Eine negative Rendite – wer derzeit in Bundesanleihen mit wenigen Monaten Restlaufzeit investiert, der muss damit rechnen, dass sein Investment an Wert verliert. Eine gezielte Titelauswahl ist daher wichtiger als je zuvor.
Festverzinsliche Wertpapiere gelten üblicherweise als „sicherer Hafen“ im Bereich der Geldanlagen. Während die Aktienkurse oder etwa Rohstoffpreise oftmals erhebliche Kursschwankungen aufweisen, entwickeln sich Rentenwerte – von einzelnen fundamental bedingten Ausnahmen abgesehen – meist wenig spektakulär. Vielmehr steht die Sicherheit im Vordergrund, bestehend aus regelmäßigen Zinszahlungen und einer festen Rückzahlung zum Laufzeitende.
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Doch mittlerweile hat sich die Lage verändert. So begann im Spätsommer 2010 – bedingt durch die gute Konjunkturentwicklung – ein nachhaltiger Zinsanstieg. Lag die durchschnittliche Umlaufrendite im August 2010 noch bei 1,8 Prozent, so wurde ein halbes Jahr später die Marke von 3,3 Prozent erreicht. Die unmittelbare Folge: ein deutlicher Kursrückgang bei börsennotierten Papieren. So verlor etwa die sechsprozentige Bundesanleihe mit Laufzeit bis zum 20. Juni 2016 (ISIN: DE0001134468) fast zehn Prozentpunkte an Wert, bei der 4,75-prozentigen Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2040 (ISIN: DE0001135366) ging der Kurs gar von 144 Prozent auf nur noch knapp 112 Prozent oder um circa 22 Prozent zurück.
Die Wende kam im Frühjahr 2011, als die Notenbanken zur Rettung Griechenlands und anderer angeschlagener Staaten Milliardensummen in die Märkte schleusten und damit die Zinsen unter Druck setzten. Heute liegt die Umlaufrendite nur noch bei 1,45 Prozent und damit im Bereich historischer Tiefststände. Entsprechend gut konnten Anleger verdienen, die festverzinsliche Wertpapiere im Depot hatten. Der Kurs der oben genannten Anleihe mit fünf Jahren Restlaufzeit konnte ihre Verluste komplett ausbügeln, die Notierung des Langläufers zog auf mehr als 147 Prozent an. Im Durchschnitt waren in den vergangenen zwölf Monaten etwa acht Prozent Rendite zu erzielen.
Während sich Zinssteigerungen und -rückgänge üblicherweise auf alle festverzinslichen Wertpapiere mit gleichen Restlaufzeiten ähnlich stark auswirken, kam es dieses Mal zu markanten Verwerfungen. Stark rückläufig waren insbesondere die Renditen von den Wertpapieren des Bundes und anderen öffentlich-rechtlichen Institutionen, die nicht nur von deutschen Anlegern geschätzt werden, sondern sich auch im Ausland einer großen Beliebtheit erfreuten. Hingegen war der Renditerückgang bei Bankschuldverschreibungen bereits deutlich weniger stark ausgeprägt. Bei Unternehmensanleihen wiederum kam es zu oftmals sehr gegenläufigen Entwicklungen. Während die als sicher geltenden Papiere, etwa von BMW, Volkswagen oder der Deutschen Telekom, rückläufige Renditen und damit steigende Kurse aufwiesen, verzeichneten manche Titel aus der zweiten oder dritten Reihe zumindest zeitweise sogar Renditeanstiege. Vergleichbares gilt für Staatsanleihen: Titel aus Österreich oder Frankreich waren gefragt und verzeichneten Kursgewinne, hingegen ging es etwa mit Anleihen aus Italien, Irland oder auch Belgien deutlich bergab. Einen massiven Absturz erlebten schließlich die Papiere Griechenlands, wurde hier doch der geplante Schuldenschnitt bereits an der Börse vorweggenommen.
Während sich Anleihebesitzer über die – zumindest auf dem Papier – erzielten Kursgewinne bei den meisten Papieren freuen können, ist die Lage für Neueinsteiger zunehmend schwierig geworden. Insbesondere bei deutschen Bundesanleihen liegen die Renditen heute auf einem Niveau, das Investments kaum noch attraktiv erscheinen lässt. Wer sein Geld etwa für zehn Jahre anlegt, muss sich mit weniger als 1,5 Prozent abspeisen lassen, bei fünfjährigen Titeln wird sogar die Ein-Prozent-Marke unterschritten, bei Kurzläufern ergeben sich manchmal sogar negative Rendite. Und selbst wer mutig 30-jährige Papiere kaufen möchte, bekommt nur etwa 2,5 Prozent – viel zu wenig, um dem damit verbundenen Kursrisiko angemessen Rechnung zu tragen. Keine Lösung sind aber auch risikofreie Kurzfrist-Anlagen des Bundes. Die Tagesanleihe rentiert mit 0,2 Prozent, Bundesschatzbriefe liegen anfangs unter einem Prozent, und wer gar Finanzierungsschätze auswählen möchte, wird durch Konditionen von 0,05 Prozent (ein Jahr) beziehungsweise 0,10 Prozent (zwei Jahre) abgeschreckt.
