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Viagra: Was danach kommt . . .

Dtsch Arztebl 1998; 95(33): A-1933 / B-1629 / C-1525

Beske, Fritz

Der Kelch ist noch einmal vorübergegangen. Mehrkosten durch Viagra für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wurden in der Größenordnung von jährlich 15 Milliarden DM vermutet (Krimmel in DÄ 24). Der Bundesausschuß Ärzte und Krankenkassen hat einem derartigen Ausgabenboom mit seinem ablehnenden Votum zunächst einmal einen Riegel vorgeschoben. Die Betonung liegt auf "zunächst einmal"; Rechtsstreite sind angekündigt. Viagra ist nur ein erstes mahnendes Beispiel dafür, was auf uns zukommen kann. In der Pipeline pharmazeutischer Firmen befinden sich eine Reihe von neuen Wirkstoffen gegen häufige Krankheiten. Irgendwann einmal, und dies ist vielleicht gar nicht mehr so lange hin, sind solche Mittel auf dem Markt. Und hier beginnt unser Szenario.
Man stelle sich vor, irgendwo in der Welt wird ein Arzneimittel auf den Markt gebracht, das eine eindeutige und nachgewiesene, präventive oder therapeutische Wirkung bei Krebs oder auch nur bei einer Krebsform hat, zum Beispiel beim Mammakarzinom. Das Arzneimittel wird auch in Deutschland zugelassen. Es handelt sich um ein Arzneimittel, das Mitgliedern der GKV verschrieben werden kann, gleich zu welchem Preis. Die damit verbundenen Ausgaben der GKV könnten sich in einer Größenordnung bewegen, die noch oberhalb der für Viagra vermuteten Ausgaben liegt, mit dem entscheidenden Unterschied jedoch, daß nach derzeitiger Rechtslage kein Bundesausschuß die Verschreibung dieses Arzneimittels unterbinden kann. Eine Unterbindung wäre wohl auch politisch kaum durchsetzbar, abgesehen von ethischen Gesichtspunkten.
Kommt nun ein weiteres oder sogar ein drittes Arzneimittel hinzu, verschärft sich die Situation bis hin zu der Frage, ob die Mittel der GKV überhaupt ausreichen, um eine derartige Entwicklung aufzufangen. Eine Utopie?
Aus ärztlicher Sicht kann die Entwicklung neuartiger Arzneimittel gegen Krankheiten, die heute kaum oder ungenügend behandelt werden können, nur begrüßt werden. Aus Sicht der pharmazeutischen Industrie ist die Entwicklung solcher Mittel sogar eine Überlebensfrage. Was sollte sonst auch eine forschende pharmazeutische Industrie?
Wie bereiten wir uns, wie bereitet sich die GKV, wie bereitet sich die Politik auf eine solche Entwicklung vor, die nahezu unaufhaltsam ist?
Viagra ist ein Signal. Hoffentlich wird es verstanden. Fritz Beske, Kiel
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