THEMEN DER ZEIT

Wohnen im Alter: Gut versorgt im Quartier

Dtsch Arztebl 2012; 109(8): A-364 / B-311 / C-307

Krüger-Brand, Heike E.

Auch bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit wollen ältere Menschen zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben. Erst allmählich entstehen jedoch Modelle und Infrastrukturen, die dies ermöglichen.

Dritte Frau zum Skat? Verordnung vom Arzt? Hilfe im Haushalt? Krankenhaus? Therapeuten in Ihrer Nähe? Begleitung zum Röntgen? Diabetes-Sportgruppe? Frühstück in Gesellschaft? Egal, was Ihnen auf der Seele brennt – wir lassen Sie nicht allein!“ So lautet die Leistungsbeschreibung des Saluto-Services auf der Homepage der Mein Zuhause GmbH in Bremen (www.mein-zuhause.info).

Im Projekt „Wohn-Selbst“ wird die Wohnung zum Gesundheitsstandort: Die Mieter eines kommunalen Wohnungsunternehmens können neben haushaltsnahen Dienstleistungen auch telemedizinische Anwendungen in Anspruch nehmen. Foto: AAL-Magazin
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Saluto ist ein wohnortnaher Gesundheitsservice für ältere und alleinstehende Menschen, entwickelt ursprünglich von zwei ambulanten Pflegediensten, die hierfür ein eigenes Unternehmen gegründet haben. In interdisziplinärer und sektorenübergreifender Kooperation mit vielen Beteiligten und Branchen hat das Unternehmen ein umfangreiches modulares Gesundheitsangebot entwickelt, das die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gewoba ihren Mietern seit März 2010 als Service anbietet. Es umfasst über die häusliche Gesundheitspflege hinaus zahlreiche weitere niedrigschwellige Dienstleistungen. Diese reichen von der Organisation eines Klinikaufenthalts über Transport- und Handwerkerleistungen bis zum Frisör- und Einkaufsdienst und werden über eine webbasierte Plattform vermittelt.

Ein Ansprechpartner für unterschiedliche Dienste

„Die Nutzer erhalten viele Dienstleistungen aus einer Hand. Der Vermieter ist für sie der Adressat, der die Aufträge an die Dienstleister weitervermittelt“, erläuterte Jürgen Weemeyer, Mein Zuhause GmbH, beim diesjährigen AAL-Kongress Ende Januar in Berlin die Vorteile des Konzepts. „Beratung und Vermittlung sind dabei kostenlos. Erst für erbrachte Dienstleistungen entstehen für die Nutzer Kosten.“ Das Unternehmen fungiert als „Orchestrator“, der die verschiedenen Stellen und Dienstleistungen in Einklang bringt. Für den Zugang zu den Kunden werden vorhandene lokale Strukturen und Multiplikatoren im Wohnquartier genutzt, wie etwa Vereine, Verbände oder eben die Wohnungsgesellschaften.

Das Projekt wurde bis Oktober 2010 aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) finanziert. „Das Zuhause als Gesundheitsstandort ist in Bremen seit 2008 ein Thema“, betonte Heike Fafflock, WFB. Die Gesundheitswirtschaft sei für das Land Bremen ein Zukunftsmarkt mit großer wirtschaftlicher und arbeitsmarktpolitischer Bedeutung. Von Projekten wie Saluto erhofft sich das Land neue Märkte, Arbeitsplätze und innovative Dienstleistungen und Produkte. Inzwischen ist die Vernetzung von Gesundheit und Wirtschaft in diesem Projekt gut erprobt und so erfolgreich, dass das Konzept bundesweit weiteren Wohnungsgesellschaften und Dienstleistern aus dem Gesundheitswesen angeboten werden kann.

Ansatz dieses Modells wie auch vieler Projekte in anderen Regionen ist der Gedanke, dass vor allem für ältere Menschen das gewohnte Lebensumfeld von herausragender Bedeutung ist. An erster Stelle rangiert dabei die eigene Wohnung. Umfragen zufolge möchten Senioren selbst dann in ihrer eigenen Wohnung bleiben, wenn sie nicht mehr so mobil oder chronisch krank sind und sich nicht mehr eigenständig versorgen können.

