MEDIZIN: Diskussion
Datenberechnung nicht korrekt
Data Not Correctly Calculated
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(9): 158-9; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0158b


Stang et al. haben mit ihrer begrüßenswerten Publikation zur Häufigkeit der Hysterektomie in Deutschland einen wichtigen Anstoß zur Diskussion gegeben. Alle wesentlichen Aussagen der Publikation beziehen sich auf die Hysterektomie bei benigner Indikation. Die Angaben zur Hysterektomie(HE)-Rate im erste Satz des Ergebnis- und des Diskussionsteils widersprechen sich: Die Hysterektomierate bei benignen Erkrankungen der weiblichen Genitalorgane in Deutschland betrug nicht 3,6 pro 1 000 Personenjahre, sondern dies ist offenbar die Gesamt-Hysterektomierate für die Bundesrepublik. Eine genauere Erklärung der mehrfach erwähnten sogenannte HE-Rate (Hysterektomien pro 100 000 Personenjahre) wäre wünschenswert. Kritisch sei angemerkt, dass die Autoren offenbar die gesamte weibliche Bevölkerung zum gewählten Stichtag 2005 ihren Berechnungen zugrunde gelegt haben. Es erscheint jedoch sinnvoll, zumindest Mädchen unter 10 sowie Frauen über 80 Jahren auszuklammern. Einer Korrektur bedarf die Aussage zur Anwendung von fokussiertem Ultraschall (MRgFUS) und Uterusarterienembolisation bei Wunsch nach Organerhalt. Diese Myomtherapieverfahren werden bereits seit Jahren in der Routine angewendet. Als Alternative zur Hysterektomie kommt bei Blutungsstörungen außerdem das minimal-invasive Verfahren der operativen Hysteroskopie infrage, welches im Diskussionsteil nicht genannt wird (2).
Die Hysterektomierate, aber auch die Art und Weise, wie eine Hysterektomie bei benigner Indikation durchgeführt wird, sagt etwas über die jeweilige operative Schule, die apparativen und sonstigen Möglichkeiten einer Klinik, aber auch über Patientenströme – zum Teil über Landesgrenzen hinweg – aus.
Eine (selbst-)kritische Betrachtung der Hysterektomierate in Deutschland seitens der „gynäkologischen Community“ ist unbedingt notwendig. Dies betrifft die Indikationsstellungen bei benigner Indikation, den Operationsmodus wie auch die Frage der Zervixbelassung. Insgesamt ist eine große deutsche prospektive Studie der Versorgungsforschung mehr als überfällig.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0158b
Prof. Dr. med. Matthias David
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Campus Virchow-Klinikum
matthias.david@charite.de
Prof. Dr. med. Heribert Kentenich
Fertility Center Berlin
Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
1.
Stang A, Merrill RM, Kuss O: Hysterectomy in Germany: a DRG-based nationwide analysis, 2005–2006. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(30): 508–14.
VOLLTEXT
2.
Stovall DW: Alternatives to hysterectomy: focus on global endometrial ablation, uterine fibroid embolization, and magnetic resonance-guided focused ultrasound. Menopause 2011; 18: 443–50.
MEDLINE
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