). Den Studienteilnehmern wurden Aussagen zur Bewertung präsentiert, die inhaltlich jeweils dem paternalistischen, dem partizipativen oder dem informativen Modell entsprachen (23). Bei der Analyse der Präferenzen hinsichtlich des Arzt-Patienten-Verhältnisses zeigte sich kein Unterschied in Abhängigkeit von der Dauer der praktischen Tätigkeit. Die überwiegende Mehrheit der befragten Ärzte sprach sich für ein partnerschaftliches Modell der Arzt-Patienten-Beziehung aus. Nur in der Beurteilung, ob Patienten die Tragweite von Therapieentscheidungen überblicken, differierten die Positionen. Länger tätige Ärzte schätzten die Kompetenz der Patienten in medizinischen Fragen geringer ein als ihre kürzer tätigen Kollegen. Ob diese Beobachtung einem tradierten paternalistischen Rollenverständnis zuzuweisen ist, bleibt Gegenstand weiterer Forschung.

Es zeigte sich, dass weder bei der Patientenverfügung noch beim Arzt-Patient-Verhältnis die Patientenautonomie die Hauptrolle spielt. Die Tatsache, dass länger praktizierende Ärzte der Meinung sind, dass Patienten das Ausmaß von Therapieentscheidungen nur gering überblicken können, kann durchaus im Zusammenhang mit der bedingten Rolle stehen, die die Patientenautonomie bei den befragten Ärzten hat.

Methodendiskussion

Es wurde aus der Gesamtheit aller bayerischen Ärzte eine Zufallsstichprobe gezogen. Die so ermittelten Studienteilnehmer wurden im Rahmen einer postalischen Befragung angeschrieben. Die Rücklaufquote von 38 % ist vor dem Hintergrund vergleichbarer Untersuchungen als solide einzuschätzen (10, 12, 13). Es ergeben sich mögliche Einschränkungen für die beobachteten Ergebnisse. Eine Adjustierung der p-Werte für multiples Testen wurde nicht vorgenommen, so dass eine höhere Irrtumswahrscheinlichkeit möglich ist (24). Ausbleibende Antworten können durch eine eingeschränkte zeitliche Verfügbarkeit („nonresponse bias“) und durch die unterschiedliche Wertschätzung des Themas („selection bias“) begründet sein und zu einer systematischen Verzerrung führen. Effekte wie die der Mittelwertorientierung und der sozialen Erwünschtheit sind nicht mit Sicherheit auszuschließen. Mit einem geeigneten Fragebogendesign und der Durchführung eines Pretests wurde versucht, diesen Einflüssen entgegenzuwirken.

Fazit

Persönliche Wertvorstellungen, moralische Positionen und medizinethische Kenntnisse sind im gemeinsamen Entscheidungsfindungsprozess der Patient-Arzt-Interaktion sehr bedeutsam. In Grenzsituationen wie der Entscheidung über therapiebegrenzende Maßnahmen sollte sich der Arzt an Patientenpräferenzen orientieren. Daher ist es wichtig, moralische Positionen von Ärzten zu Fragen und Problemen am Lebensende aufzuzeigen und im Sinne einer kritischen Reflexion von Entscheidungsfindungsprozessen weitere beeinflussende Faktoren zu identifizieren.

Die vorliegende Befragung weist auf grundlegende Kenntnisdefizite bei den befragten Ärzten hin, die sich auch auf die Qualität therapeutischer Entscheidungen im konkreten Fallbeispiel auswirkten. Um Ärzte in ihrer individuellen ethischen Kompetenz zu stärken, sehen die Autoren einen vermehrten Bedarf an Aus-, Weiter- und Fortbildungen zu Fragen und Problemen im Bereich Ethik und Recht der Medizin.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 19. 7. 2011, revidierte Fassung angenommen: 13. 10. 2011

Danksagung
Die Autoren danken Johanna Huber und Dipl.-Ing. Matthias Holzer (Schwerpunkt Medizindidaktik, Medizinische Klinik-Innenstadt, Ludwig-Maximilians-Universität) für die freundliche Beratung.

Dieser Artikel wurde im Rahmen der medizinischen Dissertation von Jana Wandrowski erstellt.

Anschrift für die Verfasser
Jana Wandrowski
Prof. Dr. med. Florian Steger
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Medizinische Fakultät
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Magdeburgerstraße 8
06097 Halle (Saale)
jana.wandrowski@medizin.uni-halle.de
florian.steger@medizin.uni-halle.de

Summary

Medical Ethical Knowledge and Moral Attitudes Among Physicians in Bavaria

Background: Everyday clinical practice requires knowledge of medical ethics and the taking of moral positions. We investigated the ethical knowledge and attitudes of a representative sample of physicians with regard to end-of-life decisions, euthanasia, and the physician-patient relationship.

Methods: 192 physicians (96 women, 96 men; mean age 50) in a random sample of Bavarian physicians completed our structured questionnaire. Data were collected from September to November 2010.

Results: There was much uncertainty among the respondents about the relevant knowledge for end-of-life decisions and the implementation of existing guidelines and laws on euthanasia and advance directives. Attitudes to ethical questions were found to be correlated with the length of time the physicians had been in practice.

