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MEDIZIN: Diskussion

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Dtsch Arztebl Int 2012; 109(15): 284; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0284

Etgen, Thorleif; Bickel, Horst; Förstl, Hans; Sander, Dirk

Wir danken den Kollegen für ihre wertvollen Hinweise und Ergänzungen. Aus Platzgründen konnten wir in unserer Übersichtsarbeit nicht alle potenziell relevanten Risikofaktoren für die Entwicklung einer kognitiven Störung und Demenz diskutieren, obwohl natürlich noch weit mehr Risikofaktoren existieren (psychische Erkrankungen, kognitive und soziale Faktoren, etc.).

Der wichtige Hinweis der Kollegen Behrens und Brüning auf die Bedeutung von Berufs-assoziierten Risiken einer Demenz wird durch neuere Studien unterstrichen. So deutet eine aktuelle schwedische Kohortenstudie auf ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer vaskulären Demenz bei arbeitsbezogenem Stress (zum Beispiel geringer Einfluss auf die Steuerung der eigenen Arbeit, hohe Arbeitsanforderung, geringe soziale Unterstützung) hin (1). Hinsichtlich traumatischer Demenzen halten wir Kampfsportler für besonders exponiert und haben daher vor einem Jahr an gleicher Stelle auf deren menschenverachtende Arbeitsbedingungen hingewiesen (2). Kognitive Reserven sind wünschenswert und zweifelsfrei mit privilegierten Arbeitsbedingungen assoziiert (3). Beides lässt sich nicht nach Belieben herstellen und gerade deshalb müssen entsprechende lebenslange Bildungsangebote ausgebaut werden.

Sowohl neuere Resultate aus der Grundlagenforschung als die Ergebnisse von großen prospektiven Kohortenstudien und kleinen randomisierten Interventionsstudien unterstützen die Hypothese einer protektiven Bedeutung von körperlicher Aktivität, auf die nochmals von Herrn Hofmeister hingewiesen wird. Nach einer neueren Metaanalyse sind bis zu 50 % aller Demenzerkrankungen weltweit auf sieben potenziell modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen (körperliche Inaktivität, mangelnde [Aus-]Bildung, Depression, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht im mittleren Lebensalter) (4).

Durch die wachsende medizinische Datenlage und das zunehmende öffentliche Interesse an modifizierbaren Risikofaktoren ist abzusehen, dass deren praktische Bedeutung in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen wird. Ähnlich wie das Wissen um die Risiken von Rauchen, Alkohol und Fettleibigkeit die Lebensgewohnheiten in Europa in den letzten 50 Jahren beeinflusst hat, werden Erkenntnisse über weitere kognitive, emotionale, soziale und körperliche Einflussfaktoren zu vernünftigen Veränderungen im Zeitalter der Langlebigkeit führen.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0284

PD Dr. med. Thorleif Etgen
Dr. phil. Horst Bickel
Prof. Dr. med. Hans Förstl

Neurologische Klinik, Kliniken Südostbayern – Klinikum Traunstein, Traunstein
thorleif.etgen@klinikum-traunstein.de

Prof. Dr. med. Dirk Sander
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Technische Universität München

Interessenkonflikt

Dr. Bickel erhielt Honorare von der Firma Willmar Schwabe.

Prof. Förstl erhielt finanzielle Unterstützung von den Firmen Eisai, General

Electric Lundbeck, Pfizer, Merz Janssen, Novartis, AstraZeneca, BMS, GSK, Lilly, Nutricia, Sanofi-Aventis, Schwabe, Servier und anderen.

Die anderen Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Andel R, Crowe M, Hahn EA, et al.: Work-Related Stress May Increase the Risk of Vascular Dementia. J Am Geriatr Soc 2012; 60: 60–7. CrossRef MEDLINE
2.
Förstl H, Haass C, Hemmer B, Meyer B, Halle M: Boxen – akute Komplikationen und Spätfolgen – von der Gehirnerschütterung bis zur Demenz. Deutsches Ärzteblatt 2010; 107: 835–9. VOLLTEXT
3.
Perneczky R, Alexopoulos P, Schmid G, et al.: Kognitive Reserve – ihre Bedeutung für die Prävention und Diagnose der Demenz. Nervenarzt 2011; 82: 325–30; 332–35. CrossRef MEDLINE
4.
Barnes DE, Yaffe K: The projected effect of risk factor reduction on Alzheimer’s disease prevalence. Lancet Neurol 2011; 10: 819–28. CrossRef MEDLINE
5.
Etgen T, Sander D, Bickel H, Förstl H: Mild cognitive impairment and dementia: the importance of modifiable risk factors. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(44): 743–50. VOLLTEXT

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