Das bisherige Börsenjahr 2012 hat selbst hartgesottene Aktienexperten mehr als überrascht. Trotz Griechenland-Debakel, Schuldenkrise und erwarteter Konjunkturabschwächung legte der Deutsche Aktienindex DAX kräftig zu.
Gerade im Jahr 2011 hat sich die Beimischung einer soliden Aktienquote zu einem gut sortierten Wertpapierdepot gelohnt. Denn als die Rentenwerte Kursverluste verzeichneten, verbuchten Aktien Gewinne – und umgekehrt. Mit einer Mischung aus Rentenwerten und Aktien ließ sich somit zwar kein spektakuläres, aber dennoch ein recht solides positives Ergebnis erzielen.
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Betrachtet man jedoch allein die Aktienmärkte, ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. So dominierte im ersten Halbjahr 2011 noch der Optimismus. Der Anfang 2009 gestartete Kursaufschwung setzte sich weiter fort, und der DAX, der bei 6 995 Punkten in das Jahr gestartet war, erreichte mehrfach die psychologisch wichtige Marke von 7 500 Punkten. Doch gerade dies musste als Warnsignal gesehen werden, denn ein mehrmaliges Scheitern eines Kurses an einer „runden“ Kursmarke lässt nach den Regeln der Chartanalyse einen Rückschlag erwarten. Das zweite, noch deutlichere Warnsignal folgte Anfang August, als der Index relativ ungebremst den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt nach unten durchbrach und keine schnelle Korrektur erfolgte. Die Börse war zu diesem Zeitpunkt allerdings von Panik geprägt. Hatte man bisher alle Negativargumente, wie die erwartete konjunkturelle Abschwächung, die hohe Staatsverschuldung und die finanzielle Schieflage Griechenlands und anderer Staaten, weitgehend ignoriert, so standen diese Themen Anfang August plötzlich im Rampenlicht. Auslöser war die Ratingagentur Standard & Poor’s, die das sagte, was alle wussten: Die Bonität der USA war nicht mehr erstklassig. Die Herabstufung von AAA auf AA+ sorgte für einen massiven Kursverfall an allen Weltbörsen. Allein der DAX büßte in den folgenden Wochen mehr als 30 Prozent ein.
Negative Bilanz
Und so fällt die Jahresbilanz 2011 negativ aus. Nicht nur der DAX verlor circa 15 Prozent, auch der Technologiewerte-Index TecDAX büßte 20 Prozent ein, und der ökologisch orientierte Öko-DAX lag zum Jahresende satte 50 Prozent im Minus.
Nicht viel besser war die Lage an den meisten anderen Weltbörsen: Nach sieben Monaten Kursanstieg folgte ab August ein massiver Einbruch, der die Jahresperformance tief in die roten Zahlen drückte. Angeführt wird die Verliererliste von mehreren kleinen Börsen, bei denen ein Rückzug internationaler Anleger naturgemäß für besonders ausgeprägte Kursverluste sorgt. In Belgien ging es um 20 Prozent abwärts, in Helsinki um 32 Prozent, und der österreichische ATX büßte sogar 35 Prozent ein.
Eine Ausnahme machte der US-Aktienmarkt, der seinem Ruf als „Stehaufmännchen“ wieder einmal alle Ehre machte. Der breit angelegte Standard & Poor’s-500-Index konnte das Jahr mit einem nahezu ausgeglichenen Ergebnis abschließen, der 30 Titel umfassende Dow Jones Industrial Index lag sogar fünf Prozent im Plus. Selbst der Technologiewerteindex NASDAQ konnte sich im einstelligen Plusbereich halten. Von der vergleichsweise guten Entwicklung in den USA profitierten europäische Anleger zudem durch den festeren Dollarkurs, der seit Beginn der Aktienbaisse immerhin mehr als 13 Prozent zulegen konnte. Nicht ganz so gut lief es in Japan: Hier brachte der starke Yen zwar auch circa elf Prozent Währungsgewinn, der Nikkei-225-Index büßte im Jahresverlauf allerdings ungefähr 18 Prozent ein.
