MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Multiple Sklerose: Laquinimod senkt Schubrate und Progressionsrisiko
Dtsch Arztebl 2012; 109(17): A-865 / B-744 / C-740

Laquinimod ist ein oral applizierbarer Immunmodulator, der bei Patienten mit multipler Sklerose (MS) geprüft wird. Präklinischen Studien zufolge verringert die Substanz die Infiltration von Entzündungszellen ins Zentralnervensystem, die Demyelinisierung und die axonale Schädigung, während es Myelin produzierende Zellen schützt. Außerdem soll es den Brain-derived neurotrophic factor modulieren, dem eine wichtige Funktion bei der Aufrechterhaltung der axonalen Integrität zukommt.
In der von Teva finanzierten ALLEGRO*-Studie wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Laquinimod (0,6 mg/Tag) über zwei Jahre multizentrisch, randomisiert und doppelblind im Vergleich zu Placebo untersucht. Aufgenommen wurden 1 106 Patienten mit schubförmig remittierender MS im Alter von 18 bis 55 Jahren. Primärer Endpunkt war die jährliche Anzahl der Schübe im Untersuchungszeitraum, zu den sekundären Endpunkten gehörten die Progression der Behinderung, gemessen anhand der Zunahme der EDSS (Expanded Disability Status Scale), die Wirkungen auf die Hirnatrophie und MRT-basierte Veränderungen nach einem und nach 2 Jahren.
Laquinimod senkte die jährliche Schubrate signifikant von 0,39 ± 0,03 unter Placebo auf 0,30 ± 0,02 (p = 0,002). Ohne Rückfall blieben 62,9 % der Patienten unter Laquinimod und 52,2 % der Patienten unter Placebo (p < 0,001). Das Progressionsrisiko (EDSS) verringerte sich signifikant um relativ 36 % (11,1 vs. 15,7 %, Hazard Ratio 0,64 p = 0,01). Bei den MRT-basierten Endpunkten wurden Gadolinium anreichernde Läsionen durch Laquinimod um 37 % (p < 0,001), neue oder vergrößerte T2-Läsionen nach 12 und 24 Monaten um 30 % (p < 0,001) im Vergleich zu Placebo verringert. Die Hirnatrophie nahm ebenfalls signifikant ab (–0,87% vs. –1,30 %, p < 0,001). Im Verumarm stiegen Leberenzymwerte häufiger als bei Placebo (5 % vs. 2 %). Die Erhöhungen waren aber asymptomatisch und reversibel.
Fazit: Laquinimod senkt bei schubförmig remittierender MS die jährliche Schubrate im Vergleich mit Placebo statistisch signifikant. Und nach Meinung von Prof. Dr. med. Volker Limmroth, Klinikum Köln-Merheim, hat der Immunmodulator ein gutes Sicherheits- und Tolerabilitätsprofil. Aber – so problematisch ein Vergleich verschiedener Phase-III-Studien auch sei: Die Wirksamkeit von Laquinimod bleibe hinter den Erwartungen zurück. Eine Reduktion der Schubrate von 24 % sei niedriger als bei herkömmlichen und anderen oralen Substanzen wie Fingolimod oder Fumarsäure (jeweils über 50 %). Schwer zu verstehen sei, warum die Reduktion der Schubrate weniger ausgeprägt sei als die der Erkrankungsprogression. Die Reduktion der Progression sei der „härtere“ Parameter in den klinischen MS-Studien und liege numerisch in allen Studien bisher immer hinter der Reduktion der Schubrate zurück. Direktvergleiche mit anderen oralen Substanzen müssten zeigen, wo Laquinimod seinen Platz in der Therapie finden könne. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl
Comi G, et al.: Placebo controlled trial of oral laquinimod for multiple sclerosis. NEJM 2012; 366: 1000–9. MEDLINE
*Assessment of oral Laquinimod in preventing progression in multiple sclerosis
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