Den Herausgeber, Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, haben immer Geschichten von Menschen interessiert, wohl deshalb sei er Psychiater geworden. Er hofft, auch andere seien begierig, Geschichten zu lesen, und lassen sich so für diesen faszinierenden Beruf interessieren. Er könnte recht haben.
Der älteste der 30 hier erzählenden Psychiater ist 86 Jahre alt und ein namhafter Wissenschaftler, die jüngste, Medizinstudentin im praktischen Jahr, ist 24, und promoviert über die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Dazwischen liegt die ganze Spannbreite des Berufs – niedergelassen oder Klinikchef, Assistenzärztin im Versorgungskrankenhaus oder Wissenschaftler – und der Berufs- und Lebenserfahrung. Die rundum sympathischen Erzähler sind durch das Vorbild eines (akademischen) Lehrers oder, auffallend häufig, durch prägende Erfahrungen mit Patienten zu ihrem Beruf gekommen und finden darin ihre Erfüllung, trotz realistischer Einschätzung ihrer Möglichkeiten: „Der Psychiater geht nicht morgens aus dem Haus und rettet am laufenden Band und auf heldenhafte Art und Weise Leben, aber er kehrt abends mit dem Gefühl heim, das Leben einiger Menschen wieder lebenswerter gemacht zu haben. Und das ist etwas Wundervolles.“
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Neben der Reflexion des eigenen Verhaltens spielt in mehreren der biografischen Skizzen das politische Umfeld eine Rolle. Da schildert der eine, wie man in der DDR auch ohne enge Parteibindung begrenzt Karriere machen konnte, ein anderer berichtet von den Turbulenzen nach dem Umbruch in der DDR, während Hanns Hippius die NS-Zeit thematisiert. Er studierte in der Nachkriegszeit. Über die Verbrechen an psychisch Kranken sei während seiner Ausbildung nicht geredet worden, erst später habe er erfahren, dass beeindruckende akademische Lehrer, wie Werner Villinger und Hans Bürger-Prinz, enge Beziehungen zum Nationalsozialismus pflegten. Norbert Jachertz
Frank Schneider (Hrsg.): Irgendwie kommt es anders. Psychiater erzählen. Springer, Berlin 2011, 350 Seiten, kartoniert, 39,95 Euro
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