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Künstliche Befruchtung: ICSI mit mehr Fehlbildungen

Dtsch Arztebl 2012; 109(20): A-998 / B-862 / C-854

Meyer, Rüdiger

Unter den verschiedenen Formen der künstlichen Befruchtung scheint die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) mit einer erhöhten Rate von Fehlbildungen einherzugehen. Auch der Einsatz von Clomifen zur Hyperovulation könnte bedenklich sein, er ist mit einer dreifach erhöhten Rate von Fehlbildungen assoziiert (New England Journal of Medicine 2012; doi: 10.1056/NEJMoa1008095).

Die Analyse des South Australian Birth Defects Register ist nach Auskunft von Michael Davies, Universität Adelaide, die bisher umfassendste ihrer Art. In die Studie flossen die Daten von 308 974 Kindern ein, von denen 6 163 mittels künstlicher Befruchtung gezeugt wurden. Das Register sammelt nicht nur die Daten aus den Geburtsbescheinigungen. Es fließen auch Informationen aus anderen Quellen ein, so dass alle bis zum Alter von fünf Jahren bekanntgewordenen Fehlbildungen erfasst werden.

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Als Fehlbildungen wurden auch die Zerebralparese, angeborene Stoffwechselstörungen und hämatologische Erkrankungen gezählt. Die Häufigkeit war bei den Kindern nach einer medizinisch assistierten Konzeption mit 8,3 Prozent höher als bei Kindern ohne künstliche Befruchtung (5,8 Prozent). Dies ergibt eine Odds Ratio von 1,47.

Sie sank nach Berücksichtigung zahlreicher potenzieller Einflussfaktoren (Alter der Mutter, Parität, fetales Geschlecht, Jahr der Geburt, Ethnie und Geburtsland der Mutter, Schwangerschaftsanamnese und Beruf von Mutter oder Vater) auf 1,28. Diese adjustierte Odds Ratio blieb mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,16 bis 1,41 signifikant. Dank der hohen Fallzahl konnte Davies die Daten nach der Art der künstlichen Befruchtung aufschlüsseln. In der adjustierten Analyse verlor die Assoziation mit der In-vitro-Fertilisation die statistische Signifikanz, während die Rate der Fehlbildungen nach ICSI mit 9,9 Prozent weiterhin statistisch signifikant war (adjustierte Odds Ratio 1,57; 1,30–1,90).

Davies führt diese um 57 Prozent erhöhte Rate nicht auf die Technik der ICSI zurück, bei der die Chromosomen des Spermiums mit einer Hohlnadel in die Eizelle injiziert werden. Plausibler erscheint es ihm, dass die Infertilität Ausdruck einer genetischen Prädisposition ist, zu der die Übertragung von Fehlbildungen gehört. Dafür spricht, dass eine Infertilität in der Anamnese auch dann mit einer erhöhten Rate von Fehlbildungen einherging, wenn der Kinderwunsch am Ende doch ohne künstliche Befruchtung in Erfüllung ging. Rüdiger Meyer

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