GELDANLAGE

Börsebius: Die Todeswette

Dtsch Arztebl 2012; 109(9): A-443 / B-379 / C-375

Eben fällt mir eine schlichte Pressemeldung in der „Börsen-Zeitung“ in die Hände. Die Deutsche Bank kündigt an, die Anleger ihres geschlossenen Fonds „db Kompass Life 3“ zu entschädigen. In den nächsten Wochen gäbe es ein schriftliches Rückkaufangebot. Abzüglich bereits erhaltener Zuzahlungen (in den letzten drei Jahren) würden die Zeichner wohl noch 88 Prozent des investierten Kapitals zurückerhalten.

Warum ist dieses von Anlegeranwälten offenbar als großzügig eingeschätzte Angebot eigentlich in der Welt? Bei diesem Fonds „db Kompass Life 3“ (Volumen rund 200 Millionen Euro!) handelt es sich um eine Art Todeswette – eine Wette auf die Lebensdauer von 500 amerikanischen Staatsbürgern, die zwischen 70 und 90 Jahre alt sind. Etwas verkürzt lief das Modell so, dass die Bank profitierte, wenn die Referenzpersonen länger lebten, als es nach Sterbetafel zu erwarten war, wohingegen der Fondszeichner dann mehr Reibach machte, wenn der Todeszeitpunkt früher eintrat. Geschmackloser geht es nun wirklich nimmer.

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Das eigentlich Erschreckende an diesem Rückkaufangebot ist: Es geht und ging den involvierten Juristen im Grunde gar nicht um die Todeswette an sich, sondern bloß darum, ob eine vernünftige Risikobelehrung erfolgt ist und ob über etwaig erfolgte Kickbackprovisionen aufgeklärt wurde. Ein Anlegeranwalt monierte, dass die Berechnungsgrundlage für die Ausschüttungen im Prospekt variiere.

Heute wird gesagt, der öffentliche Druck habe die Deutsche Bank dazu genötigt, die Rückofferte zu platzieren. Mag sein oder auch nicht. Wahr ist aber, dass es zuerst einmal die Ombudsstelle des Bundesverbands Deutscher Banken war, denen die Sache nicht geheuer war und die ein Schlichtungsverfahren ablehnte. Man möge doch bitte eine etwaige Sittenwidrigkeit der ganzen Konstruktion über ein ordentliches Gericht klären lassen.

Zum schlechten Ende sollte sich der Chronist aber doch wohl auch darauf besinnen, mit dem Finger nicht ausschließlich wollüstig auf die böse Deutsche Bank zu zeigen, auf dass es einen arg grusele. Immerhin haben zehntausend Anleger offenbar wenig Skrupel gezeigt, das makabre Geschäftsmodell zu zeichnen und auf gute Gewinne zu setzen. Oder anders gesagt, wenn jemand ohne schlechtes Gewissen weiß, dass ihm genügend andere folgen und auch noch ordentliches Geld dabei herumkommt, warum sollte er dann diese Gewissenlosigkeit nicht begehen? Immer vorausgesetzt, auf Anstand und Sitte kommt es bei alledem nicht so sehr an.

Wer sich am Ende als Kumpan einer ziemlich amoralischen Produktidee geriert, sollte letztlich nicht so preisgünstig davonkommen. Dieses Happy End ist in Wirklichkeit also gar keines – sondern ein wahres Armutszeugnis für alle Beteiligten.

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