AKTUELL: Akut
Vor dem Start der XIX. Weltaidskonferenz in Washington
Dtsch Arztebl 2012; 109(27-28): A-1402 / B-1214 / C-1194

22 Jahre nach der Weltaidskonferenz in San Francisco kehrt die Internationale Aids-Gesellschaft (IAS) für ihren XIX. Kongress zurück in die USA: In Washington treffen sich vom 22. bis 27. Juli mehr als 25 000 Ärzte, Wissenschaftler, HIV-Infizierte, Politiker und 3 500 Journalisten zum interdisziplinären Austausch. „Wegen des Jahrzehnte bestehenden Einreiseverbots für HIV-Infizierte in die Vereinigten Staaten hatte die Fachgesellschaft den USA bewusst die Gastgeberrolle verweigert“, sagt IAS-Präsident Prof. Dr. med. Elly Katabira von der Medizinischen Fakultät der Makerere University in Kampala, Uganda. Im Jahr 1987 hatte das Department of Health and Human Services die Infektionserkrankung auf die Liste der übertragbaren Krankheiten gesetzt, was weltweit massive Kritik und den Vorwurf der Ignoranz auslöste. Die Bemühungen, das Einreiseverbot aufzuheben, begannen während der Bush-Regierung und wurden dann unter Präsident Obama im Jahr 2010 abgeschlossen.
„Als diese Beschränkung aufgehoben wurde, wurde es für die Fachgesellschaft wichtig zurückzukehren, denn die USA leisten seit jeher den größten Beitrag zum Kampf gegen die Epidemie“, erklärt Katabira. Die Hauptstadt Washington habe man aber nicht nur aus politischen Gründen ausgewählt, sondern weil die HIV-Inzidenz dort besonders hoch ist und der von finanzarmen Regionen der Welt entspricht.
Vor Eröffnung der Weltaidskonferenz warnte Katabira vor zwei Problembereichen der HIV-Bekämpfung, denen massiv zu begegnen sei. Ihn erfülle mit Sorge, dass junge Menschen die HIV-Epidemie nicht so ernst nähmen wie frühere Generationen. Er empfiehlt deshalb, Präventionskampagnen zu starten, die sich speziell an Jugendliche richten. Zudem warnte er davor, dass Stigmatisierung, Diskriminierung und antihomosexuelle Gesetze es verhindern, Präventions- und Behandlungsprogramme für Männer, die Sex mit Männern haben, sowie für Transgender zu verankern.
Katabira hatte die IAS-Präsidentschaft im Jahr 2008 übernommen – also in einer Zeit des globalen Wirtschaftsabschwungs und von Budgetkürzungen vieler Regierungen. Mit Blick auf die angespannte internationale Finanzlage hob der ugandische Mediziner hervor, dass die Welt sich die wirtschaftliche Verschwendung, die auch in einzelnen Bereichen der HIV-Epidemie bestehe, nicht mehr leisten könne. Darüber hinaus müssten die Mitarbeiter der Länder mit hoher HIV-Durchseuchung lernen, auch für ihre Misserfolge verantwortlich zu sein. zyl
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