67 Artikel im Heft, Seite 56 von 67

GELDANLAGE

Börsebius: Sonnenfinsternis

Dtsch Arztebl 2012; 109(15): A-775 / B-671 / C-667

Bei Solaraktien gibt es derzeit fast nur ein einziges Auswahlkriterium: pleite oder noch nicht pleite. Das ist, zugegeben, etwas überspitzt formuliert, doch hat es die Branche in den letzten Wochen schon ziemlich gründlich zerlegt.

War die Insolvenz des Kraftwerkbauers Solar Millennium für mich persönlich nicht gerade eine große Überraschung, so kam doch die jüngste Havarie von Q-Cells für den einen oder anderen aus heiterem Himmel, wenigstens zum jetzigen Zeitpunkt.

Anzeige

Der Konkurs der Q-Cells kann schon als Donnerschlag gewertet werden, immerhin handelt es sich hier um den einst weltgrößten Solarhersteller, für den an der Börse zu seinen besten Zeiten immerhin acht Milliarden Euro bezahlt wurden. Q-Cells scheiterte letztlich an seinen horrenden Schulden und erst recht an einer kleinen Clique von Berufsklägern. Aber selbst wenn der beabsichtigte Tausch von Schulden in Aktien doch noch geklappt hätte, wären die Aktionäre am Ende die Deppen gewesen. Sie hätten einen Wertverlust von mehr als 95 Prozent hinnehmen müssen. Da ist die Pleite dann im Grunde nur noch das berühmte Ende mit Schrecken statt des Schrecken ohne Ende.

Spätestens jetzt ist also ein Blick in das eigene Depot dringend angesagt, ob denn nicht noch andere Solaraktien vor sich hin schwelen. Die Wahrscheinlichkeit ist ja relativ groß, zählten diese Titel in der Vergangenheit doch zu den Lieblingen der Anlageberater, frei nach dem Motto, alternativ investieren, gutes Gewissen haben und fette Gewinne kassieren. Aber das Schlaraffenland gibt’s halt nur im Märchen. Sollten Sie also in Ihrer Liste Solon-Aktien entdecken: Die sind auch schon pleite. Conergy scheint derzeit erstmal gerettet, aber eben halt auch nur auf Kosten eines erheblichen Wertverlustes für die Altaktionäre. Phönix-Solar würde ich aktuell dringend auf die Liste der gefährdeten Arten setzen.

Doch was ist mit dem Aushängeschild Solarworld? Der Sonnenkönig und Konzernchef Frank Asbeck wettert derzeit vehement gegen die Förderkürzungen und verkennt doch, dass das eigentliche Problem der Branche die Konkurrenz aus China ist, die deutlich preiswerter produziert. So mag es niemanden verwundern, dass Solarworld tief in die roten Zahlen gesunken ist und Asbeck mit der Forderung nach Strafzöllen lediglich populistische Argumente denn handfeste Strukturmaßnahmen vorweisen kann. Alarmierend ist in diesem Zusammenhang auch, dass derzeit nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Inhaber von Solarworld-Anleihen ziemlich gebeutelt sind. Verluste von bis zu zwei Dritteln des Nennwerts je nach Laufzeit sprechen eine Sprache, die deutlicher nicht sein kann.

Eine Sonnenfinsternis geht bekanntlich vorbei. Und alles ist wieder gut. Die (zum Teil selbstverschuldete) Krise der Solarbranche kann sich indes ziehen. Ziemlich.


Drucken Versenden Teilen Leserbrief
67 Artikel im Heft, Seite 56 von 67

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Eingeloggt als

Suchen in