MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nierentransplantation: Induktion mit mesenchymalen Stammzellen erfolgreich

Dtsch Arztebl 2012; 109(24): A-1239 / B-1064 / C-1055

Siegmund-Schultze, Nicola

Bei Organtransplantationen sollen frühe Immunreaktionen durch eine Induktionstherapie unterdrückt werden. Antithymozytenglobulin (ATG) zur Depletion von T-Zellen, Antikörper gegen Interleukin-2 (IL-2) und Calcineurininhibitoren (CNI) zur Hemmung der Zytokinsynthese werden dazu verabreicht. Allerdings sind die Therapien mit einem erhöhten Risiko für Infektionen assoziiert und CNI mit Nephrotoxizität.

Vor wenigen Jahren sind immunmodulatorische Eigenschaften von mesenchymalen Stammzellen (MSC) beschrieben worden: Sie inhibieren die T-Zell-Proliferation und regulieren die Funktion von natürlichen Killer- und B-Zellen herunter (1). Nun ist in einer prospektiven randomisierten Studie untersucht worden, ob autologe MSC ein schonender Ersatz für Anti-IL-2-Antikörper (Basiliximab) in der Induktionstherapie sein können (2).

159 Erwachsene mit terminaler Niereninsuffizienz, die einen blutsverwandten Lebendspender hatten, sind auf drei Studienarme verteilt worden. Die Gruppen A und B erhielten autologe MSC: unmittelbar nach Implantation der Niere vor Öffnen der großen Blutgefäße, und ein weiteres Mal zwei Wochen nach Operation. Die MSC stammten aus Knochenmarkaspiraten der Empfänger und wurden in einer Konzentration von 1 bis 2 x 106/kg Körpergewicht verabreicht. Gruppe B erhielt 80 % der Ciclosporin-Standarddosis von Gruppe A. Kontrollpatienten (Gruppe C) bekamen statt MSC Basiliximab. Die Erhaltungstherapie war für alle vergleichbar.

Patienten-, Transplantatüberleben und die Rate akuter Rejektionen unterschieden sich 12 Monate postoperativ zwischen den MSC-behandelten Gruppen und dem Kontrollarm nicht statistisch signifikant. Allerdings gab es in den Gruppen A und B keine steroidresistenten Abstoßungen, während im Kontrollarm 4 Patienten ATG zur Rejektionstherapie benötigten. Die Nierenfunktion besserte sich im ersten postoperativen Monat in den MSC-Gruppen rascher als im Kontrollarm, für Gruppe A war die Differenz auch nach einem Jahr statistisch signifikant, ebenso die Rate opportunistischer Infektionen: In den MSC-Gruppen lag sie unter der des Kontrollarms (Hazard Ratio 0,42; 95-%-KI 0,2–0,85; p = 0,02). Unerwünschte Effekte der MSC gab es nicht (30-Monats-Daten).

Grafik
Mesenchymale Stammzellen oder Anti-IL-2-Antikörper zur Verhinderung früher Immunreaktionen nach Nierentransplantation

Fazit: In einer randomisierten Studie mit Empfängern lebend gespendeter Nieren resultierte der Ersatz von Anti-IL-2-Antikörpern durch autologe, mesenchymale Stammzellen in rascherer Erholung der Nierenfunktion, geringeren Raten steroidresistenter Abstoßungen und weniger opportunistischen Infekten.

„Die sehr positive Diskussion und das Fazit der Arbeit lassen sich aber nur teilweise mit den Daten in Deckung bringen“, kommentieren Priv.-Doz. Dr. med. Christian Morath und Prof. Dr. med. Martin Zeier, Universitätsklinik Heidelberg. „Die Rejektionsraten waren bei diesem Niedrig-Risiko-Kollektiv der Verwandtenlebendspende mit 26 % nach einem Jahr vergleichsweise hoch, ohne signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen, auch war die Nierenfunktion nicht in beiden MSC-Gruppen statistisch signifikant besser als bei Basiliximab, es wurden lediglich weniger opportunistische Infektionen in der Gruppe mit niedrig dosiertem Cyclosporin und Stammzelltherapie gesehen.“

Noch offen sind nach Ansicht von Morath und Zeier Fragen zur Sicherheit einer Behandlung mit Präparationen von mesenchymalen Stammzellen, besonders im Hinblick auf eine mögliche maligne Transformation: „Zellbasierte Therapien sind für den Bereich Organtransplantation eine attraktive Alternative zur konventionellen Immunsuppression, aber es ist noch ein weiter Weg bis zur sicheren klinischen Anwendung.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Nauta AJ, Fibbe WE: Immunmodulatory properties of mesenchymal stroma cells. Blood 2007; 110: 3499–506. MEDLINE
  2. Tan J, Wu W, Xu X, et al.: Induction therapy with autologous mesenchymal stem cells in living-related kidney transplants. JAMA 2012; 307: 1169–77. MEDLINE
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Mesenchymale Stammzellen oder Anti-IL-2-Antikörper zur Verhinderung früher Immunreaktionen nach Nierentransplantation

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