64 Artikel im Heft, Seite 10 von 64

AKTUELL: Akut

Schlaganfall: Gleichstrom verbessert motorisches Lernen

Dtsch Arztebl 2012; 109(9): A-398 / B-344 / C-340

EB

Zwei Drittel der Schlaganfallpatienten leiden auch nach einem Jahr noch an Folgen wie Bewegungsstörungen oder gar Lähmungen. Motorische Fähigkeiten müssen sie erst wieder neu erlernen. Neurophysiologen haben jetzt eine Therapie entwickelt, die den Lernprozess unterstützt. Mit der sogenannten transkraniellen Gleichstromapplikation senken sie dabei die Aktivität eines Botenstoffs im Gehirn, der den Lernprozess beeinflusst.

Vielen Patienten gelingt es nach einem Schlaganfall unter großen Mühen, verlorene Fähigkeiten wieder zu erwerben. Bewegungen lernt das Gehirn ähnlich wie Vokabeln: „Je länger und intensiver das Lernen stattfindet, desto erfolgreicher ist das Ergebnis“, erklärt Prof. Dr. med. Michael Nitsche, Oberarzt der Abteilung Klinische Neurophysiologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Eine zentrale Rolle im Gehirn spielen dabei die Botenstoffe GABA und Glutamat. Diese beeinflussen das motorische Lernen über die Übertragung an den Synapsen im Gehirn. „Experimente zeigen, dass die Freisetzung von GABA vermindert und glutamaterge Aktivität erhöht werden muss, damit Schlaganfallpatienten neue Fähigkeiten erlernen können.“ Um die GABA-Aktivität im Gehirn zu senken und glutamaterge Aktivität zu stärken, eignet sich die transkranielle Gleichstromapplikation.

Anzeige

Dabei bringen Neurophysiologen Elektroden an bestimmten Stellen des Schädels an. Optimal ist eine Position nahe dem motorischen und prämotorischen Kortex. Denn hier findet das motorische Lernen im Gehirn statt. Die zweite Elektrode befindet sich im Bereich der Stirn. Zwischen beiden fließt während der Behandlung für zehn bis 20 Minuten ein schwacher Strom. „Dadurch steigt die Bereitschaft des Gehirns, neue Inhalte aufzunehmen“, sagt Prof. Dr. med. Peter H. Weiss-Blankenhorn, Forschungszentrum Jülich. Die Behandlung sei schmerzlos und würde von den meisten Patienten gut vertragen. Wichtig für den Erfolg sei der Zeitpunkt. „Die transkranielle Gleichstromapplikation sollte zeitgleich zu den Übungen des Physiotherapeuten stattfinden. Erfolgt sie vor den Lernaufgaben, bleibt die Wirkung aus“, erklärt Nitsche.

Schlaganfallpatienten hilft auch ein mentales Training, bei dem sie in Gedanken gezielt Bewegungsabläufe abrufen. Denn die Vorstellung einer Bewegung aktiviert das Gehirn in ähnlicher Weise wie dessen Ausführung“, erläutert Prof. Dr. med. Gereon Fink, Direktor der Klinik für Neurologie der Universität zu Köln. EB


Drucken Versenden Teilen Leserbrief
64 Artikel im Heft, Seite 10 von 64

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
6 / 2013 7 0
5 / 2013 21 0
4 / 2013 27 1
3 / 2013 16 1
2 / 2013 15 0
1 / 2013 5 0
2013 91 2
2012 361 44
Total 452 46

Leserbriefe

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in