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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Unkomplizierte Appendizitis: Antibiotika können eine Alternative zur Operation sein

Dtsch Arztebl 2012; 109(25): A-1320 / B-1143 / C-1123

Siegmund-Schultze, Nicola

Bei akuter Appendizitis mit Hinweisen auf Perforation oder Peritonitis ist die Operation das Verfahren erster Wahl, bei unkomplizierter Appendizitis sind auch Antibiotika eine Option. Häufig wird ein entzündeter Wurmfortsatz entfernt, weil ein Progress zur Appendizitis mit Perforation befürchtet wird.

Der Stellenwert von Antibiotika bei unkomplizierter akuter Appendizitis ist in einer Metaanalyse untersucht worden. Berücksichtigt wurden 4 randomisierte Studien, in denen Effektivität und Sicherheit von Antibiotika (n = 470) mit Appendektomie (n = 430) verglichen wurden. Primärer Endpunkt war die Rate relevanter Komplikationen wie Wundinfekte, Perforation und Peritonitis. Medikamentös wurde mit Betalaktamen (Amoxicillin plus Clavulansäure oder Cefotaxim) behandelt, auch kombiniert mit einem Imidazol.

63 % der antibiotikabehandelten Patienten sprachen auf die Therapie an: Binnen eines Jahres entwickelten sich keine weiteren Symptome, oder die Entzündung wurde durch eine auf die Antibiotikatherapie folgende Appendektomie geheilt. Das relative Komplikationsrisiko lag bei Antibiotikagabe um 31 % unter dem der Appendektomie (RR 0,69; 95-%-KI 0,54–0,89; p = 0,004).

Fazit: Bei unkomplizierter akuter Appendizitis sind Antibiotikatherapie, Beobachten und Abwarten eine sinnvolle Strategie, da sie geringere Risiken birgt als die Appendektomie. Eine bei Versagen von Antibiotika verzögerte chirurgische Intervention geht nicht mit einer erhöhten Perforationsrate einher.

„Die Diagnose einer unkomplizierten Appendizitis setzt exzellente Bildgebung voraus, der klinische Befund allein reicht nicht“, kommentiert Prof. Dr. med. Joachim Mössner, Leipzig. In den analysierten Studien sei die Differenzierung von unkomplizierter und komplizierter Appendizitis mit wahrscheinlich hoher Treffsicherheit in der Abdomen-CT gelungen. Deren Nutzen müsse gegen die Strahlenbelastung bei den oft jüngeren Patienten abgewogen werden. Die Sonographie sei hilfreich, setze aber große Erfahrung voraus. Offenbleibe, ob bei nicht erkannter komplizierter Appendizitis eine primäre Antibiotikatherapie ebenfalls zu vertreten sei und wie bei Kindern verfahren werden sollte: Im Zweifel Appendektomie ohne CT? Lasse sich eine komplizierte Appendizitis sicher ausschließen, sei die primäre Antibiotikatherapie gerechtfertigt.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Varadhan K, et al.: Safety and efficacy of antibiotics compared with appendicectomy for treatment of uncomplicated acute appendicitis: meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ 2012; 344: e2156. doi: 10.1136/bmj.e2156. MEDLINE


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dorodoc
am Sonntag, 13. Januar 2013, 10:33

altbekannt

eine Antibiotikatherapie bei Appendizitis wurde bereits in den 90er Jahren in abgelegenen Busch-Gebieten Südostasiens mit Erfolg praktiziert, wenn eine Flugverbindung aus metereologischen Gründen nicht möglich war
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