BRIEFE
Epilepsie: Nicht auf Deutschland übertragbar
Dtsch Arztebl 2012; 109(27-28): A-1437 / B-1241 / C-1219


Die Frage der Durchbrechung eines Status epilepticus mit einer Dauer von mehr als fünf Minuten stellt sich im deutschen Rettungsdienst nicht in derartiger Aktualität wie in den USA, da üblicherweise nach dieser Zeit ein Notarzt zur Stelle ist und eine intravenöse Therapie durchführen kann. Damit erübrigt sich eine grundsätzliche Medikation durch Rettungspersonal, was nicht heißt, dass es im Einzelfall erforderlich werden könnte. Allerdings gehört Midazolam nicht zu den von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft angegebenen Medikamenten, die durch Rettungspersonal in der Notkompetenz verabreicht werden dürfen. Aufgrund der Erfahrungen im Rettungsdienst stellt im Gegensatz zum epileptischen Anfall, der fast immer bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vorbei ist, der Status epilepticus eine echte Rarität dar, da die meisten Patienten entsprechend medikamentös eingestellt sind. Es ist für Deutschland unvorstellbar, eine derart große Anzahl von Patienten mit diesem Krankheitsbild (circa 900 Patienten in der referierten RAMPART-Studie, Anm. d. Red.) eruieren zu können. Für den Notarzt kommt eine i. m-Injektion meist nicht infrage, und sie wäre auch kein genereller Vorteil. Einen Midazolam-Autoinjektor für die intramuskuläre Gabe gibt es meines Wissens in Deutschland nicht.
Bemerkenswert ist der Anteil der Patienten, die nach der Applikation intubiert werden mussten (circa 14 % in beiden Behandlungsgruppen). Damit ist das Rettungspersonal in Deutschland überfordert, und es wäre ein wesentlicher Grund, von dieser Therapieoption in den Händen von Nichtärzten abzusehen.
Nicht nachvollziehbar ist die Aussage, dass zwischen dem Eintreffen der Sanitäter und der Applikation 1,2 beziehungsweise 4,8 Minuten vergingen, das würde bedeuten, dass die Applikation nicht am Notfallort, sondern erst in der Klinik erfolgte, womit der Vorteil der präklinischen Anwendung nicht zum Tragen käme.
Prof. Dr. med. Peter Sefrin, Sektion für präklinische Notfallmedizin, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie der Universität Würzburg,
97080 Würzburg
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