Mehr denn je sollten Anleger daher auf eine Diversifizierung achten. Gerade unter Unternehmensanleihen gibt es eine Reihe von Papieren, die als relativ sicher eingestuft werden können, aber zumindest etwas bessere Zinsen bringen. Hierzu zählen insbesondere die Titel deutscher und europäischer Großkonzerne, wie etwa der Deutschen Telekom oder von E.ON. Die Rendite richtet sich dabei nach den grundsätzlich bestehenden Risiken. So bringt etwa eine fünfjährige Euro-Anleihe des BMW-Konzerns derzeit circa 2,3 Prozent Rendite, ein Porsche-Papier rechnet sich mit 2,6 Prozent, und wer ein größeres Wagnis in Kauf nimmt, kann mit einer Peugeot-Anleihe stolze 5,75 Prozent erzielen. Vergleichbares gilt bei Staatsanleihen: Die Titel der als „Sicherheitshort“ geltenden Länder wie Deutschland werfen kaum Zinsen ab, mit etwas Spekulationsfreudigkeit kann man indes zum Beispiel mit Südeuropa-Papieren gut verdienen – zumindest dann, wenn die Politiker die Schuldenkrise in den Griff bekommen und es keine weiteren Ausfälle oder Abwertungen gibt.
Schwierig ist die Entscheidung hinsichtlich der Laufzeiten. Grundsätzlich gilt zwar, dass Papiere mit längeren Restlaufzeiten eine höhere Rendite erwarten lassen als Kurzläufer. Andererseits ist – das zeigen die eingangs formulierten Beispiele – auch das Risiko vergleichsweise groß. Sollte beispielsweise die Rendite für Langläufer in den kommenden Jahren wieder auf 4,75 Prozent steigen, würde der Kurs der genannten Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2040 von aktuell etwa 146 Prozent auf circa 100 Prozent nachgeben – und damit die Zinszahlung von zehn Jahren aufzehren. Ausgeschlossen ist ein solcher Zinsanstieg keineswegs, denn schließlich könnte die Geldmengenschwemme zu einem Anziehen der Inflationsrate – und damit der Zinsen – führen. Im Übrigen lag der Zinssatz erst vor drei Jahren bei mehr als 4,5 Prozent.
Als Konsequenz sollten sich Anleger daher auf kürzere bis mittlere Laufzeiten beschränken, also vornehmlich Papiere mit maximal fünf bis sieben Jahren Restlaufzeit. Wichtiger ist eine breite Streuung in Hinblick auf die Sicherheit, wobei Papiere mit Renditen zwischen zwei Prozent und 3,5 Prozent bei fünf Jahren Restlaufzeit einen guten Kompromiss zwischen Ertrag und Risiko darstellen.
Gerade in Hinblick auf die Euro-Krise gewinnen aber auch Fremdwährungsanlagen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Devisen wirtschaftlich starker Länder – angefangen von Norwegen und Schweden bis hin zu Australien oder selbst Brasilien – haben es dabei den Anlegern angetan. Die Beimischung kleiner Positionen zu einem gut sortierten Depot kann sich weiterhin lohnen, wobei neben den Währungsrisiken auch die Emittentenrisiken zu beachten sind. Grundregel dabei: Nur erste Adressen auswählen, ebenso nur Papiere mit vergleichsweise regem Handel in Deutschland – die sich im Zweifelsfall auch schnell wieder verkaufen lassen.
Sonderstellungen nehmen dabei der Schweizer Franken und der US-Dollar ein. Beim Franken hat das Machtwort der Eidgenössischen Regierung zur Währungsentwicklung dazu geführt, dass der Kurs nicht mehr spekulativ angeheizt wird. Zumindest nach dem jetzigen Stand der Dinge ist davon auszugehen, dass es in den kommenden Monaten zu keinen nennenswerten Wechselkursausschlägen kommen wird. Allerdings sind die Zinsen für Franken-Papiere vergleichsweise niedrig, so dass der einzige Vorteil letztlich darin zu sehen ist, eine Alternative zum Euro zu haben.
Beim US-Dollar wiederum war in den vergangenen Wochen ein leichter Kursanstieg zu beobachten, der in erster Linie auf spekulative Transaktionen zurückzuführen ist. Denn fundamental hat sich wenig geändert. Die Wirtschaft läuft eher schlechter als in Europa, die Schulden sind noch weitaus beängstigender als in der Euro-Zone. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass spekulative Einflüsse beim Dollar zu ganz erheblichen Kursschwankungen führen können. Eine Fortsetzung der jüngsten Entwicklung ist daher durchaus möglich und könnte Dollarfans unter den Anlegern noch manchen guten Gewinn bringen. Peter Jobst
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