Darüber hinaus wollen sie aber auch ihr unmittelbares Wohnumfeld, das vertraute Quartier, nicht verlassen. „Da, wo wir leben, wünschen wir uns, älter werden zu können“, umschreibt Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), diesen Tatbestand. Nur wenn es gelinge, möglichst vielen Menschen bis ins hohe Alter ein Leben in ihrem vertrauten Quartier zu ermöglichen, seien die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern, sagte die Ministerin bei einem Fachforum in Dortmund*.

Masterplan für die Quartiersentwicklung

Aus Sicht des Ministeriums sind daher in verschiedenen Bereichen „dringend Veränderungen“ nötig – auf dem Wohnungsmarkt etwa mehr Barrierefreiheit im Wohnbestand. „Die klassische Duschtasse ist dabei noch das geringste Problem – aber sie ist ein Problem“, kritisierte Steffens. Ebenso sei Barrierefreiheit im Quartier nötig. Beispiele: Ampelschaltungen, Bordsteinkanten, unzureichende Infrastrukturen etwa für den Einkauf oder die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Viele Menschen haben zudem schon vor der Pflege Unterstützungsbedarf. Angepasst an die individuelle Lebenssituation werden daher vielfältige Hilfs- und Dienstleistungsangebote benötigt, vom Einkaufsservice über Tages- und Nachtpflege bis hin zu alternativen Wohnformen. Für das Land NRW ist es dabei laut Steffens wichtig, nicht nur einzelne Quartiersprojekte in Dortmund, Bielefeld oder anderswo zu fördern, sondern: „Wir wollen die Kommunen durch einen Masterplan für die Quartiersentwicklung unterstützen.“ Dieser solle Themen aufgreifen wie Migration, Umfelder mit vielen sozial schwachen Menschen oder baulich schwierige Lagen. Der „Masterplan Quartier NRW“ soll den Kommunen eine Art Baukasten zur Verfügung stellen, mit dem sie die Situation vor Ort analysieren und darauf zugeschnittene Lösungen entwickeln können. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Verschränkung von Pflege und Gesundheitsversorgung.

Auch auf Bundesebene gibt es eine neue Initiative: So plant Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, Wohngemeinschaften pflegebedürftiger Patienten finanziell zu fördern. Jeder Wohngruppenbewohner soll eine monatliche Pauschale von 200 Euro zur Beschäftigung einer Pflegekraft erhalten. Zudem soll jeder Pflegebedürftige bei Gründung einer Wohngruppe mit einer einmaligen Zahlung in Höhe von 2 500 Euro unterstützt werden. Neue Wohnformen seien für Pflegebedürftige, die noch keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung brauchten, gefragt, begründete Bahr seinen Vorstoß. Pflege-WGs könnten eine Alternative zwischen der Pflege zu Hause und dem Altenheim sein.

Vernetzung von Wohnungs- und Gesundheitswirtschaft

Für die Wohnungswirtschaft ist die Zusammenarbeit mit der Pflege- und Gesundheitswirtschaft zunehmend von strategischer Bedeutung, weil sie die Auswirkungen des demografischen Wandels bereits spürt. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der über 65-Jährigen in Deutschland auf etwa 22,3 Millionen Menschen steigen – das ist jeder vierte Bundesbürger. Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich von heute 3,7 Millionen bis 2050 nahezu verdreifachen. Gleichzeitig steigt der Anteil alleinstehender Menschen in Singlehaushalten. Die Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft prognostiziert, dass bis 2020 der Bedarf an altersgerechten Wohnungen auf etwa drei Millionen ansteigen wird.

Die Zahlen sind bekannt, doch die Wohnungswirtschaft hat sich noch längst nicht darauf eingestellt. „Knapp ein Prozent des bundesdeutschen Wohnungsbestands ist derzeit altersgerecht, das heißt barrierereduziert oder barrierefrei. Das ist viel zu wenig“, betonte Alexander Rychter vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland-Westfalen e.V. Der Experte kritisiert, dass derzeit Energie und Klimawandel die Diskussionen in der Wohnungswirtschaft beherrschten und dafür Milliarden Euro an Fördermitteln bereitgestellt würden, nicht jedoch für das altersgerechte Umbauen und Bauen. So sei das Programm altersgerechtes Umbauen der Kreditanstalt für Wiederaufbau eingestellt worden. „Für den Wohnungsbestand ist Barrierefreiheit eine Utopie: Sie führt zu Miethöhen, die die Menschen nicht bezahlen können“, sagte Rychter.

