GELDANLAGE
Börsebius: Das Facebook-Drama
Dtsch Arztebl 2012; 109(24): A-1257 / B-1081 / C-1065

Normalerweise sind Flitterwöchner spendable Leute. Der Himmel hängt ja dann voller Geigen, und in diesem wonnigen Gemütszustand sitzt das Portemonnaie lockerer als sonst. Aber selbst in Italien gilt das allerdings nicht immer, wie dieser Tage ein römischer Kellner verblüfft feststellen musste. Da saß doch tatsächlich ein Brautpaar in seiner Trattoria und legte auf die eh mickrige Zeche von 32 Euro keinen Cent Trinkgeld drauf. Frust pur also für den servilen Menschen.
Dem enttäuschten Cameriere des „Nonna Betta“ hätte vielleicht jemand sagen müssen, dass der männliche Teil des Paares eben mal um 4,6 Milliarden Dollar ärmer geworden ist, was ja selbst in Euro gerechnet immer noch eine ordentliche Schippe ist. Sie ahnen es schon, das glückliche Brautpaar war niemand anderes als der Chef von Facebook, Mark Zuckerberg, nebst seiner frisch angetrauten Priscilla.
Während die beiden also auf der Hochzeitsreise turtelten, fegte ein Sturm der Entrüstung über die Finanzmärkte. Einer der größten Börsengänge aller Zeiten entwickelte sich zum Desaster. Vor gut vier Wochen ging das Social-Network-Unternehmen Facebook an die Börse, und das mit einer fulminanten wie auch größenwahnsinnigen Bewertung von 104 Milliarden US-Dollar. Alle einte die Gier, am Ende des Tages reicher zu sein als vorher. Dass kurz vor dem Börsengang neue, schlechtere Zahlen über Facecook in kleiner, geheimer Runde herumgereicht wurden, störte zunächst niemanden.
Erst führte eine dilettantische technische Abwicklung zu Problemen bei der (verspäteten) Kursfeststellung, dann trennten sich große Adressen bereits in den ersten Stunden massenweise von ihren Facebook-Beständen. Von Anfang an ging es bergab. Bereits nach zwei Wochen touchierte die Aktie die Marke von 30 Dollar und bescherte den Zeichnern bisher einen doch recht happigen Verlust von knapp 30 Prozent. Das Ende der Fahnenstange ist, glaube ich, auch noch lange nicht erreicht, dazu ist das Geschäftsmodell von Facebook nicht ausgereift genug. Für meinen Geschmack wäre die Aktie selbst bei 20 Dollar noch zu teuer.
Das größte Problem für die deutschen Anleger war die Tatsache, dass sie gar keine Aktien zeichnen konnten, sondern sich am ersten Handelstag zu 42 Euro eindecken mussten. Diese Anleger wurden dann von den schlaueren, weil besser informierten, professionellen Marktteilnehmern abrasiert. Es sei denn, sie trauten dem ganzen hysterischen Hype nicht. Börsebius schrieb vor gut drei Monaten an dieser Stelle (DÄ, Heft 7/2012) über den Zocker Zuckerberg: „Ob das Going-public für das schmachtende Publikum zum Erfolg wird, muss mit riesengroßen Fragezeichen versehen werden.“ Wohl wahr.
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