MEDIZIN: Diskussion
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Dtsch Arztebl Int 2012; 109(26): 476; DOI: 10.3238/arztebl.2012.0476


Unser Beitrag (1) hat richtige und wichtige Zuschriften erhalten, für die wir dankbar sind. Wir stimmen den Kollegen Diehl und Haensch zu: Eine an den Umständen orientierte Anamnese, die körperliche Untersuchung, das 12-Kanal-EKG und der Orthostasetest gehören zur Basisdiagnostik, wie sie von den Leitlinien gefordert wird. Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass davon in der klinischen Routine häufig abgewichen wird. Unsere Analyse zeigte jedoch auch, dass viele Synkopenpatienten klinisch relevante Elektrolytstörungen (zum Beispiel Hyponatriämie) oder ein Nierenversagen aufweisen. Deshalb sollte die Basisdiagnostik für Patienten in der Notaufnahme um eine standardisierte Laboruntersuchung erweitert werden. Ein weiteres Ergebnis unserer Arbeit war die Warnung, vasovagale Synkopen grundsätzlich als „benigne“ zu betrachten, wie es Teile der epidemiologischen Literatur suggerieren. Denn betroffene Patienten weisen häufig relevante Komorbiditäten auf, die auch beim Vorliegen einer vasovagalen Synkope mit negativen Endpunkten assoziiert sein können.
Wenn die durchgeführte Basisdiagnostik nicht zielführend war, nehmen auch wir in der klinischen Praxis eine Kipptischuntersuchung vor: In unserer Analyse von 440 Patienten (1) wurden sieben mit dem Kipptisch untersucht. Zwei Patienten zeigten dabei einen pathologischen Befund. Eine Karotissinusmassage führen wir in der erweiterten Synkopendiagnostik nicht durch, weil der kausale Zusammenhang zwischen einem hypersensitiven Karotissinus und einer durchgemachten Synkope oft fraglich bleibt und abhängig vom Patientenalter ist (2). Wir haben diese beiden Informationen aufgrund der notwendigen Straffung des Manuskripts nicht berichtet. Betonen möchten wir an dieser Stelle, dass die Risikostratifizierung von Synkopenpatienten in der Notaufnahme einen höheren Stellenwert einnehmen sollte und eine korrekte Kategorisierung der Art der Synkope zumindest bei erstmaliger Vorstellung wegen einer Synkope in der Notaufnahme von untergeordneter klinischer Bedeutung scheint. Die Risikostratifizierung umfasst die Einteilung in „abklärungsbedürftige“ und in „nichtabklärungsbedürftige“ Synkopen, wobei letztere im weiteren Verlauf keine unerwünschten Endpunkte zu erwarten haben. Dies muss in einer Notaufnahme bei jedem Patienten unabhängig von der Art der Synkope erfolgen.
Wir bedanken uns insbesondere für die Richtigstellung der verwendeten Kategorien von Synkopen in unserem Manuskript, die möglicherweise zur Verwirrung beigetragen hat. Wir haben uns bei unserer Nomenklatur und Systematisierung an Originalarbeiten orientiert, die diese Thematik sehr heterogen angegangen sind. Außerdem weist die Leitlinie zur Synkopenabklärung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (3), die ohne die Beteiligung kardiologischer oder notfallmedizinischer Fachvertreter erstellt wurde, im Detail diskrepante Inhalte zur Leitlinie der Europäischen Kardiologengesellschaft auf (4). Letztere wurden erst nach Konzeption und Analyse des vorgestellten Projektes publiziert. Unseren künftigen Arbeiten wollen wir die Empfehlungen der Europäischen Kardiologengesellschaft zur Synkopenklassifizierung zugrunde legen.
DOI: 10.3238/arztebl.2012.0476
Sebastian Güldner
Prof. Dr. med. Harald Mang
Universität Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. med. Michael Christ
Klinik für Notfall- und Internistische Intensivmedizin
Klinikum Nürnberg
michael.christ@klinikum-nuernberg.de
Interessenkonflikt
Sebastian Güldner ist Management Trainee bei den Helios-Kliniken.
Prof. Mang und Prof. Christ erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
1.
Güldner S, Langada V, Popp S, Heppner HJ, Mang H, Christ M: Patients with syncope in a German emergency department: description of patients and processes. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(4): 58–65.
VOLLTEXT
2.
Humm AM, Mathias CJ: Abnormal cardiovascular responses to carotid sinus massage also occur in vasovagal syncope – implications for diagnosis and treatment. Eur J Neurol 2010; 17: 1061–7.
CrossRef MEDLINE
3.
Diehl R: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie:
Synkopen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2008; 654 ff.
4.
Moya A, Sutton R, Ammirati F, Blanc, et al. for the Task Force for the Diagnosis and Management of Syncope; European Society of Cardiology (ESC); European Heart Rhythm Association (EHRA); Heart Failure Association (HFA); Heart Rhythm Society (HRS): Guidelines for the diagnosis and management of syncope (version 2009). Eur Heart J 2009; 30: 2631–71. Epub 2009 Aug 27.
MEDLINE PubMed Central
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