66 Artikel im Heft, Seite 44 von 66

MEDIZIN: Diskussion

Ätiopathogenese berücksichtigen

Consider Etiopathogenesis

Dtsch Arztebl Int 2012; 109(18): 339; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0339a

Wankelmuth, Dieter

Zu Ihrem informativen Artikel möchte ich gerne als tiefenpsychologisch orientierter ärztlicher Psychotherapeut etwas ergänzen:

Es ist mir ein Anliegen, nach den Ursachen der Beschwerden („Ätiopathogenese“) eines Burn-out zu forschen. Diese Ursachen können auch im sogenannten „intrapsychischen Konflikt“ des betreffenden Menschen liegen. So habe ich in meiner Praxis immer wieder Menschen erlebt, die unbewusst Erfahrungen aus ihrer frühen Lebensgeschichte (zum Beispiel mangelnd erlebte Wertschätzung durch nahe Bezugspersonen) am Arbeitsplatz wiederholen. Aktuell kann dies dann durch übermäßigen Einsatz und überhöhte Leistungsbereitschaft – quasi in der Hoffnung, doch noch das ersehnte Lob und die Anerkennung zu bekommen – zur Erschöpfung führen.

Diese „Psychodynamik“ ist nur eine Möglichkeit von vielen anderen, die mit zum Burn-out führen können.

Warum schaut man also nicht mal nach den Ursachen für dieses selbstschädigende Verhalten – zum Beispiel in einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie?

Dann wird man bei gründlicher Anamnese und Berücksichtigung der Gefühle und des Verhaltens des Patienten in der Therapiestunde in Bezug auf den Therapeuten („Übertragung“) fündig werden. Ziele sind, gemeinsam mit dem Patienten Schlüssel zur Selbsterkenntnis zu erarbeiten. Damit gibt man ihm eine Möglichkeit zur Befreiung von alten Verhaltensmustern mit nachfolgendem Rückgang der Burn-out-Symptomatik.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0339a

Dr. med. Dieter Wankelmuth

Ostlandstraße 2

88529 Zwiefalten

wankelmuth.psychotherapie@t-online.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Kaschka WP, Korczak D, Broich K: Burnout—a fashionable diagnosis. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(46): 781–7. VOLLTEXT

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