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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Temporallappenepilepsie: Eine frühe Operation scheint vorteilhaft zu sein

Dtsch Arztebl 2012; 109(24): A-1238 / B-1063 / C-1054

Gulden, Josef

Eine Operation ist bei therapieresistenten epileptischen Anfällen häufig erfolgreich. Dennoch wird sie meist erst nach vielen Jahren des Wartens erwogen, wenn sich der Zustand des Patienten bereits irreversibel verschlechtert hat. In der US-amerikanischen ERSET-Studie (Early Randomized Surgical Epilepsy Trial) wurden Patienten mit mesialer Temporallappenepilepsie (MTLE), die nicht länger als zwei Jahre an stark behindernden Anfällen gelitten hatten und bei denen zwei Versuche mit Antikonvulsiva erfolglos gewesen waren, randomisiert, entweder weiter Medikamente zu erhalten oder sich zusätzlich einer anteromedialen Temporallappenresektion zu unterziehen. Obwohl die Studie wegen schleppender Rekrutierung bereits nach Einschluss von 38 statt der geplanten 200 Patienten geschlossen wurde, sind die Ergebnisse bemerkenswert.

Primärer Endpunkt war ein Ende behindernder Anfälle im zweiten Jahr nach Studienbeginn. Das erreichte in der Medikamentengruppe keiner der 23, in der chirurgischen Gruppe hingegen elf der 15 operierten Patienten (Odds Ratio ∞; 95-%-Konfidenzintervall 11,8–∞; p < 0,001). Auch bei der Veränderung des Quality of Life in Epilepsy 89 overall T-Score (QOLIE-89), war die Operation überlegen; signifikant war der Unterschied, wenn man die 7 Patienten der Medikamentengruppe, die später doch operiert worden waren, ausschloss (12,8 versus 2,8 Punkte; p = 0,01). Bei 4 Patienten in der OP-Gruppe trat Gedächtnisverlust auf, wegen der kleinen Zahlen aber waren die Unterschiede zwischen beiden Armen nicht statistisch signifikant. In der OP-Gruppe traten außerdem bei einem Patienten vorübergehend neurologische Defizite nach einem (MRT-gesicherten) postoperativen Schlaganfall auf und in der Medikamentengruppe drei Episoden von Status epilepticus.

Grafik
Quality-of-Life (QOLIE-89) von Patienten mit Temporallappenepilepsie unter medikamentöser und chirurgischer Therapie

Fazit: In einer prospektiven randomisierten Studie bei Patienten mit pharmakoresistenter Temporallappenepilepsie besserten sich Anfallsgeschehen und Lebensqualität durch chirurgische Intervention. „Es sollte endlich zu einem Umdenken unter Deutschlands Neurologen kommen, die in der Mehrheit immer noch zu nachlässig mit einem Problem umgeht, das man vielfach früher und vor allem ursachenorientiert lösen könnte“, kommentiert Prof. Dr. med. Bernhard Steinhoff, Leiter des Epilepsiezentrums in Kehl-Kork. Bereits 2001 sei in einer randomisierten Studie (NEJM 2001; 345: 311) bei therapieresistenter Temporallappenepilepsie belegt worden, dass die Chirurgie hier keine Alternative, sondern die Methode der Wahl sei. So stehe es auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: „Sie stellen klar, dass man bei sich abzeichnender Pharmakoresistenz frühzeitig an Epilepsiechirurgie denken und Patienten an ein spezialisiertes Zentrum überweisen sollte“, sagt Steinhoff. Josef Gulden

Engel J, et al.: Early surgical therapy for drug-resistant temporal lobe epilepsy. A randomized trial. JAMA 2012; 307: 922–30. MEDLINE


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