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KULTUR

Auf den Spuren von Dichtern und Musikern: Oslo lächelt wieder

Dtsch Arztebl 2012; 109(24): A-1250 / B-1074

Schiller, Bernd

Die weißmarmorne Oper, einem Eisberg nachempfunden, ist der Auftakt zu einer Kunstmeile auf allerhöchstem Niveau. Foto: Bernd Schiller

Norwegens Hauptstadt überrascht mit spannender Architektur und neuen Kulturtempeln.

Nordische Hauptstadt mit vier Buchstaben? Nicht schwer zu raten. Wie aber muss man sich die Stadt vorstellen, die viele nur aus dem Kreuzworträtsel kennen? Ein bisschen wie Stockholm – viel Wasser, viel Wald ringsherum? Na ja, aber dann doch wieder ganz anders. Wie das Paris des Nordens – viel Kultur, viel Prunk? Ganz kalt. Es hat schon Kollegen gegeben, denen Norwegens Hauptstadt „wie eine Mischung aus Kopenhagen und Venedig“ vorgekommen ist. Noch mehr daneben geht gar nicht.

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Oslo also, die Stadt mit vier Buchstaben, die Unbekannte, die im letzten Sommer in ein grelles Scheinwerferlicht geriet, als ein rechtsradikaler Einzelgänger eine Bombe im Stadtzentrum zündete und anschließend 70 junge Menschen auf einer Ferieninsel vor der Metropole erschoss. Die Wunden sind kaum vernarbt, der Schmerz wird noch lange anhalten. Aber die Schockstarre hat sich gelöst, die Stadt beginnt wieder zu lächeln.

Rot und weiß zieht sich Oslo am Fjord entlang. Foto: mauritius images

Da unten liegt sie uns zu Füßen. Rot und weiß zieht sie sich am Fjord entlang, glitzert, blinkt, schimmert. Ein großes Dorf in einer traumschönen Nordlandschaft. So wirkt Oslo an einem sonnigen Tag von der Terrasse des altehrwürdigen Holmenkollen-Hotels aus. Und sonst? Eine überschaubare City, mit einem Schloss an einem Ende und einem Parlament am anderen, das nur mit Bürgerstolz prunkt und mit nichts sonst. Verbunden allerdings sind Monarch und Volk durch einen Boulevard, den man gut und gern prächtig nennen darf. Das ist die Karl Johans Gate, die Straße, an und auf der ganz viel an Henrik Ibsen erinnert.

Ein Moralist war der große Dramatiker, ein Naturalist, vielleicht sogar ein „Feminist“, so wie er sich für die Frauen eingesetzt hat. Und auch ein Pedant? Jedenfalls hatte Ibsen seine festen Gewohnheiten: Jeden Tag spazierte er um die Mittagszeit über die Karl Johan zum Grand Café, wo ein Tisch für ihn reserviert war, den die Kellner dort noch heute, mehr als 100 Jahre später, nur zu gern zeigen. Oslo ist jung und fast so locker wie Kopenhagen. Ein paar Minuten mit der „Trikk“, der Straßenbahn, ins neue Kultviertel Grünerløkka. Dort picknicken im kurzen Sommer fast jeden Tag ein paar Hundert Leute auf dem Rasen am Birkelundplatz, lassen den Bierbecher kreisen und tanzen spontan zu den Rhythmen einer Dixieland-Band. Auch der Ekeberg ist ein beliebter Treff der jungen Szene. Dort oben, wo der Maler Edvard Munch seine Inspiration zum weltberühmten „Schrei“ bekommen haben soll, erholt man sich, trinkt, isst und schaut hin und wieder Musik-events auf Großbildschirmen an.

Wer unkompliziert von einer Sehenswürdigkeit zur anderen kommen will, etwa vom Munch-Museum im Grünen zum neuen Opernhaus, nutzt das Fahrrad: An mehr als 100 Leihstationen stehen „Bysykkel“, komfortable Stadträder, bereit. Zu Oslos neuer Lebensart gehört das Hafenviertel. Es öffnet die Stadt zum Wasser hin und letztlich zur großen Welt der Kunst und Architektur. Die weißmarmorne Oper, einem Eisberg nachempfunden, ist nur der Auftakt zu einer Kunstmeile auf allerhöchstem Niveau. Dort entstehen ein neues Munch-Museum, ein weiteres Museum für Moderne Kunst, Galerien. Norwegen ist wohlhabend, ein großer Teil der Öl-Milliarden fließt in Bildung, Wissenschaft und Kunst.

Aber niemand in Oslo fürchtet, dass die kleine Hauptstadt irgendwann abheben wird, sich womöglich doch noch mit Paris oder Venedig vergleichen will. Man liebt es gelassen – aber es darf auch überraschend sein. Wer hätte zum Beispiel vermutet, dass es in Oslo ein Miniaturflaschenmuseum gibt? Und ein Kinderkunstmuseum?

Bernd Schiller

Informationen: www.visitnorway.de


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