Bei der Dortmunder Wohnungsbaugesellschaft Dogewo etwa ist inzwischen gut ein Drittel der Mieter älter als 65 Jahre – die „Kundschaft“ bricht weg. „Die Frage ist: Was müssen wir tun, um sie in unserem Wohnbestand zu halten?“, meint Bernd Wortmeyer, Prokurist bei der Dogewo. Er sieht den Lösungsansatz in einer Kombination aus Abbau von Barrieren, fortschrittlicher Haustechnik für Komfort und Sicherheit sowie einem sozialen Netzwerk im Quartier, das Leistungen bis hin zur Pflege umfasst. In Dortmund sammelt das Unternehmen Erfahrungen im Projekt „Sonnenhof“ (Kasten).

„Der Wohnungsmarkt ist auf den demografischen Wandel definitiv nicht vorbereitet“, sagt auch Dr. Armin Hartmann, Hartmann Real Estate, Bochum. Hartmann kann auf langjährige Erfahrungen aus Wohnprojekten zurückblicken, die im Rahmen von Ambient Assisted Living(AAL)-Forschungsprogrammen gefördert werden. Seine Überzeugung: „Wir müssen weg von technikgetriebenen Konzepten hin zu Serviceangeboten und zur Quartiersvernetzung.“ Hartmann ist Geschäftsführer der Smart Living GmbH, die eine technische Serviceplattform entwickelt hat, über die lokale Informationen und wohnungsnahe Dienste per TV abgerufen werden können. Technische Voraussetzung ist ein Internetanschluss, an den eine Set-Top-Box angeschlossen wird, die neben dem TV-Signal das Serviceportal auf dem Fernsehgerät anzeigen kann. „Der Fernseher ist heute immer noch die Zugangstechnologie, um ältere Menschen zu erreichen“, meint Hartmann.

Das System wird auch im Telemedizinprojekt WohnSelbst eingesetzt, das es chronisch kranken Menschen ermöglichen soll, in ihrer vertrauten Umgebung zu Hause zu bleiben („3 Fragen an“). Die Wohnung wird so neben Arztpraxis und Krankenhaus zum dritten Gesundheitsstandort. Projektpartner sind unter anderem die Wiesbadener Wohnungsbaugesellschaft GWW und die Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Rhein-Main GmbH (HSK). Kernelemente des Programms sind ein kostenfreier regelmäßiger Gesundheitscheck im Rahmen eines Vorsorgeprogramms und die telemedizinische Betreuung über ein medizinisches Kompetenzzentrum der HSK. „Eigentlich wollten wir auch mit Hausärzten zusammenarbeiten, die beispielsweise bestimmte Zielwerte etwa beim Blutzucker vorgeben und dann vom Kompetenzcenter zurückgespiegelt bekommen, wie sich die Werte entwickelt haben. Die haben das aber komplett abgelehnt, weil sie das Projekt als Konkurrenz gesehen haben“, erzählt Hartmann.

Regional unterschiedliche Anforderungen

Auch die Rekrutierung der Projektteilnehmer gestaltete sich schwierig. „Die Leute in Wiesbaden haben interessiert die Informationsveranstaltungen besucht und anschließend gesagt: ,Das brauche ich irgendwann vielleicht mal, aber jetzt noch nicht – ich bin ja gar nicht richtig krank.‘ Inzwischen wissen wir, dass die niedrige Akzeptanz nicht an unserer schlechten Ansprache oder am Produkt lag, sondern am Raum Wiesbaden: Dort herrscht Überversorgung, es gibt jede Menge Haus- und Fachärzte und Kliniken. Der Bedarf an telemedizinischer Betreuung ist nicht vorhanden“, berichtete Hartmann. In einer kleinen Nachbargemeinde hingegen, Taunusstein, habe man das Projekt dann parallel auf den Weg gebracht, mit wesentlich besserer Akzeptanz.

Derzeit bleibt in diesem wie in vielen anderen Ansätzen, in denen die Wohnung mit Gesundheitsdiensten und Quartierslösungen vernetzt werden soll, die Frage nach funktionierenden Geschäftsmodellen noch weitgehend offen. Entscheidende Faktoren für die breite Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft der Mieter sind laut Hartmann vor allem die Bezahlbarkeit, die einfache, altersgerechte Bedienbarkeit der Technik, die Nachrüstbarkeit im Bestand sowie die schnelle Erkennbarkeit des Nutzens der angebotenen Funktionen.

