Antimikrobielle Wirkstoffe können Sehstörungen auslösen, wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) in einer aktuellen Stellungnahme mitteilt. „Kleinste Veränderungen am Auge haben schwere Funktionsstörungen zur Folge“, erläutert Prof. Dr. med. Klaus-Peter Steuhl, Präsident der DOG aus Essen. Nebenwirkungen von Arzneimitteln am Auge entwickelten sich jedoch oft langsam, warnt der Ophthalmologe. Die Patienten sprechen deshalb den Arzt erst spät darauf an.
„Viele von ihnen können keine genaueren Angaben machen, da sie auf der Intensivstation behandelt werden oder ihnen die notwendigen Informationen über derartige Medikamente fehlen“, sagt Steuhl. Um Schäden zu vermeiden, müsste das medizinische Personal auf Sehstörungen achten und gezielt danach fragen. Bei einigen Medikamenten rät er zu routinemäßigen augenärztlichen Untersuchungen. Sehr häufig treten Sehstörungen bei der Behandlung von Pilzinfektionen mit Voriconazol auf, schildert Dr. med. Matthias Huber vom Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Dtsch Med Wochenschr. 2012; 137[3]: 85–9). Diese können verschwommenes Sehen, Störungen des Farbensehens oder Scheu vor Licht umfassen. Die Störungen gehen meist innerhalb von einer Stunde zurück. Sind sie sehr ausgeprägt oder halten länger an, rät Huber zu einer augenärztlichen Untersuchung. Eine mögliche Ursache seien hohe Medikamentenspiegel im Blut.
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Auch die Behandlung bakterieller Infektionen birgt das Risiko von Sehstörungen. Das für Atemwegsinfektionen indizierte Antibiotikum Telithromycin beispielsweise kann die Motorik der Augen stören. Dadurch verzögert sich mitunter der Wechsel von Fern- auf Nahsicht, oder es entstehen Doppelbilder. Auch wenn sich die Beschwerden während oder nach Ende der Therapie zurückbilden, rät Huber zu einer augenärztlichen Kontrolle, um andere Ursachen auszuschließen.
Das Antibiotikum Linezolid wiederum kann dauerhafte Schäden des Sehnervs verursachen – bis hin zum Verlust des Sehvermögens. Dieses Antibiotikum kommt bei Infektionen durch Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus zum Einsatz. Vor allem bei längerer Therapiedauer könne es zur Neuropathie kommen. Insofern seien Nebenwirkungen am Auge – zum Beispiel auch im Rahmen der Tuberkulosetherapie – frühzeitig in die Therapieplanung einzubeziehen. Augenärztliche Kontrollen seien möglichst vorab zu planen. EB
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