67 Artikel im Heft, Seite 43 von 67

MEDIZIN: Diskussion

Potenziell beruflich bedingte Ursachen einer Demenz

Potential Work-Related Causes of Dementia

Dtsch Arztebl Int 2012; 109(15): 283-4; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0283a

Behrens, Thomas; Brüning, Thomas

Neben einer Vielzahl modifizierbarer, vor allem vaskulärer Risikofaktoren bei der Entstehung von leichten kognitiven Störungen beziehungsweise einer Demenzerkrankung (1) sind berufliche Expositionen als mögliche Ursachen zu nennen.

Während der Einfluss von verschiedenen Arbeitsstoffen (wie Lösemitteln oder Pestiziden) nur vermutet werden kann, mehren sich Hinweise, dass Hirntraumata mit einem höheren Inzidenzrisiko oder dem beschleunigten Auftreten einer Demenz assoziiert sind. Obwohl der zugrundeliegende Mechanismus noch nicht geklärt ist, könnte der Zusammenstoß fronto-temporaler Hirnareale mit dem Schädelknochen diesen Zusammenhang erklären. Eine häufig beobachtete Wechselwirkung mit einem erhöhten Risiko für Träger des ApoE-ε4-Allels lässt einen zusätzlichen genetischen Einfluss vermuten (2). Ein erhöhtes Risiko für kognitive Störungen nach einer Kopfverletzung ist in einer aktuellen US-Kohortenstudie mit fünfjährigem prospektiv-konkurrentem Follow-up berichtet worden (3). Darüber hinaus tragen anspruchsvolle berufliche Tätigkeiten offensichtlich zur kognitiven Reserve bei, die einen protektiven Faktor für die Entwicklung einer Demenz darstellt (4).

Kognitive Störungen und Demenz werden im Zuge des demografischen Wandels beständig zunehmen. Im Zuge der verlängerten Lebensarbeitszeit in Deutschland verlagert sich das Auftreten dieser Erkrankungen zunehmend in das aktive berufliche Leben. Neben den klassischen Arbeitsschutzmaßnahmen – Vermeidung einer Exposition gegenüber potenziell schädlichen Arbeitsstoffen beziehungsweise der Schutz vor Arbeitsunfällen – stellen sich neue Herausforderungen für die Arbeitsmedizin im Rahmen der Primärprävention. Darüber hinaus wird von entscheidender Bedeutung sein, welche Maßnahmen auf betrieblicher Ebene getroffen werden können, um den Eintritt einer Demenz bei Patienten, die mit kognitiven Störungen auffallen, zu verzögern.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0283a

PD Dr. med. Thomas Behrens

Prof. Dr. med. Thomas Brüning

Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA), Bochum
behrens@ipa-dguv.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Etgen T, Sander D, Bickel H, Förstl H: Mild cognitive impairment and dementia: the importance of modifiable risk factors. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(44): 743–50. VOLLTEXT
2.
Starkstein SE, Jorge R: Dementia after traumatic brain injury. Int Psychogeriatr 2005; 17: 93–107. CrossRef MEDLINE
3.
Unverzagt FW, et al.: Incidence and risk factors for cognitive impairment no dementia and mild cognitive impairment in African Americans. Alzheimer Dis Assoc Disord 2011; 25: 4–10. CrossRef MEDLINE
4.
Scarmeas N, Stern Y: Cognitive reserve: implications for diagnosis and prevention of Alzheimer’s disease. Curr Neurol Neurosci Rep 2004; 4: 374–80. CrossRef MEDLINE PubMed Central

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
67 Artikel im Heft, Seite 43 von 67

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
5 / 2013 11 1
4 / 2013 13 3
3 / 2013 10 1
2 / 2013 22 1
1 / 2013 18 2
12 / 2012 11 1
2013 74 8
2012 426 55
Total 500 63

Leserbriefe

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in