63 Artikel im Heft, Seite 26 von 63

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Krebsbehandlung in der Schwangerschaft: Im höheren Trimenon sind Risiken für das Kind gering

Dtsch Arztebl 2012; 109(8): A-375 / B-325 / C-321

Meyer, Rüdiger

Bei einer von 1 000 bis 2 000 schwangeren Frauen wird ein Malignom diagnostiziert. Die Inzidenz von Krebsdiagnosen in der Schwangerschaft steigt jährlich um circa 2,5 %. Im ersten Trimenon wird eine Krebstherapie grundsätzlich vermieden, da sich in dieser Phase die Organe entwickeln und die Exposition des Kindes gegenüber mutagenen Substanzen mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko assoziiert ist. Im zweiten und dritten Trimenon müssen Vor- und Nachteile abgewogen werden.

Ein internationales Team von Forschern hat die neurokognitive Entwicklung und die kardiale Funktion von Kindern untersucht, deren krebskranke Mütter nach dem ersten Trimenon eine Chemotherapie erhalten hatten. Die Kinder werden in der weiterlaufenden Studie nach der Geburt, mit 18 Monaten und im Alter von fünf, acht, neun, elf, 14 oder 18 Jahren neurologischen Untersuchungen unterzogen. Darunter ist der Wechsler-Intelligenztest, der die verbale und die nonverbale Intelligenz (Performance IQ) prüft. Beim Test auf nonverbale Intelligenz wird zum Beispiel die Fähigkeit untersucht, Bilder sinnvoll zu ergänzen oder sie zu einer erzählbaren Geschichte zusammenzustellen.

Bislang liegen Ergebnisse zu 70 Kindern aus 68 Schwangerschaften vor (Entbindung durchschnittlich nach 35,7 Schwangerschaftswochen). Darunter waren 7 Kinder, deren Mütter zusätzlich zu einer Chemo- eine Radiotherapie erhalten hatten. Die Mütter waren meist an einem Mammakarzinom erkrankt. Sie hatten insgesamt 236 Zyklen einer Chemotherapie erhalten, am häufigsten die Anthrazykline Doxorubicin, Epirubicin, Idarubicin und/oder Daunorubicin.

Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 22,3 Monate. 40 Kinder waren bis 18 Monate alt, 30 waren fünf Jahre und älter. Die Forscher fanden keinen Hinweis auf Verzögerungen des Wachstums und der neurokognitiven Entwicklung, auch Herzentwicklung und kardiale Funktionen waren im Normbereich.

Nur bei vorzeitiger Entbindung – teilweise geschah dies, um die Kinder vor einer Exposition durch Zytostatika zu schützen – wurden leichte Defizite entdeckt. Die Ergebnisse entsprachen aber den Werten von Frühgeborenen nicht an Krebs erkrankter Mütter. Die Forscher raten daher, die Indikation für eine iatrogene Frühgeburt zurückhaltend zu stellen.

Fazit: Das Risiko, dass eine Chemotherapie im zweiten oder dritten Trimenon der Schwangerschaft das Kind schädigt, ist offenbar gering. Ab der 14. Schwangerschaftswoche überwiege der Vorteil der Chemotherapie für eine krebskranke Schwangere den potenziellen Nachteil für das Kind, resümieren die Forscher. Allerdings seien größere Studien über einen längeren Nachbeobachtungszeitraum notwendig, um die Folgen für das Kind auch im Langzeitverlauf (Fertilität, Malignomrisiko) besser einschätzen zu können. Rüdiger Meyer

Amant F, van Calsteren K, Halaska MJ, Gziri MM, et al.: Long-term cognitive and cardiac outcomes after prenatal exposure to chemotherapy in children aged 18 months or older: an observational study. Lancet Oncology 2012; doi: 10.1016/S1470–2045(11)70363–1. MEDLINE


Drucken Versenden Teilen Leserbrief Zusatzinfo
63 Artikel im Heft, Seite 26 von 63

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
5 / 2013 9 1
4 / 2013 10 0
3 / 2013 8 0
2 / 2013 18 7
1 / 2013 9 3
12 / 2012 3 2
2013 54 11
2012 246 37
Total 300 48

Abbildungen und Tabellen

Leserbriefe

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in