Emil Nolde, Jungfrau, Mönch und Eiger, Bergpostkarte 1894. Foto: Nolde Stiftung
Im Kontrast zu Noldes in Norddeutschland entstandenen dunkelblauen, rotbraunen und grünen Landschaftsbildern kennzeichnen helle Farbtöne die Bilder aus der Bergwelt.
Emil Nolde, als Emil Hansen am 7. August 1867 im Dorf Nolde geboren, zählt nicht nur zu den bedeutendsten deutschen Malern des Expressionismus, er hat sich auch als Schriftsteller und Autobiograf, als Zeichen- und Gewerbelehrer, als Grafiker und Illustrator einen Namen gemacht. Seine vier autobiografischen Lebensberichte und Skizzen verdeutlichen, wie ihn seine Heimat, das norddeutsche Marschland, prägte, aber auch seine abwechslungsreichen Stationen in den schweizerischen Bergen und vor allem seine Südseereise. Impressionen bei Sonnenaufgang, Gewitterstimmungen und auch fast dämonisch-intensiv erscheinende Wechsellagen rund um sein Bauernhaus bei Seebüll an der Nordseeküste fing er in Öl- und Aquarellfarben ein. Davon zeugen Gemälde von Landschaften in der Marsch, Südseestränden, Blumenbilder und Porträts.
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Obwohl Nolde nie ein Tagebuch führte, hat er doch seine Kindheits- und Jugendjahre fast minutiös in Worte gefasst, ursprünglich nicht zur Publikation bestimmt, dennoch bereits 1881 im ersten Nolde-Band als „Das eigene Leben“ veröffentlicht. Dort wird eine Symbiose von schriftstellerischer Beobachtung und künstlerischem Schaffen sichtbar. Nolde-Biografen berichteten, er habe wie im Arbeitsrausch „bis zur Ekstase“ gemalt. Von 1892 bis 1898 wohnte er in Sankt Gallen. Seine Aufgabe ab Januar 1892: gewerbliche Entwürfe für die Handwerker der Stadt anzufertigen, dazu das Unterrichten im farbigen und ornamentalen Zeichnen. Nur im Ornamentalen suchte er „tastend“ nach seinem eigenen Gepräge. Noch unter E. Hansen verfasste er allerlei Geschichten. In seinem Schweizer Refugium entstanden ab 1894 seine „Bergpostkarten“, 30 kleinformatige Werke, in denen er dem Gebirgsgestein und den Viertausendern der Alpen märchenhaft-menschliche Züge verlieh. Die Veröffentlichung seiner Bergpostkarten bringen Nolde finanziellen Erfolg und damit die Grundlage, den ungeliebten Beruf als Gewerbelehrer aufzugeben. Diese werden nun in einer Ausstellung in Seebüll im Nolde-Museum erneut gezeigt.
In den Zwanziger- und Dreißigerjahren folgten immer wieder Urlaube und Klettertouren in der Schweiz und in Österreich, und noch 1948 unternahm Nolde seine Hochzeitsreise (zweite Ehe) in die Eidgenossenschaft. Zu den „Ungemalten Bildern“ – zwischen 1938 und 1945 während des nationalsozialistischen Malverbots geschaffen – zählen Bergmotive und Naturlandschaften. So sehr die in seiner norddeutschen Heimat entstandenen Gemälde von einer direkten Umsetzung der Eindrücke in der Natur zeugen, sind seine mehr als 1 300 Aquarelle und Ölbilder in der Periode seines Malverbots eher Traum- und Sehnsuchtsbilder.
Seine im Verborgenen gemalten Bergmotive sind zum Teil freie Erfindungen. Die Momenteindrücke, in grellen, eindringlichen Farben festgehalten, sind tatsächliche oder nur schemenhafte, flüchtige Beobachtungen. Als Maler hat er für seine Beobachtungen eine erprobte Methode: „Eine zwölftel Sekunde genügt, ein Objekt mit dem Auge zu erfassen.“ Und wenn er Menschen nur halb ansehe, würden sie für ihn einfacher und größer, dramatischer in Öl und Farbe zu porträtieren sein. Im Kontrast zu seinen in Norddeutschland gemalten dunkelblauen, dramatisch rotbraunen und grünen Landschaftsbildern, Porträts und Blumenstillleben kennzeichnen helle, leuchtende Farbtöne seine Bilder aus der Bergwelt. Obwohl Natur- und Winterlandschaften überwiegen, zeigen sie auch fast surrealistisch erscheinende Motive, wie etwa „Klatschmohn, Vorberglandschaft“ und „Blaue Bergspitze über weißen Wolken“.
Die 56. Jahresausstellung „Emil Nolde: Der Maler zwischen Seebüll und Berlin“ ist bis 2. Dezember in der Nolde-Stiftung Seebüll zu sehen. Informationen: www.nolde-stiftung.de.
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