MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Gerinnungshemmer Rivaroxaban: Effektive Sekundärprophylaxe der Lungenembolie
Dtsch Arztebl 2012; 109(18): A-925 / B-792 / C-786

Studien dokumentieren, dass der orale Gerinnungshemmer Rivaroxaban, in fixer Dosierung verabreicht, eine effektive Option zur Therapie und Sekundärprophylaxe tiefer Venenthrombosen ist, ohne dass routinemäßige Gerinnungskontrollen erforderlich wären. Ob der Faktor-Xa-Hemmer auch bei der Therapie und Sekundärprophylaxe der Lungenembolie effektiv und sicher ist, wurde in der EINSTEIN-PE-Studie, einer randomisierten, offenen Ereignis-getriebenen Studie bei 4 832 Patienten mit akuter symptomatischer Lungenembolie mit/ohne tiefer Venenthrombose geprüft. Die Teilnehmer erhielten 15 mg Rivaroxaban zweimal täglich für 3 Wochen, gefolgt von 20 mg einmal täglich, oder eine Standardtherapie aus Enoxaparin und dosisadaptiert einem Vitamin- K-Antagonisten zur Sekundärprophylaxe für je 3, 6 oder 12 Monate.
Das primäre Studienziel, der Nachweis der Nichtunterlegenheit von Rivaroxaban, wurde erreicht, die Ereignisraten (symptomatische tiefe Venenthrombosen und tödliche sowie nichttödliche Lungenembolien) waren mit 2,1 % unter dem Faktor-Xa-Hemmer und 1,8 % unter der Standardtherapie nicht signifikant unterschiedlich (Hazard Ratio [HR] 1,12; 95-%-Konfidenzintervall (KI) 0,75–1,68). Klinisch relevante Blutungen traten bei 10,3 % der Rivaroxaban-Behandelten und 11,4 % unter der Standardtherapie auf (HR 0,90, 95-%-KI 0,76–1,07 p = 0,23). Signifikant seltener als im Kontrollarm waren unter Rivaroxaban jedoch schwere Blutungen (1,1 vs. 2,2 %; HR 0,49; 95-%-KI 0,31–0,79, p = 0,003).
Grafik
Rate der schweren Blutungen unter Rivaroxaban und
Standardtherapie und -prophylaxe der Lungenembolie
Fazit: Die Monotherapie mit Rivaroxaban stellt eine einfache und sichere Alternative gegenüber der Kombination aus einem niedermolekularen Heparin und einem Vitamin-K-Antagonisten bei der Behandlung von Lungenembolien dar, stellt dazu Priv.-Doz. Dr. med. Friedhelm Späh, Helios-Klinikum Krefeld, fest. Hervorzuheben ist aus seiner Sicht, dass schwere Blutungen um 50 % reduziert wurden. Wie schon beim Management tiefer Beinvenenthrombosen, der Schlaganfallprophylaxe beim Vorhofflimmern und der Therapie beim akuten Koronarsyndrom zeigt sich somit laut Späh erneut die Überlegenheit der Faktor-Xa-Hemmung gegenüber herkömmlichen Behandlungsstrategien. Christine Vetter
The EINSTEIN-PE Investigators: Oral rivaroxaban for the treatment of symptomatic pulmonary embolism. NEJM 2012; 366; 1287–97. MEDLINE
Die Studie wurde unterstützt von Bayer HealthCare und Janssen Pharmaceuticals.
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