Wie geht es weiter? Waren die meisten Börsenexperten im Dezember 2011 noch recht pessimistisch, hat sich das Bild inzwischen gewandelt: Nach der erstaunlich stabilen Entwicklung in den ersten Wochen 2012 wird dem DAX jetzt weiteres Potenzial zugebilligt. Doch schon ein Blick auf den Kurschart zeigt, dass es für ungeteilten Optimismus noch viel zu früh ist. So ist der DAX im August 2011 derart massiv eingebrochen, dass sich ein „gap“ herausgebildet hat. Eine solche Lücke wird mit schöner Regelmäßigkeit durch eine entsprechende Gegenbewegung geschlossen. Oft setzt sich dann jedoch der einmal eingeschlagene Trend fort, nicht selten in verstärktem Maß. Beispiele dazu lassen sich viele finden. So brach der DAX etwa im Sommer 2001 von mehr als 6 000 auf unter 4 000 Punkte ein, um sich dann ähnlich schnell wieder auf 5 500 Punkte zu erholen. Die Baisse schien vorüber, Anleger setzten wieder auf Aktien. Doch die Lücke war damit erst einmal geschlossen, und in der Folge verlor der Index mehr als 60 Prozent.
Positive Signale
Als positives Signal ist diesmal jedoch zu werten, dass der DAX wieder über den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gestiegen ist. Voraussetzung für ein klares Kaufsignal ist jetzt allerdings, dass auch diese Durchschnittslinie wieder nach oben dreht. Allein schon aus mathematischen Gründen dürfte dies jedoch noch einige Monate dauern, so dass die Ampeln aus charttechnischer Sicht noch nicht voll auf Grün stehen.
Fundamental gesehen ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Auf der Negativseite findet man Argumente wie die Euro- und Schuldenkrise, die ausufernden Staatsfinanzen sowie die erwartete starke konjunkturelle Abkühlung, die vor allem eine Industrienation wie Deutschland unter Druck setzen könnte. Eine besondere Rolle wird dabei in den kommenden Monaten der Euro spielen. Bekommt die Politik die Lage in den Griff, könnten sich auch die Wirtschaft und damit die Börse stabilisieren. Sollte das Eurogefüge hingegen zerbrechen, droht auch den Unternehmen sowie der Börse Ungemach. Massive Kursrückschläge müssten danach einkalkuliert werden. Positiv zu bewerten ist hingegen, dass die Wirtschaft in Deutschland und hier speziell auch der Konsum bisher noch keine nennenswerten Ermüdungserscheinungen erkennen lassen. Zudem haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren derart massive Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet, dass sie auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten solide Gewinne erzielen sollten. Dies spiegelt sich im Übrigen in den vergleichsweise hohen Dividendenzahlungen wider, die allein schon ein Argument pro Aktie darstellen. Auch unter mittel- bis langfristigen Gesichtspunkten führt an der Aktie kein Weg vorbei. Schließlich handelt es sich hier um einen Sachwert, dessen Substanz selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Währungsreform nicht gefährdet sein dürfte.
Unter Abwägung dieser Argumente zeigt sich mithin, dass Aktien zwar weiterhin in keiner gut sortierten Geldanlage fehlen dürfen, zumindest vorerst jedoch nicht unbedingt die erste Wahl sind. Bestehende Positionen solider, dividendenstarker Werte sollten allein schon aus Renditegründen beibehalten werden, bei Neuengagements ist jedoch eher Zurückhaltung angebracht. Erst wenn sich die Lage beruhigt – erkennbar etwa an einer nachhaltigen Stabilisierung des DAX oberhalb des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts und einem Drehen der Durchschnittslinie nach oben – können weitere Engagements in Betracht gezogen werden. Hier sind insbesondere preiswert gewordene deutsche Standardwerte zu nennen, deren Dividendenrenditen oftmals mehr als 6,5 Prozent betragen. Aber auch europäische Spitzenwerte sind im zweiten Halbjahr 2011 oft so billig geworden, dass sich der Einstieg langfristig rechnen dürfte.
Viele Experten geben mittlerweile dem amerikanischen Markt noch deutlich mehr Potenzial. Zumindest bisher ist der Aufwärtstrend des Dow Jones Industrial Index nicht gebrochen, selbst wenn der gleitende 200-Tage-Index zuletzt in eine Seitwärtsbewegung übergegangen ist. Positiv ist hier zudem der US-Dollar zu werten. Die Spekulanten interessieren sich zunehmend für den „Greenback“, selbst wenn die Verschuldung der USA eher noch gravierender ist als in der Eurozone.
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