22 Artikel im Heft, Seite 5 von 22

Supplement: PRAXiS

Dividendenfonds: Stetige Performance

Dtsch Arztebl 2012; 109(16): [4]

Löwe, Armin

Foto: Fotolia

Wegen der überragenden Bedeutung der Dividende für die Performance einer Aktie setzen einige Aktienfonds gezielt auf Unternehmen, die eine hohe Dividende zahlen.

Der Beitrag der Dividende zur Gesamtrendite einer Aktie wird oft unterschätzt. Spektakuläre Kursgewinne springen stärker ins Auge und erwecken den Eindruck, Kursgewinne machten den Reiz der Aktienanlage aus. In den letzten 40 Jahren war die annualisierte Gesamtrendite der Aktienanlage zu mehr als 40 Prozent durch Dividendenzahlungen bestimmt, ermittelte die Kapitalanlagegesellschaft Allianz Global Investors. Vor allem im turbulenten Jahr 2011 mit zwischenzeitlichen Kursverlusten von 20 Prozent zeigte sich der besondere Vorteil der Ausschüttungen. Sie sind zuverlässig ohne komplizierte Schätzungen oder Hochrechnungen zu ermitteln und tragen erheblich zu der Ertragsstabilität der Aktie bei. Auch wenn die Börse auf der Stelle tritt oder die Aktien überwiegend Kursverluste bringen, auf die Ausschüttung kann sich der Anleger weitgehend verlassen. Dividendenkontinuität hieß einst das Zauberwort. Zuweilen geht das Prinzip so weit, dass Unternehmen mehr ausschütten, als sie tatsächlich verdienen – wie die Deutsche Telekom. Finanzanlagen bringen einen Teil der Ausschüttung.

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Derzeit läuft die Dividendensaison auf vollen Touren und lenkt den Blick auf die Ausschüttungen. Gerade deutsche Unternehmen haben auch in der Krise hervorragend verdient und lassen daran ihre Aktionäre mit erhöhten Ausschüttungen teilhaben. Man schätzt, dass allein die 30 Unternehmen, die den Deutschen Aktienindex DAX bilden, bis Juni 27 Milliarden Euro als Dividende ausschütten werden – das ist die höchste Summe seit dem allgemeinen Boomjahr 2007, bevor die Wirtschaftskrise ausbrach, die durch die Lehman-Pleite im Herbst 2008 gekennzeichnet ist.

Wegen der überragenden Bedeutung der Dividende für die Performance einer Aktie setzen einige Aktienfonds gezielt auf Unternehmen, die eine hohe Dividende zahlen. Gerade in den vergangenen Wochen sind einige Fonds auf den Markt gekommen, die sich an einer hohen Dividendenrendite orientieren. Die US-Gesellschaft Franklin Templeton hat den European Dividend Fund aufgelegt, die Kollegen der US-Gesellschaft Fidelity den weltweit anlegenden Global Dividend Fund.

Eines der ältesten Produkte dieser Art in Deutschland ist der DWS-TopDividende (ISIN DE0009848119), der im April 2003 lanciert wurde. Das Timing war nicht zufällig; nach dem Platzen der Hochtechnologieblase (Internet/Neuemissionen) um die Jahrtausendwende waren die Kurse nach dreijähriger Talfahrt auf ein langjähriges Tief gefallen und das Vertrauen der Anleger in die Aktie und Aktienfonds weitgehend zerstört. Mit einem konservativen Konzept wollte man einen Gegenpunkt gegen die Interneteuphorie setzen, die horrende Kursverluste gebracht hatte, und den allgemeinen Attentismus überwinden. Und es hat sich für die Fondsgesellschaft und den Anleger gelohnt. Der DWS-Top-Dividende gehört mit einem Volumen von circa sieben Milliarden Euro zu den Schwergewichten unter den Aktienfonds deutscher Kapitalanlagegesellschaften. Und die Performance des Fonds war deutlich besser als der Weltaktienindex von MSCI. Seit dem Jahr der Auflegung konnte der DWS-Top- Dividende eine durchschnittliche jährliche Wertsteigerung von nicht ganz zehn Prozent erzielen. Allerdings gab es durchaus Kursschwankungen. Aber sie halten sich in engen Grenzen, die Volatilität ist also geringer als bei anderen Aktienfonds.

Die Dividendenrendite des Fondsportfolios liegt im Durchschnitt immer zwischen vier bis 4,5 Prozent und damit über dem Marktdurchschnitt. Das soll auch in Zukunft die Orientierungsgröße sein. Auswahlkriterium für die Aktien sind neben einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite ein hohes prognostizierbares Dividendenwachstum und eine angemessene Ausschüttungsquote (Anteil der Dividende am Jahresüberschuss). Auch andere Bilanzrelationen müssen den konservativen Erfordernissen entsprechen.

Noch nicht so lange am Markt wie der DWS-Fonds ist der M&G Global Dividend (ISIN Nummer GB00B39R 2S49), der im Juli 2008, also mitten in der Finanzkrise, aufgelegt wurde. Er weist seit der Auflegung ein Plus von 39,8 Prozent aus, während der Vergleichsindex (Benchmark) nur 22,6 Prozent zulegte. Das Konzept ist ein wenig anders als bei den Konkurrenzprodukten. Denn Fondsmanager Stuart Rhodes investiert nur in Unternehmen, die seit 25 Jahren die Ausschüttung Jahr für Jahr gesteigert haben. Das Fondsmanagement ist auch lediglich auf 40 bis 50 Titel fokussiert, während die Zahl der Einzeltitel bei anderen Aktienfonds zuweilen bis 200 reicht. Zu den Aktien, die der Fonds bevorzugt, gehören Blue Chips wie Procter & Gamble, Coca-Cola, Johnson & Johnson oder McDonald’s. In Europa zählen zu den Favoriten Novartis und Nestlé. Weil der Fonds auf Unternehmen setzt, die nicht unbedingt eine hohe Dividendenrendite aufweisen, aber Jahr für Jahr die Dividende anheben, kommen auch andere Werte (Wachstumsaktien) für eine Anlage infrage, nicht nur die typischen (eher langweiligen) Blue Chips. Der Fonds reinvestiert die ausgeschütteten Dividenden (Thesaurierungsfonds), auf diese Weise kann der Zinseszinseffekt optimal genutzt werden. Der DWS-TOP-Dividende schüttet die eingenommenen Dividenden aus, bei der Berechnung der Wertentwicklung wird aber unterstellt, dass die Ausschüttungen reinvestiert werden.

Spektakuläre Wertzuwächse sind mit solchen konservativen Fonds kaum zu erzielen, aber sie bieten die Aussicht auf eine stetige Performance und vermeiden starke Schwankungen. In unsicheren Börsenphasen ist das ein erheblicher Vorteil. Armin Löwe


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