MEDIZIN: Diskussion
Prävention von ca-MRSA
Prevention of CA-MRSA
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(15): 282; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0282a


Die community-acquired/associated-MRSA-Erkrankung (CA-MRSA) stellt eine besondere Herausforderung dar: die Krankheit ist bei vielen Ärzten noch unbekannt, oft findet sich eine Reiseanamnese in CA-MRSA „Hotspots“ und eine Übertragung auf Haushaltsangehörige ist häufig. Somit kann es sinnvoll sein, zur Prävention auch auf den öffentlichen Gesundheitsdienst zurückzugreifen.
Leider ist dieses Vorgehen aus Datenschutzgründen derzeit nicht zulässig. Eine Meldung nach § 7 (2) des Infektionschutzgesetzes von CA-MRSA sei erst dann zulässig, wenn das untersuchende Labor einen Hinweis auf mehrere klar miteinander verbundene Infektionen hat. Diese Infektionskette festzustellen ist alleine schon dadurch erschwert, dass die Proben (so es überhaupt zu einer mikrobiologischen Abklärung kommt) dazu in das gleiche Labor verschickt werden müssten. Ein anderes Problem ist die häufige Reiseanamnese: die Ansteckung erfolgte oft im Ausland oder im Flugzeug. Die aktuelle Diskussion um die Meldung von Extended Spectrum β-Lactamasen (ESBL) bei Neugeborenen zeigt auch, dass die Definition einer „örtlichen und zeitlichen Häufung“ viel Interpretationsspielraum zulässt.
Die Argumentation mit dem Datenschutz ist schwer verständlich: so werden MRSA in Liquor und Blut namentlich gemeldet, mit dem Ziel, einen Marker für das Hygienemanagement zu erhalten. Da die Auswertung aber nur anhand des Wohnortes der Patienten vorgenommen wird, spiegelt dies nicht das Hygienemanagement der Hochleistungsmedizin in den Ballungszentren wider. Auch scheint der Datenschutz bei anderen, regelmäßig selbstlimitierenden Erkrankungen wie beim Norovirus oder kürzlich bei der H1N1-Influenza keine entscheidende Rolle zu spielen.
Ich würde es sehr begrüßen, wenn durch eine sinnvolle Prävention (und dazu zählt auch die namentliche Meldung von CA-MRSA und Einleitung der notwendigen Maßnahmen durch das Gesundheitsamt) die Ausbreitung von CA-MRSA eingedämmt werden könnte.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0282a
PD Dr. med. Matthias Orth
Institut für Laboratoriumsmedizin
Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, Stuttgart, matthiasorth@vinzenz.de
1.
Köck R, Mellmann A, Schaumburg F, Friedrich AW, Kipp F, Becker K: The epidemiology of methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) in Germany. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(45): 761–7.
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