Heike E. Krüger-Brand

@DÄ-Serie „Demografischer Wandel“: www.aerzteblatt.de/serien/wandel

* Fachforum „Wunsch und Wirklichkeit für das Leben im Alter“ in Dortmund

3 Fragen an . . .

Dr.-Ing. Armin Hartmann, Beratender Ingenieur

Wie können Wohnungsgesellschaften dazu beitragen, den demografischen Wandel zu bewältigen?

Hartmann: Sie müssen Wohnungen zur Verfügung stellen, in denen Menschen möglichst lange leben können. Das erfordert drei Maßnahmen: erstens die Schaffung von Barrierefreiheit baulicher Art, zweitens die Integration von Hilfsmitteln, die individuell auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt und finanziell gefördert werden, und drittens – auch in dieser Rangfolge – Unterstützung durch Technik. Das reicht von der Sturzerkennung über die Beleuchtung bis hin zu Dienstleistungen über irgendwelche Endgeräte.

Was kommt bei der Wohnung als drittem Gesundheitsstandort noch hinzu?

Hartmann: Barrierearmut, Hilfsmittel und Servicewohnen werden ergänzt durch Telemedizin. In unserem Projekt WohnSelbst in Wiesbaden etwa werden Blutdruck, Blutzucker, Gewicht oder andere Indikatoren täglich abgefragt. Die Teilnehmer haben beispielsweise ein Blutdruckmessgerät zu Hause und müssen regelmäßig den Blutdruck messen. Wir arbeiten mit einem medizinischen Kompetenzcenter zusammen, das die eingehenden Werte beurteilt und gegebenenfalls eingreift.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Hartmann: Unser Ziel ist es, ein frei finanziertes Betreiberkonzept zu entwickeln, das unabhängig von Zuschüssen aus der Sozialversicherung funktioniert. Wir rechnen mit laufenden Kosten je Teilnehmer von 50 bis 60 Euro monatlich für die Hardware, das Kompetenzcenter, den Gesundheitscheck et cetera.

Dabei muss man über gemischte Finanzierungsformen nachdenken. Wir glauben, dass bei fünf bis zehn Euro maximal die Zahlungsbereitschaft der Mieter endet. Der gleiche Anteil müsste jeweils von weiteren Gruppen wie Wohnungsunternehmen oder beispielsweise Arbeitgebern kommen, die ihren Mitarbeitern einen Gesundheitscheck und die Teilnahme an einem individuellen Programm anbieten wollen.

Der Rest wäre über unsere Smart-Living-Plattform hereinzuholen, etwa durch eingeblendete Werbung oder durch lokale Dienstleiter, die darüber ihre Produkte verkaufen.

Modelle für neue Wohnkonzepte

  • Projekt Sonnenhof: Die Wohnungsbaugesellschaft Dogewo betreibt in Dortmund 36 seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen in Kombination mit Service- und Pflegeleistungen. Ein Projekt mit Anlaufschwierigkeiten, denn der erste Sozialpartner der Dogewo ging in Insolvenz. Seit Oktober 2011 besteht eine Kooperation mit dem Diakonischen Werk Dortmund und Lünen. Das Fachpersonal des Diakonischen Werks ist täglich zwölf Stunden vor Ort. Als Dienste sind etwa ein Notrufsystem, Mahlzeitenservice, hauswirtschaftliche Pflege, Pflege und therapeutische Versorgung verfügbar. Die Mieter zahlen eine Grundmiete, Betriebskosten und eine Betreuungspauschale. Die Dogewo rechnet mit der Diakonie ab (www.dogewo21.de/de/Mietangebote/Sonnenhof-Eving.htm).
  • Projekt „Alter leben“: Wohnungen der sächsischen Wohnungsbaugenossenschaften sollen mit ihren Bewohnern „mitaltern“. Die Mieter sollen dort bleiben können, auch wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert oder bei beginnender Demenz ein Sicherheitsrisiko entsteht. In einer engen Verbindung von technischen Assistenzsystemen, bautechnischen Maßnahmen und persönlichen Dienstleistungen beruht das Projekt auf einem modularen Konzept, das sich an verändernde individuelle Lebens- und Leistungsanforderungen der Bewohner anpassen soll (www.vswg-alterleben.de).

