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GELDANLAGE

Börsebius: Macht doch mal halblang!

Dtsch Arztebl 2012; 109(18): A-940 / B-808 / C-800

Sonntagabend, am 22. April: Frankreich jubelt, zwar nicht alle, aber doch gehörig viele. Die Sozialisten unter François Hollande zeigen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy in der ersten Runde der Präsidentenwahl, was eine Harke ist. Der Montagmorgen danach: Europas Börsen öffnen mit panikartigen Verlusten, die Abschläge halten den ganzen Tag über an. Der DAX endet mit einem Verlust von mehr als drei Prozent. Zu groß ist die Angst vor einem Scheitern der Sparpolitik, Befürchtungen vor einem Ende der Währungsunion, sollte Hollande obsiegen, machen schnell die Runde. Zu allem Überfluss fangen Spaniens und Italiens Refinanzierungsaktionen noch zu wackeln an, die Zinsen vornehmlich der Iberer steigen wieder beträchtlich.

Kein Wunder, dass sich der völlig verunsicherte Börsianer fragt, ob’s denn nicht eine Nummer kleiner geht. Und in der Tat sind die aktuellen Verluste im Grunde zu dramatischer Natur, aber was willst du machen, wenn bei den Akteuren die große Flatter herrscht und die Nerven einfach blankliegen.

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Selbst wenn in Frankreich Hollande gewinnt – auch der neue Präsident wird sich den rigiden Regeln der Finanzmärkte stellen müssen, und dies auch tun. Die meisten seiner Wahlkampfparolen werden in den Büchern des Vergessens stehen. Letztendlich hatte Sarkozy mindestens so wenig Lust zum Sparen wie Hollande. Vielleicht wird auch Angela Merkel insgeheim froh sein, den Polterer Sarkozy loszuwerden. Vom Typ her dürfte der nachdenkliche und teamfähige Hollande der Kanzlerin eher genehm sein, zumindest was die Arbeitsatmosphäre anbelangt. Kurzum, ein Präsident Hollande bedeutet für die Finanzmärkte noch lange kein Drama.

Und was ist mit Spanien? Das hektische Verhalten der Marktteilnehmer indiziert, dass es mit Spanien ein ähnlich schlimmes Ende nehmen könnte wie mit Griechenland. Die Zwangslage, so heißt es, sei offensichtlich. Einerseits müsste das Land noch drastischer sparen, andererseits würde genau das die Rezession verschlimmern. Lässt die spanische Regierung das Sparen sein, wäre das Vertrauen der internationalen Investoren erst recht erschüttert. Außerdem würde der spanische Bankensektor bedenklich wackeln.

So eindeutig ist das weiß Gott nicht. Klar gibt es Probleme, aber dass Spanien die Kontrolle verliert und mit mehreren Hundert Milliarden Euro „gerettet“ werden muss, sehe ich eigentlich nicht. Es wird von den Märkten übersehen, dass die spanische Staatsverschuldung beileibe nicht bedrohlich ist und schon gar keine griechischen Ausmaße erreicht. Die Schuldenquote beträgt gerade einmal 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Deutschland dagegen kommt auf eine Schuldenquote von 80 Prozent, und niemand regt sich darüber auf. Also, macht doch einfach mal halblang und bewahrt die Ruhe! Panik ist der schlechteste Ratgeber.


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