AKTUELL: Akut
PIP-Brustimplantate: Kein Krebsrisiko, aber häufiger Rupturen
Dtsch Arztebl 2012; 109(26): A-1348 / B-1168 / C-1148

Die als minderwertig eingestuften Brustimplantate des Herstellers PIP zeigen zwar eine deutlich erhöhte Neigung zu Silikonaustritten (bleeds) und Rupturen, aber die dabei freigesetzten Siloxane sind einem Bericht des britischen Gesundheitsministeriums zufolge jedoch weder gewebeschädigend noch krebserregend. Über Jahre hatte die inzwischen liquidierte Firma Poly Implant Prothèse (PIP), ihre international vertriebenen Silikoneinlagen für Brustimplantate nicht mit dem zugelassenen Silikongel gefüllt, sondern mit einem billigen Industrieersatz. Inzwischen liegen chemische Analysen der betroffenen PIP-Implantate vor. Sie zeigen, dass die Abweichungen vom medizinisch zugelassenen Silikon geringer sind als befürchtet.
Grobe Verunreinigungen mit anorganischen oder organischen Schadstoffen wurden laut dem Bericht von Sir Bruce Keogh, dem Leiter des Staatlichen Gesundheitsdienstes in England (NHS), nicht gefunden. Die Abweichungen betreffen in erster Linie zyklische Silikone von geringem Molekulargewicht. Diese Siloxane gelten als atoxisch, zumal sie legalerweise in einer Reihe von Hautpflegeprodukten enthalten sind. Die Forscher sehen deshalb keine akute Gesundheitsgefährdung für die PIP-Implantatträgerinnen.
Es werde allerdings geprüft, ob Siloxane aufgrund ihrer kleinen Größe in die Muttermilch übertreten. Bisher rät die britische Aufsichtsbehörde MHRA Frauen mit PIP-Implantaten nicht grundsätzlich vom Stillen ab. Alle Toxizitätstest hätten weder Hinweise auf eine Zytotoxizität noch eine Genotoxizität ergeben. Auch der etwas erhöhte Gehalt von radioaktivem Caesium (0,3 ppm) wird als unbedenklich eingestuft.
Das Rupturrisiko ist nach Ansicht der Experten dagegen zwei- bis sechsfach höher als bei Implantaten anderer Hersteller – wobei sich der Unterschied etwa fünf Jahre nach der Implantation bemerkbar macht. Nach den aktuellen Zahlen einer retrospektiven Analyse haben nach fünf Jahren 1,2 Prozent der PIP-Implantate versagt (andere Hersteller: 0,2 bis 0,4 Prozent), nach zehn Jahren waren es 3,1 Prozent (andere Hersteller: 0,5 bis 1,1 Prozent).
Diese Zahlen gelten jedoch nur als die Spitze des Eisbergs, da die meisten Rupturen nicht bemerkt werden. Man schätzt, dass die Gesamtversagerrate (Ruptur oder Silikon-Bleeds) nach fünf Jahren sechs bis zwölf Prozent, nach zehn Jahren 15 bis 30 Prozent betragen könnte (andere Hersteller: zehn bis 14 Prozent). Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko von lokalen Gewebereaktionen im Fall einer Ruptur. rme
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