BRIEFE
Kommentar: Zu kurz gesprungen
Dtsch Arztebl 2012; 109(26): A-1382

Eine Beschreibung der Symptomatik einer Erkrankung, ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen, sich mit der Ätiologie und Pathogenese zu befassen, ist nicht nur in der Medizin eine problematische Vorgehensweise. Und so bleibt der Kommentar von Grünwald eine, noch dazu inhaltlich teilweise falsche, rein phänomenologische Veranstaltung.
Falsch deswegen, weil beispielsweise der MDK Bayern seit Jahren sein Budget in Absprache mit den gesetzlichen Krankenkassen kontinuierlich reduziert hat. Dass also diese Kosten eine „zunehmende Rolle“ spielen würden, ist schlicht Unfug.
Die Frage, warum der Verwaltungsaufwand im Gesundheitswesen so hoch ist, ist in erster Linie so zu beantworten: Sobald ein Bereich wie die Medizin dem ungehemmten Profitstreben von Leistungsanbietern ausgeliefert wird, muss selbstverständlich auch erheblich höherer Aufwand für Kontrollen betrieben werden . . .
Die logische Schlussfolgerung aus der von Grünwald beklagten Situation wäre simpel: Statt Deregulierung und Privatisierung des Medizinbetriebs das Gegenteil vorzunehmen, nämlich Entprivatisierung des gesamten Sektors nach dem Grundsatz, dass Gesundheitsversorgung keine Ware ist, sondern eine öffentliche Aufgabe, die nach dem Solidarprinzip wahrgenommen werden und allen Bürgern unbeschadet ihrer sozialen Stellung gleich gut, gleich schnell und gleich effektiv zugutekommen muss.
Wer das nicht will, der sollte sich über zu viel Bürokratie dann allerdings nicht beschweren.
Dr. med. Klaus Engert, 84359 Simbach am Inn
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