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MEDIZIN: Diskussion

Begriff zeigt die Schwere der Erschöpfung

Term Indicates Severity of Exhaustion

Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 338; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0338a

Breitenbürger, Wilhelm

Modebegriff hin oder her, die Menschen im Lande sind zunehmend erschöpft und auch die Ärzte selbst. Dass Forschungsbedarf besteht hinsichtlich Klassifikation, Diagnostik und Therapie sowie wissenschaftlicher Begründung, ist auch für mich klar. Ich möchte jedoch weiterhin diese Diagnose für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gebrauchen. Ich sehe das pragmatisch, drückt dieser Begriff doch die Schwere der Erschöpfung aus, wenn zum Beispiel ein Patient nach vier Wochen Arbeitsunfähigkeit immer noch in gleicher Weise erschöpft ist, die Traurigkeit nicht das Primäre ist und die vorausgehende Arbeitsbelastung enorm war.

Nach Farber sei es heute der selbst gemachte Druck, Ansprüche zu erfüllen, besser zu sein, mehr Geld haben zu wollen und so weiter. Sie erwähnen dazu sechs innere Faktoren der Persönlichkeit.

Bei den 22 von den Autoren genannten äußeren Faktoren, die wesentlich zum Burn-out beitragen, wird mehrfach das Wort „Druck“ genannt wird. Ich sehe diesen Druck auch in der Arbeitsverdichtung, durch die Deutschland nach der Agenda 2010 wieder zum Motor in der Europäischen Union wurde. Nahezu alle Arbeitsfelder sind betroffen. Es werden richtigerweise präventive Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung empfohlen.

Um das multifaktoriell bedingte Burn-out abzuwenden, sollte die Gesundheitsförderung sehr früh einsetzen, beispielsweise Konflikttraining bereits in Schulen, Förderung der Teamfähigkeit, Entspannungstechniken, Pausen, Teilzeitarbeit, Bürokratieabbau und angemessene Bezahlung.

Bei Ärzten besteht die Verhinderung von Burn-out unter anderem in einer Veränderung des Bezahlungssystems, indem Arzt und Patient die Zeit zurückgeben wird durch die Bezahlung eben dieser Zeit. Realität ist, dass der Arzt durch fallzahlabhängige Bezahlung im ambulanten System oder über diagnoseabhängige Fallpauschalen im Krankenhaus (mit immer kürzeren Zeiten zwischen Aufnahme und Entlassung) in die Arbeitsverdichtung getrieben wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0338a

Wilhelm Breitenbürger

Berlin, wilhelm.breitenbuerger@t-online.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Kaschka WP, Korczak D, Broich K: Burnout—a fashionable diagnosis. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(46): 781–7. VOLLTEXT

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