SPEKTRUM: Leserbriefe
Osttürkei: Die Türkei ist keine Bananenrepublik
Dtsch Arztebl 1998; 95(33): A-1944 / B-1640 / C-1534
Zu dem Beitrag "Medizin unter Kriegsbedingungen" von Angelika Claussen in Heft 21/1998:


. . . Ich weiß natürlich nicht, wie oft Frau Claussen in der Region war, aber ich bin dort geboren und
groß geworden. Die Verfasserin schreibt von Ambulanzen, die wegen Personalmangels geschlossen werden
mußten, weil angeblich die Ärzte und das Pflegepersonal die Region verlassen haben, da sie wegen Behandlung
von PKK-Angehörigen unter Druck gesetzt wurden. Von den Ärzten und dem Personal, das von der PKK
ermordet worden ist, ist hier keine Rede, davon, daß man als Beamter (Ärzte und Pflegepersonal sind direkt
Beamte) nachts nicht umherfahren oder ausgehen kann, auch nicht. Ich wollte als Arzt auch nicht dort arbeiten,
weil Ärzte, die in dieser Region arbeiten, öfters von der PKK bedroht, entführt und ermordet werden.
Weiterhin wird hier von Ärzten berichtet, die angeblich drei Jahre ins Gefängnis gegangen sind, weil ein Patient
von ihnen Mitglied einer terroristischen Vereinigung war. Das klingt nach einem Roman von García Márquez.
Die Türkei ist aber keine Bananen-Republik und hat ihre Gesetze, Verfassung und Richter, die man respektieren
muß. Ich kenne kein Gesetz, wo so etwas steht. Die Aussage, daß Diyarbakir als heimliche Hauptstadt
Kurdistans gelte, widerspricht der Geschichte . . .
Dr. Ahmet Akinci, Medizinische Klinik III der Justus-Liebig-Universität Gießen, Rodthohl 6, 35392 Gießen
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