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EDITORIAL

Versorgungsumfang: Therapeuten arbeiten genug

PP 11, Ausgabe Mai 2012, Seite 193

Bühring, Petra

Der Mythos, dass Psychotherapeuten zu wenig arbeiten würden und ihrem Versorgungsauftrag nicht nachkämen, hält sich beharrlich. In den parlamentarischen Diskussionen zum Versorgungsstrukturgesetz im vergangenen Jahr wurde das vermeintliche Argument jedenfalls immer mal wieder in die Runde geworfen als eine Ursache für die langen Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz. Die Therapeuten sollten einfach mehr arbeiten, dann sei alles gut.

Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Duisburg/Essen (Wasem und Walendzik, 2010) zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung kam zwar auch damals schon zu gegenteiligen Erkenntnissen – Psychotherapeuten leisten danach im Durchschnitt 25,5 wöchentliche Therapiestunden und kommen mit Behandlungsberichten, Supervision, Sprechzeiten, Austausch mit Ärzten und anderen auf knapp 38 Arbeitsstunden. Doch außer den Psychotherapeuten schien das niemand so richtig zur Kenntnis nehmen zu wollen.

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Jetzt macht die Bundesregierung anlässlich einer Kleinen Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zu „Tätigkeitsumfängen in der vertragsärztlichen Versorgung“ auf Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aufmerksam, die man nicht übersehen kann (siehe auch Seite 202). 54 Prozent der ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten bundesweit leisteten 2010 im Durchschnitt 24 und mehr Therapiestunden pro Woche und kamen auf etwa 36 Arbeitsstunden. In den ostdeutschen Bundesländern lag der Anteil der in diesem Sinne Vollzeit arbeitenden Psychotherapeuten mit 64 bis 68 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Nur 16 Prozent der Psychotherapeuten bundesweit leisteten nach Angaben der KBV weniger als 15 Therapiestunden pro Woche.

Der Vergleich mit somatisch tätigen Ärzten ist aufschlussreich: Nur 6,5 Prozent der Psychotherapeuten behandeln weniger als ein Viertel der durchschnittlichen Fallzahl ihrer Bedarfsplanungsgruppe. Dagegen arbeiten beispielsweise 24 Prozent der Anästhesisten, 23 Prozent der Fachinternisten und 22 Prozent der Chirurgen weniger als ein Viertel ihrer Fachgruppe. Birgitt Bender, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, wirft den KVen und der Bundesregierung deshalb vor, sich nur ungenügend darum zu kümmern, ob Vertragsärzte eine Mindestzahl an Sprechstunden anbieten. Dort müsse genauer hingeschaut werden. Widerlegt ist für sie hingegen, dass Psychotherapeuten besonders häufig in Teilzeit arbeiten würden.

Die Bundesregierung verweist weiter darauf, dass die Vertragsärzte und -psychotherapeuten kaum Gebrauch von der seit 2006 bestehenden Möglichkeit einer halben Zulassung machen. Ende 2010 waren lediglich 2 800 Teilzulassungen erfasst. Einen vergleichsweise hohen Anteil daran, nämlich 1 286, weist die Arztgruppe der Psychotherapeuten auf. Das sind knapp sechs Prozent der insgesamt 21 775 Vertragspsychotherapeuten.

Aus der Stellungnahme der Bundesregierung geht auch hervor, dass hinsichtlich der anstehenden Neuregelung der Bedarfsplanungsrichtlinie daran gedacht wird, den Versorgungsumfang stärker in den Fokus zu rücken. Angesichts der Fakten können die Psychotherapeuten der Reform in diesem Punkt zumindest gelassen entgegensehen.


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