MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Schlaganfall: Prognose ist mit einfachem Zeichentest vorhersagbar
Dtsch Arztebl 2012; 109(21): A-1089 / B-935 / C-927

Modelle für die Vorhersage der Mortalität und der zu erwartenden Einschränkungen nach Schlaganfall sollen helfen, Faktoren für ein erhöhtes Apoplexrisiko und ein schlechtes Outcome nach Schlaganfall zu identifizieren. So sind ein hohes Alter und Herzerkrankungen mit erhöhter Mortalität und Morbidität assoziiert. Die Fragestellung einer schwedischen populationsbasierten Kohortenstudie war, ob kognitive Einschränkungen einen Vorhersagewert für das Überleben eines Schlaganfalls haben.
Basis für die Analyse waren Daten von 919 Männern (65 bis 75 Jahre), die im Rahmen der Uppsala Longitudinal Study of Adult Men einen Test zur kognitiven Leistung (Trail-Making-Test, TMT) absolviert hatten. Dabei müssen so schnell wie möglich Punkte mit Strichen verbunden werden: Beim TMT-A sind es Zahlen in aufsteigender Folge, beim schwierigeren TMT-B sind es alternierend Zahlen und Buchstaben in aufsteigender Folge. 155 Teilnehmer haben im Verlauf von 14 Jahren eine transiente ischämische Attacke (TIA) oder einen Schlaganfall erlitten, 84 sind in den ersten zweieinhalb Jahren nach Schlaganfall gestorben. Bei 22 Teilnehmern trat der Tod innerhalb eines Monats ein. Dies legt einen Zusammenhang mit dem Hirninfarkt nahe.
Die Forscher fanden eine Korrelation zwischen dem Ergebnis in den beiden Tests, die Jahre vor dem Schlaganfall erfolgt waren, und der Überlebensrate nach Insult. Das Drittel der Teilnehmer mit den schlechtesten Ergebnissen (unteres Tertil) hatte ein dreifach erhöhtes Sterberisiko (Hazard Ratio 2,90 für TMT A und 3,53 für TMT B, beides hochsignifikant). Die Zeichentests waren dem Standard Mini-Mental Health Examination in der Vorhersagekraft überlegen.
Die Erklärung für die schlechtere Prognose dürfte in den Vorschädigungen des Gehirns liegen, die häufig Ursache von kognitiven Störungen im Alter sind. Nach einem ischämischen Schlaganfall stehen den Patienten dann weniger Reserven zur Verfügung als Patienten mit erhaltenen kognitiven Fähigkeiten.
Fazit: Mit einem einfachen Zeichentest auf kognitive Funktionen lässt sich die Prognose nach einem Schlaganfall vorhersagen. Dies sei, so die Autoren, für die Identifikation individueller Risiken nützlich, aber auch für den Umgang mit Patienten und ihren Angehörigen nach Schlaganfall. Rüdiger Meyer
Wiberg B, Kilander L, Sundström J, Byberg L, Lind L: The relationship between executive dysfunction and post-stroke mortality: a population-based cohort study. BMJ Open 2; 2012: e000458 doi: 10.1136/bmjopen-2011-000458.
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