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BRIEFE

Gesundheitswesen: Gegen den Primat des Technischen

Dtsch Arztebl 2012; 109(21): A-1092 / B-938 / C-930

Arends, Jann

Professor Maio beschreibt treffend das sich um die ärztliche Arbeit straffende Korsett struktureller Vorgaben und ökonomischer Zwänge. Er spricht mir mit jedem Wort aus der Seele. Die veränderten Prioritäten mit zunehmender Taktbeschleunigung und schrittweisem Ausgrenzen alles Subjektiven nehmen uns einen wichtigen Teil des Lohnenden an unserer Tätigkeit; die Jüngeren wachsen in eine rotierende Standard- und Dokumentationsmaschine. Wir erleben am eigenen Leib einen Paradigmenwechsel, der das objektiv Messbare ins Zentrum stellt und alles Nichterfasste missachtet.

Es bleibt zu fragen, wie wir dem entgegenwirken können. Die Kommerzialisierung der Kliniken wird als gesellschaftlicher Fortschritt gesehen. Und tatsächlich wäre es wenig einleuchtend, wenn nur den Ärzten ein Vertrauensvorschuss zu gewähren wäre. Wir alle wünschen uns für sicherheitsrelevante Bereiche, wie Flugsicherheit oder Kernkrafttechnik, eine kontrollierte hohe Ablaufqualität. Weshalb sollte die Gesellschaft dies nicht von der Medizin fordern?

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Der wesentliche Punkt scheint mir, dass nicht die Kontrolle an sich in die falsche Richtung führt, sondern die Auswahl der Kontrollparameter. Der vor unseren Augen ablaufende Film zeigt in der Ökonomisierung ein Primat des rein technisch Machbaren. Die Entgeltung ärztlicher Tätigkeit fußt auf einer fein gegliederten Erfassung technischer Manipulationen, während jahrtausendealte Inhalte des ärztlichen „Heilens“ – kommunikative Qualität, menschliche Beziehung, Fürsorge – nicht erfasst werden und damit als wert-los eingestuft werden. Das Arztsein wird hierdurch gespalten in eine wertvolle technisch-manipulative und in eine wert-lose subjektiv-fürsorgliche Komponente. Dies nicht zu korrigieren, wäre ein historisches Versäumnis.

Es bedarf neuer Konzepte, um dem Primat des Technischen entgegenzutreten. Der Begriff des Ökonomischen muss erweitert werden um die Erfassung und den Anspruch auf Vergütung von klassisch ärztlichen Tätigkeiten.

Literatur beim Verfasser

Dr. med. Jann Arends, Klinik für Tumorbiologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg,
79106 Freiburg


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