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GELDANLAGE

Börsebius: Wer quatscht denn da vom Sparen?

Dtsch Arztebl 2012; 109(21): A-1108 / B-952 / C-944

Von der schwäbischen Hausfrau, die ja bekanntlich einen Igel in der Tasche hat, lässt sich das Sparen füglich lernen – diese Symbolfigur hat Angela Merkel verbal oft genug unters Volk gebracht. Überall muss just diese sparsame Schwäbin als Sinnbild für das Bild der Deutschen in Europa und der Welt herhalten. Die Germanen gehen sparsam mit Geld um, sind dabei aber in ihrem finanzpolitischen Denken hinterwäldlerisch und den Forderungen der modernen Volkswirtschaftslehre (Keynes, Deficit Spending) völlig abhold.

Das Monster Deutschland, so das laute Geschrei allerorten, bringe Euroland mit seiner Sparwut unter seine Knute, und alle litten darunter. Dabei seien doch eher Wachstumsprogramme die Lösung aus der Krise, und die Sozialdemokratie jubelt laut, derweil der arme konservative Norbert Röttgen die Welt nicht mehr versteht. Er habe doch so hehre Ziele verfolgt, eine überbordend weiter Schulden machende Landesregierung zu verhindern, aber wo halt „leider“ (Röttgen) der Wähler entscheidet, kann man halt nichts machen. Aber bitte schön, wenn der Souverän, das Wahlvolk das nicht haben will, muss es eben dem Niedergang ins Auge sehen. Bei den Konservativen hätte die Sparkarte voll gezogen, wäre er nur an die Macht gekommen.

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Wie bitte? Wer quatscht denn da vom Sparen? Dass sich hier und in Euroland irgendjemand kaputtspart, ist eine Plattitüde, die auch nicht dadurch wahrer wird, dass sie von Politikern, Wissenschaftlern und auch Journalisten ständig wiederholt wird. In Wirklichkeit wird in der Eurozone nirgends gespart (einzige Ausnahme ist das Baltikum). Der Begriff „Sparen“ ist nur dann erlaubt, wenn die Nettokreditaufnahme negativ ist. Selbst in Deutschland beträgt das Wachstum der zusätzlichen (!) Verschuldung immer noch ein Prozent.

Dabei gilt für den Staat (natürlich) dasselbe wie für jedes Unternehmen und jeden Haushalt: Es darf nur das ausgegeben werden, was auch eingenommen wurde. Wer dagegenspricht, ist ein Hochstapler oder ein großartiger Umverteiler zulasten seiner Kinder und Kindeskinder. Genau darum geht es bei den derzeit diskutierten Wachstumsprogrammen. Also lasst es doch einfach bleiben. Ein Hoch auf die schwäbische Hausfrau. Auf die echte.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 2. Juni 2012 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.


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