@Eine Liste mit Projekten von Wohnungsunternehmen ist abrufbar unter: www.wohnenfuereinlangesleben.de/weitere-projekte

Modelle für neue Wohnkonzepte

  • Projekt Sonnenhof: Die Wohnungsbaugesellschaft Dogewo betreibt in Dortmund 36 seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen in Kombination mit Service- und Pflegeleistungen. Ein Projekt mit Anlaufschwierigkeiten, denn der erste Sozialpartner der Dogewo ging in Insolvenz. Seit Oktober 2011 besteht eine Kooperation mit dem Diakonischen Werk Dortmund und Lünen. Das Fachpersonal des Diakonischen Werks ist täglich zwölf Stunden vor Ort. Als Dienste sind etwa ein Notrufsystem, Mahlzeitenservice, hauswirtschaftliche Pflege, Pflege und therapeutische Versorgung verfügbar. Die Mieter zahlen eine Grundmiete, Betriebskosten und eine Betreuungspauschale. Die Dogewo rechnet mit der Diakonie ab (www.dogewo21.de/de/Mietangebote/Sonnenhof-Eving.htm).
  • Projekt „Alter leben“: Wohnungen der sächsischen Wohnungsbaugenossenschaften sollen mit ihren Bewohnern „mitaltern“. Die Mieter sollen dort bleiben können, auch wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert oder bei beginnender Demenz ein Sicherheitsrisiko entsteht. In einer engen Verbindung von technischen Assistenzsystemen, bautechnischen Maßnahmen und persönlichen Dienstleistungen beruht das Projekt auf einem modularen Konzept, das sich an verändernde individuelle Lebens- und Leistungsanforderungen der Bewohner anpassen soll (www.vswg-alterleben.de).

@Eine Liste mit Projekten von Wohnungsunternehmen ist abrufbar unter: www.wohnenfuer
einlangesleben.de/weitere-projekte

3 Fragen an . . .

Dr.-Ing. Armin Hartmann, Beratender Ingenieur

Wie können Wohnungsgesellschaften dazu beitragen, den demografischen Wandel zu bewältigen?

Hartmann: Sie müssen Wohnungen zur Verfügung stellen, in denen Menschen möglichst lange leben können. Das erfordert drei Maßnahmen: erstens die Schaffung von Barrierefreiheit baulicher Art, zweitens die Integration von Hilfsmitteln, die individuell auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt und finanziell gefördert werden, und drittens – auch in dieser Rangfolge – Unterstützung durch Technik. Das reicht von der Sturzerkennung über die Beleuchtung bis hin zu Dienstleistungen über irgendwelche Endgeräte.

Was kommt bei der Wohnung als drittem Gesundheitsstandort noch hinzu?

Hartmann: Barrierearmut, Hilfsmittel und Servicewohnen werden ergänzt durch Telemedizin. In unserem Projekt WohnSelbst in Wiesbaden etwa werden Blutdruck, Blutzucker, Gewicht oder andere Indikatoren täglich abgefragt. Die Teilnehmer haben beispielsweise ein Blutdruckmessgerät zu Hause und müssen regelmäßig den Blutdruck messen. Wir arbeiten mit einem medizinischen Kompetenzcenter zusammen, das die eingehenden Werte beurteilt und gegebenenfalls eingreift.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Hartmann: Unser Ziel ist es, ein frei finanziertes Betreiberkonzept zu entwickeln, das unabhängig von Zuschüssen aus der Sozialversicherung funktioniert. Wir rechnen mit laufenden Kosten je Teilnehmer von 50 bis 60 Euro monatlich für die Hardware, das Kompetenzcenter, den Gesundheitscheck et cetera.

Dabei muss man über gemischte Finanzierungsformen nachdenken. Wir glauben, dass bei fünf bis zehn Euro maximal die Zahlungsbereitschaft der Mieter endet. Der gleiche Anteil müsste jeweils von weiteren Gruppen wie Wohnungsunternehmen oder beispielsweise Arbeitgebern kommen, die ihren Mitarbeitern einen Gesundheitscheck und die Teilnahme an einem individuellen Programm anbieten wollen.

Der Rest wäre über unsere Smart-Living-Plattform hereinzuholen, etwa durch eingeblendete Werbung oder durch lokale Dienstleiter, die darüber ihre Produkte verkaufen.

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