Conclusion: Physicians’ personal values and moral attitudes play a major role in clinical decision-making. We used a questionnaire to examine physicians’ opinions about end-of-life issues and to determine the factors that might influence them. We found their knowledge of medical ethics to be inadequate. Competence in medical ethics needs to be strengthened by more ethical teaching in medical school, specialty training, and continuing medical education.

Zitierweise
Wandrowski J, Schuster T, Strube W, Steger F: Medical ethical knowledge and moral attitudes among physicians in Bavaria. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(8): 141–7. DOI: 10.3238/arztebl.2012.0141

@The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de

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Institut für Medizinische Statistik und Epidemiologie, Technische Universität München: Dr. rer. nat. Schuster
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Antworten auf Fragen zu medizinethischen Kenntnissen im Bereich Sterbehilfe und Patientenverfügungen; Differenzbeträge zu 100% je Frage erklären sich durch Rundungen der Prozentwerte bzw. fehlende Antworten (max. 4%)
Grafik 1
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Antworten auf Fragen zu medizinethischen Kenntnissen im Bereich Sterbehilfe und Patientenverfügungen; Differenzbeträge zu 100% je Frage erklären sich durch Rundungen der Prozentwerte bzw. fehlende Antworten (max. 4%)
Prozentuale Häufigkeitsverteilung von Zustimmung und Ablehnung moralischer Positionen zum Thema Sterbehilfe in Abhängigkeit von der Praxiserfahrung
Grafik 2
Prozentuale Häufigkeitsverteilung von Zustimmung und Ablehnung moralischer Positionen zum Thema Sterbehilfe in Abhängigkeit von der Praxiserfahrung
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Einstellungen der Ärzte zu den verschiedenen Modellen der Arzt-Patienten-Beziehung;
Differenzbeträge zu 100% je Frage erklären
sich durch Rundungen der Prozentwerte bzw. fehlende Antworten (max. 5%)
Grafik 3
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Einstellungen der Ärzte zu den verschiedenen Modellen der Arzt-Patienten-Beziehung; Differenzbeträge zu 100% je Frage erklären sich durch Rundungen der Prozentwerte bzw. fehlende Antworten (max. 5%)
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Einstellungen zur Aussage, dass Patienten das
Ausmaß von Therapieentscheidungen nur gering überblicken in Abhängigkeit von der Berufserfahrung
(5-Jahres-Intervalle)
Grafik 4
Prozentuale Häufigkeitsverteilung der Einstellungen zur Aussage, dass Patienten das Ausmaß von Therapieentscheidungen nur gering überblicken in Abhängigkeit von der Berufserfahrung (5-Jahres-Intervalle)
Fallvignette aus dem Fragebogen
Kasten
Fallvignette aus dem Fragebogen
Moralische Positionen auf einer fünfstufigen Likert-Skala in Korrelation mit der Dauer der Tätigkeit
in 5-Jahres-Intervallen
Tabelle
Moralische Positionen auf einer fünfstufigen Likert-Skala in Korrelation mit der Dauer der Tätigkeit in 5-Jahres-Intervallen
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    Sehlen, Susanne; Schäfer, Christof
  • Sachverhalt nicht vollständig
    Dtsch Arztebl Int 2012; 109(40): 665-6; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0665b
    Coeppicus, Rolf
  • Schlusswort
    Dtsch Arztebl Int 2012; 109(40): 666; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0666
    Wandrowski, Jana; Steger, Florian

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Irobri
am Montag, 12. März 2012, 11:29

Werte-Grundlagen werden nicht berücksichtigt

Der Artikel "Medizinethische Kenntnisse und moralische Positionen von Ärztinnen und Ärzten aus Bayern" versucht zwischen Arztgruppen zu differenzieren, indem die Jahre der Berufserfahrung als Raster herangezogen werden.
Ist das ein sinnvoller Parameter?
Es wird den befragten Kollegen unterstellt, dass sie aus Unkenntnis der "ethischen Grundsätze" und des Patientenverfügungsgesetzes unsichere und falsche Behandlungsentscheidungen träfen: "Die vorliegenden Studienergebnisse zeigen handlungs- und weiterbildungsrelevante Defizite im Umgang mit Entscheidungen zur Therapiebegrenzung".
Nicht berücksichtig wird bei dieser Schlussfolgerung aus den Studienergebnissen, dass gerade im überwiegend katholisch geprägten Bayern die befragten Kollegen wahrscheinlich zu einem großen Teil ihre Handlungsentscheidungen aufgrund ihres christlichen Menschenbildes und der Würde jeder Person trafen und nicht primär aufgrund Festlegungen des Ethikrates, der seine Empfehlungen zu Therapiebegrenzungen und Sterbehilfe in den letzten Jahren zunehmend dem Mainstream angenähert hat. Die Ablehnung vom assistierten Suizid ist meines Erachtens weitaus mehr von diesen zugrunde liegenden religiösen Überzeugungen als von der Dauer der Praxisführung abhängig: Gott sei Dank!

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