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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Bipolare Störungen – Metaanalyse ergibt: Lithiumtherapie ist relativ sicher

Dtsch Arztebl 2012; 109(14): A-710 / B-615 / C-610

Gulden, Josef

Lithium ist die wirksamste Langzeittherapie bei bipolaren Störungen: Es schützt vor depressiven wie vor manischen Phasen und reduziert das Risiko für Suizide. Da die Präparate nie patentgeschützt waren, gibt es keine größeren Studien zur Abklärung der Nebenwirkungsrisiken, insbesondere der renalen und teratogenen Toxizitäten. Psychiater aus Oxford und Marseille haben die Toxizitätsdaten aus 385 auswertbaren Studien analysiert.

Im Mittel war die glomeruläre Filtrationsrate unter Lithium um 6,22 ml/min reduziert (95-%-KI –14,64 bis +2,20; p = 0,148). Das normale Maximum der Urin-Konzentrationsfähigkeit war um 15 % (158,43 mOsm/kg) vermindert. Lithium könnte damit das Risiko für ein Nierenversagen erhöhen, wenngleich das absolute Risiko gering war: Nur 18 von 3 369 Patienten (0,5 %), für die in diesen Studien solche Daten erhoben worden waren, erhielten eine Dialysebehandlung. Die Wahrscheinlichkeit eines klinischen Hypothyreoidismus war unter Lithium gegenüber Placebo beinahe versechsfacht (Odds Ratio 5,78; 95-%-KI 2,00–16,67; p = 0,001), und die TSH-Titer waren im Mittel um 4,00 iU/ml erhöht (95-%-KI 3,90–4,10; p < 0,0001). Außerdem zeigte sich ein Anstieg der Konzentrationen von Kalzium (+0,09 mmol/l; 95-%-KI 0,02–0,17; p = 0,009) und Parathormon (+7,32 pg/ml; 95-%-KI 3,42–11,23; p < 0,0001). Eine Gewichtszunahme um mehr als 7 % wurde als klinisch relevant eingestuft; sie war unter Lithium um 89 % häufiger als unter Placebo (OR 1,89; 95-%-KI 1,27– 2,82; p = 0,002), aber deutlich seltener als bei Olanzapin (OR 0,32; 95-%-KI 0,21–0,49; p < 0,0001). Das Risiko für kongenitale Missbildungen nach Einnahme in der Schwangerschaft und Alopezie oder andere Hautstörungen schien nicht signifikant erhöht.

Fazit: Lithium ist in der Therapie bipolarer Störungen ein vergleichsweise sicheres Medikament. „Erfreulich ist, dass das Risiko für schwere renale Funktionsstörungen als sehr gering einzuschätzen ist“, kommentiert Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Michael Bauer, Dresden. Auch wenn es Risiken für die Entwicklung von Störungen des Schilddrüsenstoffwechsels gebe wie Struma und Hypothyreose, sollten diese nicht überbewertet werden, da sie sehr gut und einfach erkennbar und letztlich auch behandelbar seien: „Es gibt vonseiten der Schilddrüse keine Kontraindikation für eine Behandlung mit Lithium“, so Prof. Bauer. Josef Gulden

McKnight RF, et al.: Lithium toxicity profile:
a systematic review and meta-analysis. Lancet 2012; 379: 721–8 MEDLINE


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