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MEDIEN

Schmerztherapie: Lehrbuch mit klaren Positionen

Dtsch Arztebl 2012; 109(15): A-768 / B-666 / C-662

Wirz, Stefan

Die seit 1996 mittlerweile vierte Auflage dieses Standardwerks der Schmerzmedizin folgt den Notwendigkeiten der aktuellen Entwicklungen in diesem Sektor. Dabei meistert es bravourös das „Evidenzproblem“: Wie setzt man Leitlinien in praktisch-therapeutische Empfehlungen um? Welche Schmerztherapie darf man vorschlagen, wenn es sich um Schmerzsyndrome handelt, bei denen die Studienlage unzureichend ist? Ist die Off-label-Benutzung einzelner Substanzen – außerhalb der offiziellen Zulassung – zu dulden, erlaubt oder sogar geboten? Was sagen die Kostenträger?

Man darf den Autoren dankbar sein, dass sie hierzu klare Positionen beziehen. Insofern erfüllt dieses Buch die Kriterien eines guten Lehrbuchs. Es ist übersichtlich gegliedert, aktuell und umfassend. Die Grafiken und Algorithmen sind übersichtlich aufgebaut; Merksätze werden farblich hervorgehoben, so dass der Leser einen einfachen Zugang auch zu schwierigen Inhalten findet. Besonders reizvoll ist der Zugang zum Online-Angebot.

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Apropos Inhalte: Neben dem „üblichen“ Katalog der verschiedenen Schmerzerkrankungen mit ihren spezifischen Pathophysiologien und der dazugehörenden Therapieoptionen informiert dieses Buch auch über rechtliche Aspekte, Abrechnungsmodalitäten – nur um die Inhalte einiger Kapitel zu nennen. Für Nichtspezialisten häufig problematische Gebiete, wie Schmerz bei Kindern, Stillenden und Schwangeren, Opioidabhängigkeit oder komplementäre Schmerztherapieverfahren, werden verständlich erläutert, ohne dabei an wissenschaftlichem Anspruch zu verlieren. Herauszustellen ist die Darstellung neuer physiologisch orientierter Methoden, wie der qualitativ-sensorischen Testung oder innovativer topischer Therapeutika.

Leider wird im Kapitel „Tumorschmerz“ apodiktisch immer noch vor der Anwendung invasiver Schmerztherapie als „Kunstfehler“ gewarnt ; begründet wird dies damit, dass so unter anderem eine „Abhängigkeit des Patienten vom Therapeuten“ geschaffen werde. Glücklicherweise stellt das Kapitel „Interventionelle Verfahren“ die Indikationen solcher segensreicher Methoden – auch bei Tumorschmerz – klar.

Fazit: ein sehr empfehlenswertes Lehrbuch der Schmerztherapie.

Stefan Wirz

Hans-Christoph Diener, Christoph Maier (Hrsg.): Die Schmerztherapie. 4. Auflage. Urban & Fischer, Elsevier GmbH, München 2011, 530 Seiten, gebunden, 79,95 Euro


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