MEDIZIN: Referiert
Nicht berufsbedingtes Lungenkrebsrisiko durch Asbest überschätzt?
Dtsch Arztebl 1998; 95(33): A-1965 / B-1604 / C-1465


Der Kausalzusammenhang zwischen beruflich bedingter Asbestexposition und dem Auftreten von
Lungenkrebs und Pleuramesotheliom ist durch zahlreiche Untersuchungen hinlänglich belegt. Anders verhält es
sich mit der sehr viel geringeren Exposition gegenüber Asbest in der Umwelt, hier liegen keine verläßlichen
Daten hinsichtlich des Krebsrisikos vor.
Eine kanadische Aufsichtsbehörde hatte anhand der bekannten Zahlen für beruflich durch Asbestexposition
bedingte Lungenkrebse eine Berechnung der zu erwartenden Lungenkrebse durch umweltbedingte
Asbestexposition durchgeführt. Hierbei wurde ein um den Faktor 2,1 erhöhtes Risiko für diese Erkrankung in
Populationen mit erhöhter umweltbedingter Asbestexposition extrapoliert.
Eine kanadische Untersuchung konnte nun durch Überprüfung der tatsächlich eingetretenen
Lungenkrebserkrankungen in Populationen mit erhöhter umweltbedingter Asbestexposition nachweisen, daß die
errechneten Daten das tatsächliche Risiko um das Zehnfache überschätzten. Hierfür wurden Frauen in zwei
kanadischen Provinzen mit erhöhter Asbestexposition durch Asbestbergbau mit Frauen aus Provinzen ohne
erhöhte Asbestexposition verglichen. Das relative Risiko für asbestbedingten Lungenkrebs lag nur bei 1,1, für
das sehr viel seltenere Pleuramesotheliom (insgesamt sieben Fälle) bei 7,6. acc
Camus M, Siemiatycki J, Meek B: Nonoccupational exposure to chrysotile asbestosis and the risk of lung cancer.
N Engl J Med 1998; 338: 1565-71.
Dr. Camus, Institut Armand-Frappier, 531 Boul Des Prairies, Laval, QC H7V 4Z3, Kanada.
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